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Aus: Ausgabe vom 26.01.2023, Seite 8 / Ansichten

Diversity-Stratege des Tages: Carsten Schneider

Von Alexander Reich
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Öffentlich sichtbarer Erfurter: Carsten Schneider, SPD

Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Konzept verabschiedet, mit dem Ostdeutsche in die Chefetagen der Behörden gebracht werden sollen. Es gibt dort kaum welche, steht im Konzeptpapier des Ostbeauftragten der Regierung, Carsten Schneider (SPD). Zum Beispiel wurden von 184 Abteilungsleitern der obersten Behörden – Ministerien, Kanzleramt, Bundespräsidialamt etc. – nur fünf in Ostdeutschland geboren (und sieben »im Ausland«). Bei den Behördenleitern kommen die Ossis auf einen Anteil von 2,7 Prozent, bei den Vorsitzenden Richtern sind es 2,2 Prozent. Dabei ist etwa jeder fünfte Bundesbürger aus dem Osten.

»Die öffentliche Sichtbarkeit von Ostdeutschen in Führungspositionen« könne »das Vertrauen in die Demokratie stärken«, hob Schneider am Mittwoch aus gegebenem Anlass hervor – damit sie das System mögen lernen, sollen die Ossis mitentscheiden dürfen. Von einer entsprechenden Quotierung der Topjobs, wie sie am Mittwoch vom Ostbeauftragten der Linkspartei, Sören Pellmann, gefordert wurde, hält Schneider nichts. Sein Konzept zielt aufs große Ganze: »Die Bundesregierung wird in dieser Legislaturperiode eine ganzheitliche Diversity-Strategie für die Bundesverwaltung erarbeiten.« Davon müssten ja auch die Ossis profitieren, sollte man meinen. Wobei: Von 111 Abteilungsleitern in der Bundesregierung kommen nur vier aus dem Osten (steht nicht im Konzept).

Wenn es nichts wird mit dem Aufstieg, müssen wir Ossis uns nicht grämen. Das wurde bei der ersten Landtagssitzung des Jahres im Schweriner Schloss am Mittwoch deutlich. In einer »Aktuellen Stunde: Mecklenburg-Vorpommern meistert gemeinsam die Zeitenwende« erklärte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), »dass sich die Energiekarte dreht« – zum »Vorteil nicht nur gegenüber nationalen Ländern, sondern auch gegenüber anderen Bundesländern«. »Diejenigen werden im Vorteil sein, die Wind, Sonne, Wasser und Biomasse haben, und das haben wir.« Sie haben das Geld und die Macht. Wir haben den Wind und die Sonne. Und immer Ferien.

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