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Aus: Ausgabe vom 26.01.2023, Seite 7 / Ausland
»Juniper Oak 23.1«

Kriegsziel Iran

Erneutes gemeinsames Manöver der USA und Israels. Teheran nicht offiziell benannt, aber doch als Gegner gemeint
Von Knut Mellenthin
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Immer auf Konfrontationskurs: Flugzeugträger »USS George H. W. Bush« in Haifa (3.7.2017)

Seit Montag findet in Israel und im östlichen Mittelmeer die bilaterale israelisch-amerikanische Militärübung »Juniper Oak 23.2« statt. Ihre Dauer wird in nicht autorisierten Veröffentlichungen mit »einwöchig« beschrieben. Das lässt darauf schließen, dass die »Kriegsspiele« am Freitag vor Beginn der Schabbatruhe enden werden. Dieser einzelne Aspekt deutet aber auch darauf hin, dass die offiziell bestätigten Informationen über das Manöver, wie man wohl üblicherweise sagen würde, zu wünschen übriglassen.

Schon der Name der Militärübung lässt rätseln: »Oak« steht englisch für einen Eichenbaum, »Juniper« für einen Wacholderbusch. Was die Kombination beider Worte sagen soll, bleibt ebenso offen wie die zahlenmäßige Bezeichnung: Ein Manöver »Juniper Oak 23.1« hat es anscheinend nicht gegeben. Die Behauptung, es handele sich um die größte israelisch-US-amerikanische Militärübung, die jemals stattgefunden habe, wird zwar in den Medien weitergereicht, aber sie ist nicht offiziell bestätigt und schwer nachprüfbar. Stars and Stripes, die Zeitung und Internetpublikation der US-Streitkräfte, bleibt auf sicherem Terrain, indem sie lediglich feststellt, die Übung sei die größte, seit Israel im September 2021 in das Zuständigkeitsgebiet des US-Zentralkommandos Centcom einbezogen wurde.

In der offiziellen Ankündigung des Manövers durch das Centcom, das seinen zentralen Standort nicht etwa irgendwo in Nah- oder Mittelost, sondern in Tampa (Florida) hat, wird betont, dass das »Kommando Mitte« solche Übungen »routinemäßig mit unseren Partnern durchführt«. Der Zweck sei, »das Zusammenwirken zwischen militärischen Kräften weiterzuentwickeln und die militärischen Fähigkeiten zu steigern«. Außerdem sei es wichtig für »die Sicherheit und Stabilität der Region«. Die bei solchen Übungen gewonnenen Erfahrungen ließen sich »an unsere Partner in der gesamten Region weitervermitteln«, wird in der am Montag veröffentlichten Ankündigung der Chef des Centcom, General Michael Kurilla, zitiert.

In allen offiziellen Verlautbarungen von israelischer und US-amerikanischer Seite wird sorgfältig und konsequent vermieden, den Iran als Adressaten der »Kriegsspiele« zu nennen. Aber tatsächlich könnten beide Staaten absolut keine andere »Bedrohung« in der Region nennen, auf deren Bekämpfung es sich vorzubereiten gelte, ohne ihre arabischen Verbündeten zu beleidigen. Den Iran explizit ins Spiel zu bringen, bleibt indessen namenlosen »US-Offiziellen« vorbehalten, die die Medien auftragsgemäß mit entsprechenden Hinweisen versorgen.

Am Manöver »Juniper Oak 23.2« sind mehr als 140 Militärflugzeuge und zwölf Kriegsschiffe beider Seiten beteiligt. Die US-Streitkräfte steuern außerdem unter anderem mehrere Exemplare des auch an die Ukraine gelieferten Raketenwerfersystems »Himars« bei, dessen Reichweite mit 480 Kilometern angegeben wird. Die Aufgaben der Kriegsübung erscheinen in der Bekanntmachung des Centcom vielfältig, werden in israelischen Darstellungen aber konzentriert auf das Auftanken von Kampfflugzeugen in der Luft – um also die lange Strecke bis zum Iran und den Rückflug schaffen zu können – und auf den Abwurf von »scharfer Munition« über der Negev-Wüste, das heißt auf den Einsatz von Bomben und Raketen. Man werde das Agieren des »Sicherheitspersonals« während der Übung im ganzen Land und das Echo der Explosionen im Süden wahrnehmen, ist in der Ankündigung der israelischen Streitkräfte zu lesen.

Das letzte bilaterale Manöver dieser Art, wenn auch in etwas kleinerem Maßstab, fand gerade erst Ende November statt. Kurz zuvor hatte sich der damalige Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, Aviv Kochavi, bei fünftägigen Gesprächen in Washington offenbar mit der Forderung durchgesetzt, beide Staaten müssten »in beschleunigtem Tempo gemeinsame militärische Kapazitäten« gegen die »zunehmenden Bedrohungen in der Region und insbesondere gegen das iranische Regime« aufbauen.

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