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Aus: Ausgabe vom 26.01.2023, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Reizwort

Zu jW vom 17.1.: »Es geht ihm gut«

Das Reizwort Doping im Spitzensport ist immer noch und immer wieder Anlass für Skandalisierung oder auch, wie hier, für einen begrüßenswerten Jubiläumsbericht. Vor zehn Jahren also »erschütterte« Lance Armstrong die Sportwelt, löste angeblich ein Erdbeben in der Sportwelt aus, weil er in einem »explosiven Interview« sein höchst raffiniertes, perfektes Doping zugab. Alle Siege aberkannt, für den Rest seines Lebens gesperrt – warum eigentlich? Hat er irgend jemandem ernsthaft geschadet? Hat er sich gegenüber den anderen Dopern wie einem Jan Ullrich einen unfairen Vorteil verschafft? Dopingfreie Toursiege waren und sind vermutlich bis heute unmöglich, Armstrong sieht das sehr realistisch. Was sollen also das ganze Getue und die geheuchelte Empörung über das alltägliche Doping im internationalen Spitzensport?

Es freut mich zu lesen, »es geht ihm gut«, er kann mit dem ehemaligen Dopingkumpan Ullrich freundschaftlich umgehen. Beide haben sich bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit über die vielen Pässe der großen Rundfahrten geschunden, Armstrong war der Beste und Größte. Siebenmal in Folge die Tour zu gewinnen ist eine einmalige Leistung – mit oder ohne Doping. Die Aberkennung der Toursiege ist zumindest ungerecht, kaum ein Toursieger der letzten sechzig Jahre dürfte ohne Doping auf dem Podest des Gelben Trikots gelandet sein.

Mir fällt bei der üblichen Skandalisierung des Dopings in der Sportpresse immer wieder Fritz Eckengas Gedicht »Sportler nicht essen« ein: »Die Presse machte auf Skandal, / das Komitee auf voll brutal. / Die Siege wurden aberkannt, / die Sieger lebenslang verbannt. / Das Publikum hat abgeklärt / die Stars auch weiterhin verehrt: / Es ist uns wurscht, hört auf zu messen, / wir woll’n die Doper ja nicht essen. // PS: … und auch nicht das Pferd / von Isabell Werth«.

Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass allein in Deutschland jährlich Hunderte Millionen schwerst mit Antibiotika gedopte Masthühnchen verspeist werden? Ebenso Schweine, Kälber, Eier, Kartoffeln, Obst etc., alles mit Tierpharmaka oder »Pflanzenschutzmitteln« gedopt. Die Gefahren für die Gesundheit, für die Entstehung neuer Pandemien oder für die Umwelt sind Fachleuten bekannt, von »Erdbeben« oder »Erschütterungen« habe ich noch nichts gehört. Es geht uns ja (noch) gut?

Emmo Frey, Dachau

Verkehrswende

Zu jW vom 10.1.: »Der Autoindustrie verpflichtet«

Den Vorschlag des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, vor allem den Fahrradverkehr zu stärken, kann ich nicht befürworten. Ein Fahrrad ist kein Ersatz für die S-Bahn, weil nicht jeder körperlich in der Lage ist, ein Balancefahrzeug zu fahren, und auch kein Ersatz für den ICE.

In Plauen wird die Förderung des Radverkehrs praktiziert, wie man es nicht machen sollte: Es darf mit dem Fahrrad und mit dem Elektroroller in der Fußgängerzone gefahren werden, weil nach der Ansicht des Oberbürgermeisters Steffen Zenner jeder Laden direkt mit dem Fahrrad erreichbar sein soll. Es wurde auf allen sehr stark befahrenen Hauptstraßen mit Verkehrsschildern der Fahrrad- und Elektrorollerverkehr auf die Fußwege verlagert, so dass Fußgänger zum Störfaktor werden!

Ulrich Neef, Plauen

Blinde Solidarität

Zu jW vom 20.1.: »Raus aus der Tonne«

Billy Nomates macht sicherlich gute Musik, wurde ja auch von Sleaford Mods und indirekt von Iggy Pop gefördert. Politisch unterstützt sie bedingungslos und völlig unkritisch das Regime in Kiew – und meinte dazu erst kürzlich, sie »tue was Gutes«. Schade, dass dieser talentierten Künstlerin – wie auch vielen anderen leider – die kritische Haltung und Perspektive fehlt. Ich hätte nie gedacht, dass Bands wie Idles oder ­Portishead sich für das Regime in der Ukraine einspannen lassen. Der russische Angriff ist klar zu verurteilen, denn er rechtfertigt die Doktrin des »Präventivschlags«, die regelmäßig vom US-Imperialismus und den Kolonialmächten gerechtfertigt wurde oder wird. Das heißt jedoch nicht, dass die Hintergründe, Herausforderungen und Widersprüche, die Russland zu diesem fatalen Schritt geführt haben, ignoriert werden können. Einfach solidarisch und blind das Regime von Selenskij zu unterstützen hilft weder den Menschen in der Ukraine, inklusive des Donbass, noch führt es zu einer diplomatischen Lösung, um den Krieg zu beenden.

Martin Mandl, Paris

Öffentliche Meinung

Zu jW vom 21./22.1.: »Deutscher Wille«

Seit einem Jahr ist die Regierung einer scharfen Zensur ausgesetzt – und zwar von seiten großer Medien, die eigentlich jede Zensur ablehnen sollten. Jede kleinste seltene Andeutung von Vernunft in der Außenpolitik durch die Regierung wird entweder unterdrückt oder scharf verurteilt. Der neue Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird wie ein Schwerverbrecher im TV von Anne Will verhört. Sein Verbrechen: Er setzt sich nicht sofort und heftig für die Entsendung von »Leopard«-Panzern in die Ukraine ein. Und wenn er und der Kanzler dann erwartungsgemäß einknicken, wird es heißen: Unerhört, so spät! All das erinnert an den Kalten Krieg unter Adenauer, der jedoch kaum von den Leitmedien kritisiert wurde. (Ich verfolge die Medien seit 65 Jahren.) Er hat ja auch die Wiederbewaffnung mit allen Mitteln durchgesetzt, ohne zu zögern. Weder zu Adenauers, noch zu Schmidts und Scholz’ Zeiten hatte die Rüstungspolitik je eine Mehrheit in der Bevölkerung hinter sich. Das wurde auf einer Tagung des Instituts für Demoskopie Allensbach bekannt. Einmal gelang es in der BRD-Geschichte, die öffentliche Meinung zur veröffentlichten Meinung zu machen, das war in der »Nachrüstungsdiskussion« der 80er Jahre. Die Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Meinung sollten immer wieder Druck auf die veröffentlichenden Medien machen, z. B. immer wieder protestieren und Leserbriefe schreiben. Und auch: Die junge Welt unterstützen! (…)

Ulrich Sander, Dortmund

Einmal gelang es in der BRD, die öffentliche Meinung zur veröffentlichten zu machen, das war in der »Nachrüstungsdiskussion« der 80er Jahre.

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