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Aus: Ausgabe vom 25.01.2023, Seite 16 / Sport
Handball

Bis zur Beißwut

Die deutsche Handballnationalmannschaft der Herren trifft im WM-Viertelfinale auf Frankreich
Von Ken Merten
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Ein Weckruf vor dem Viertelfinale – Auszeit im Spiel Deutschland gegen Norwegen

Norwegen nordete ein: Nach der ersten Niederlage im letzten Hauptrundenspiel am Montag abend gegen die weiterhin unbesiegten Skandinavier (26:28) dürfte etwas mehr Realismus eingekehrt sein bei jenen, die die deutsche Herrenhandballnationalmannschaft schon unbeschwert auf Titelkurs sahen. Nachdem sich aber Vorrundengegner Katar als weit schwächer im Vergleich zu vorangegangenen Turnieren präsentiert hatte, durfte man die Partie um den Gruppensieg in der Katowicer ­Spodek-Halle als erste wirkliche Prüfung gegen eine Topmannschaft ansehen. Das Team des isländischen Trainers Alfreð Gíslason hat sie nicht bestanden. Zwar war die Partie durchweg eine auf Augenhöhe – zur Halbzeit stand es 16:18 und acht Minuten vor Schluss konnte das DHB-Team sogar kurzzeitig in Führung gehen, geriet dann jedoch in Unterzahl nach einer roten Karte für den Leipziger Rückraumspieler Luca Witzke schnell wieder in Rückstand –, zu oft aber scheiterte die deutsche Offensive um Juri Knorr (Rhein-Neckar Löwen) an einem norwegischen Keeper in Hochform. Der 28jährige Torbjørn Bergerud von Kolstad IL wurde nach dem Spiel mit einer Fangquote von beeindruckenden 55 Prozent zu Recht zum »Man of the Match« gekürt.

»Es ist wirklich schade, wie wir besonders in der zweiten Hälfte mit sehr klaren Chancen umgehen. Wir hätten das Spiel mit einer besseren Quote aus sechs Metern nach Hause fahren müssen«, kommentierte Gíslason das Spiel im nachhinein gegenüber der ARD. Auch Kapitän Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt) wies in seinem Fazit auf eine durchwachsene Mannschaftsleistung hin: »In der ersten Halbzeit waren wir in der Abwehr ein bisschen zu löchrig, wir haben nicht die Stabilität und Aggressivität wie im Spiel zuvor reinbekommen«, sagte er am Montag gegenüber dem Onlineportal handball-world.news. Und: »Das ist ein Weckruf vor dem Viertelfinale.«

Das steht am Mittwoch abend (20.30 Uhr) nun gegen Olympiasieger Frankreich in Gdansk an. Dem vermeintlich schwereren Gegner Spanien ist man durch das Abrutschen auf den zweiten Platz der Hauptrundengruppe entgangen, hört man allenthalben, während man doch das Zittern vor französischen Superstars wie dem nunmehr 38jährigen Rückraumspieler Nikola Karabatic (PSG) denselben Stimmen entnehmen kann. Denn auch gegen die Franzosen ist klar, wer die Favoriten sind – die Deutschen jedenfalls nicht. Steigert sich aber Knorr bei den Abschlüssen und legt der beim Rekordmeister KS Kielce angestellte und durchweg souveräne Andreas Wolff eine bergerudmäßige Performance im Kasten hin, dann gibt es Chancen auf das Halbfinale.

Die Spanier derweil müssen 18 Uhr gegen Norwegen ran, zeitgleich zur Partie des klar favorisierten, aber bislang nicht immer überzeugenden Titelverteidigers Dänemark gegen Ungarn. Das Parallelspiel um 20.30 Uhr bestreiten Schweden und Ägypten, die einzig verbliebene nichteuropäische Mannschaft.

Das entspricht nicht gerade dem, was die »Sportschau« fordert. Die hatte am 17. Januar einen vierminütigen Beitrag mit dem Titel »Warum der Handball globaler werden muss« veröffentlicht und dabei auf den ersten Sieg einer US-amerikanischen Männermannschaft bei einer Weltmeisterschaft verwiesen: Mit 28:27 (12:12) hatten sich die USA in der Gruppe G gegen Marokko durchgesetzt. Stärker in Erinnerung bleiben wird allerdings eine Aktion von Paul Skorupa (VfL Lübeck-Schwartau): Der Deutschamerikaner übertrieb sein Abwehrverhalten im Hauptrundenmatch gegen Bahrain (27:32) deutlich, indem er den am Ball befindlichen Hussain Al-Sayyad (Khaleej Club) in den Wurfarm biss. Scheint zu stimmen, was der US-Teammanager und deutsche Exnationalspieler Andreas Hertelt da der »Sportschau« sagte: »Das ist grundlegend, dieser American Spirit. Das ist spürbar. Die spielen für ihr Land, das ist ganz merkwürdig, auch manchmal für einen Deutschen vielleicht sogar, dass man so inbrünstig für eine Nation spielen kann. Die kämpfen wie verrückt, die spielen auch oft über ihre Verhältnisse.« Und anscheinend bis zur Beißwut. Das wundert sogar einen Deutschen.

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