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Aus: Ausgabe vom 25.01.2023, Seite 10 / Feuilleton

Baur, Stephan, Ritter

Von Jegor Jublimov
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Reimar Johannes Baur trinkt mit Dietrich Körner in »Das andere Leben des Herrn Kreins«

Er gäbe seinen Figuren »etwas Kindliches und Infantiles in einem«, schrieb Ernst Schumacher 1977 in der Berliner Zeitung, als Reimar Johannes Baur in der damaligen Kleinen Komödie des Deutschen Theaters (DT) in einem Karl-Valentin-Abend auftrat. Ob Baur mit der Formulierung etwas anfangen konnte? Er stand in diesen Jahren ganz oben in der Reihe der großen Schauspieler des Hauses, an das er 1960 von Wolfgang Langhoff verpflichtet worden war. Noch in den 40er Jahren erhielt er seine Ausbildung am Defa-Nachwuchsstudio und hat tatsächlich ab und an bei der Defa gespielt, beispielsweise 1974 die Titelrolle in Frank Vogels Historienfilm »Johannes Kepler«. Frank Beyer gab ihm 1992 seine letzte Hauptrolle in dem ARD-Zweiteiler »Sie und Er« mit Senta Berger nach einer Ehegeschichte von Klaus Poche. Baur blieb noch bis 2001 am DT, musste dann aber aufhören, weil seine Sehkraft nachließ.

Seit Ende der 50er Jahre spielte Baur häufig im Fernsehen, darunter als eine der besten Rollen den Heimkehrer Beckmann in Wolfgang Borcherts »Draußen vor der Tür«. Auf Bühne und Bildschirm zeigte er sich oft in Stücken von Gegenwartsautoren von Bruno Apitz (»Esther«, mit Gisela May, 1960) über Rolf Schneider (»Abituriententreffen«, mit Dietlinde Greiff, 1964) bis zu Peter Turrini (»Josef und Maria«, mit Elsa Grube-Deister, 1991). Nicht zu vergessen sein ins Ironische zielender Robert Iswall in der Dramatisierung von Hermann Kants »Aula« (1968). Als Baur in seinem ersten Engagement in Greiz in Goldonis »Mirandolina« auftrat, hatte er seine Kollegin Annelene Hischer kennengelernt, mit der er auch in Berlin noch oft spielte und die seine Frau wurde. Im Juni 2021 ist sie 90jährig gestorben. Sein 95. Geburtstag war am Montag.

Am Dienstag konnte Regisseur Bernhard Stephan seinen 80. Geburtstag begehen. Jüngeren ist er wohl eher durch die von 1997 bis 2007 laufende ZDF-Serie »Der letzte Zeuge« mit Ulrich Mühe und Jörg Gudzuhn ein Begriff. Aber auch als Spielfilmregisseur hat er verschiedene Erfolge vorzuweisen, etwa 1974 den Jugendfilm »Für die Liebe noch zu mager?« mit der Musik der Gruppen Renft sowie Illes aus Ungarn. Die Ungarin Györgyi Tarjan spielte 1982 die Titelrolle in Stephans »Sonjas Rapport« nach dem Buch der Kundschafterin Ruth Werner, und auch seine Komödie »Fahrschule« (1986) mit Jörg Gudzuhn findet noch immer ein mitfühlendes Publikum.

In einer Episode von »Der letzte Zeuge« hat auch Angelika Ritter mitgespielt, die am 24. schon ihren 75. Geburtstag feiern konnte. Man sieht sie jetzt gern als Gerda in den Wiederholungen der »Spreewaldfamilie« (1989). Ritter hatte in Babelsberg Schauspiel studiert und war schon 1970 ans Berliner Ensemble gekommen, wo sie z. B. die Fina in »Herr Puntila und sein Knecht Matti« spielte. Vor der Kamera arbeiteten mit ihr Regisseure wie Frank Beyer, Egon Günther und Georgi Kissimov. Tragisch für alle Beteiligten bleibt, dass der Film »Schnauzer« von Maxim Dessau mit ihr in der weiblichen Hauptrolle 1984 nicht fertiggestellt werden durfte.

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