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Aus: Ausgabe vom 25.01.2023, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Energieversorgung

Blackout in Pakistan

Stromversorgung vor Kollaps, Regierung hofft auf Moskau
Von Thomas Berger
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»Urbane Zentren blieben bisher weitgehend verschont«: Stromausfall in Rawalpindi, Provinz Punjab

Am Montag mussten die allermeisten der 220 Millionen Einwohner Pakistans ohne Strom auskommen, und zwar den ganzen Tag über. Es war einer der schlimmsten Blackouts in der Geschichte des Landes. Als »wirtschaftliche Maßnahme« seien die Kraftwerke in der Nacht abgeschaltet worden, erklärte Energieminister Musadik Malik. Beim Wiederhochfahren kam es zu Frequenzschwankungen. Die Versorgung brach ab 7.34 Uhr Ortszeit nach und nach landesweit zusammen. Umgehend wurden Reparaturteams losgeschickt, aber erst nach etwa zwölf Stunden waren die ersten Orte und Stadtviertel wieder am Netz. In vielen Gegenden dauerte die Schadensbehebung bis in die Nacht zum Dienstag.

Im ländlichen Raum sind stundenlange Stromausfälle keine Seltenheit, urbane Zentren wie Karatschi, Islamabad oder Peschawar blieben davon bisher weitgehend verschont. In der Millionenstadt Lahore kollabierte am Montag der morgendliche Berufsverkehr, weil die Metro zum Stillstand kam. Zumindest in der Provinz Belutschistan waren auch Krankenhäuser betroffen, da sie nicht über Generatoren für die Notstromversorgung verfügten. In einigen Landesteilen war darüber hinaus die Trinkwasserversorgung beeinträchtigt.

Das pakistanische Leitungsnetz ist marode, die Erneuerung der Infrastruktur überfällig. Zuletzt hatte Mitte Oktober eine Überlastung von 550-Kilovolt-Hochspannungsleitungen einen großflächigen Stromausfall in der 16-Millionen-Metropole Karatschi sowie weiten Teilen der Provinzen Sindh, Punjab und Belutschistan zur Folge. Die für die Sicherstellung der Grundversorgung nötigen Milliardeninvestitionen sind nicht in Sicht. Seit geraumer Zeit verhandelt die Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über die nächste Tranche aus einem 2019 vereinbarten »Hilfspaket«. Das war von sechs auf sieben Milliarden US-Dollar aufgestockt worden, aber zuletzt floss im August eine Rate. Seit September liegen Islamabad und IWF wegen der Auszahlungsmodalitäten im Clinch. Anfang Dezember waren die Devisenreserven des Staates auf 7,5 Milliarden US-Dollar zusammengeschmolzen. Würde das Geld vom IWF endlich kommen, müsste damit zuerst einmal die Liquidität abgesichert werden. Allein die jährlichen Ölimporte, die einen Großteil der Stromerzeugung sicherstellen, schlagen bisher mit rund drei Milliarden US-Dollar zu Buche. Zudem muss das Land noch die drastischen Schäden aus der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr beseitigen, die von der Weltbank auf 40 Milliarden US-Dollar geschätzt werden.

Pakistan bezieht mindestens 60 Prozent seines Stroms aus fossilen Brennstoffen. Erleichterung für die Staatskasse soll russisches Öl bringen. Ab März soll es zu ermäßigten Preisen eingeführt werden und Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Kuwait ersetzen. Der russische Energieminister Nikolai Schulginow bestätigte am vergangenen Freitag eine »prinzipielle Übereinkunft«. Bis Ende März sollen Versicherungs-, Zahlungs- und Transportfragen geklärt werden.

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