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Aus: Ausgabe vom 25.01.2023, Seite 8 / Abgeschrieben

Menschen mit Behinderung als Verfolgte anerkennen!

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Stacheldrahtzaun des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe erklärte am Dienstag anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Faschismus am 27. Januar:

Der Deutsche Bundestag muss endlich auch im Rahmen der »T4«-Aktion ermordete Menschen mit Behinderung offiziell als Verfolgte des Naziregimes anerkennen. Das fordert mit Nachdruck die Bundesvereinigung Lebenshilfe anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. »78 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es keinen einzigen historischen Grund, den Opfern von ›Euthanasie‹ und Zwangssterilisation den Verfolgtenstatus zu verweigern. Damit werden sie bis zum heutigen Tag zu Opfern zweiter Klasse gemacht«, beklagt Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und ehemalige Bundesgesundheitsministerin.

Von 1939 bis 1945 wurden in ganz Europa rund 300.000 kranke und behinderte Menschen umgebracht. (…) Und die NS-Verbrechen wirken bis in die Gegenwart weiter. Ulla Schmidt: »Auch im Deutschland des Jahres 2023 stoßen Menschen mit Behinderung auf Ablehnung und Vorurteile. Angesichts hochentwickelter vorgeburtlicher Untersuchungsmethoden müssen sich Eltern eines behinderten Kindes immer wieder Kommentare wie diesen anhören: ›Musste das sein, habt ihr das denn nicht gewusst?‹« Zumeist führe die vorgeburtliche Diagnose einer Behinderung zur Abtreibung, weil sich die Eltern in einer auf Leistung und Optimierung getrimmten Gesellschaft das Leben mit einem behinderten Kind nicht zutrauten.

»Statt Angst und Ausgrenzung brauchen wir eine Willkommenskultur«, betont Ulla Schmidt. »Es gibt kein lebensunwertes Leben, Menschen mit Behinderung gehören zur ganzen Bandbreite menschlicher Vielfalt dazu – ohne Wenn und Aber. Die Lebenshilfe setzt sich daher seit ihrer Gründung vor mehr als 60 Jahren für eine inklusive Gesellschaft ein, die Menschen mit Behinderung und anderen Minderheiten uneingeschränkte Teilhabe garantiert.«

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) informierte am Dienstag über massive Defizite im Schwimmunterricht:

Die Zahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht schwimmen können, hat sich verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage von Forsa im vergangenen Jahr. (…) Während der Coronapandemie hat über längere Zeiträume praktisch keine Schwimmausbildung stattfinden können. In der Folge haben aktuell 37 Prozent der Jungen und Mädchen im Grundschulalter noch kein Schwimmabzeichen – auch nicht das auf das Schwimmen vorbereitende »Seepferdchen«: Der Anteil der Kinder mit dem beliebten Abzeichen ist gegenüber 2017 von 69 auf 54 Prozent gesunken. (…) »Wie Jungen und Mädchen lesen, schreiben und rechnen lernen, so müssen sie auch schwimmen lernen. Wir müssen dahin kommen, dass jedes Kind am Ende der Grundschule sicher schwimmen kann.« Das gelte auch jetzt in der Energiekrise, in der eine ganze Reihe an Kommunen darüber nachdenkt, ihre Bäder zu schließen.

Die von der DLRG beauftragte Umfrage zeigte zudem deutlich auf, dass Jungen und Mädchen in Familien mit einem geringen Haushaltseinkommen viel häufiger Nichtschwimmer sind. Die Hälfte (49 Prozent) der Kinder aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro kann nicht schwimmen. Hingegen sind es bei einem Haushaltsnettoeinkommen über 4.000 Euro zwölf Prozent. Dazu Vogt: »Schwimmen zu können darf keine Frage des Geldes sein. Um so wichtiger ist es, dass jede Schule in die Lage versetzt wird, das Schwimmen angemessen zu unterrichten.«

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