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Aus: Ausgabe vom 25.01.2023, Seite 6 / Ausland
Diplomatie und Energieprojekte

Strategische Partner

Italiens Premierministerin Meloni zu Besuch in Algerien. Verstärkte Zusammenarbeit im Energiebereich
Von Jörg Tiedjen
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Ungleiche Verbündete: Italiens rechte Premierministerin Giorgia Meloni und der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune am Dienstag in Algier (24.1.2023)

Als erste Station einer Reise in den Norden Afrikas hat die italienische Premierministerin Giorgia Meloni von den faschistischen Fratelli d’Italia am Montag und Dienstag Algerien besucht. Gemeinsam mit dem algerischen Staatspräsidenten Abdelmadjid Tebboune erinnerte sie an den Abschluss eines Freundschaftsvertrags im Januar 2003. Zugleich habe Meloni mit ihrem Besuch die »Bedeutung Algeriens für Italien als wesentlicher und bedeutender strategischer Partner unterstreichen wollen«, wie die algerische Nachrichtenagentur APS am Montag hervorhob.

Bei dem Treffen sei ein altes Pipelineprojekt wiederbelebt worden. Demnach soll der im Jahr 2000 gefasste Plan einer Gasleitung von Algerien über Sardinien zum italienischen Festland nun verwirklicht werden, wie die Infoseite Tout sur l’Algérie ausführte. Der Bau der »Galsi« abgekürzten Pipeline hätte bereits 2014 begonnen werden sollen, wurde aber aufgrund der Konkurrenz durch billiges russisches Gas fallengelassen. Wegen des Ukraine-Kriegs und der Sanktionen gegen Russland ist das Vorhaben wieder aktuell.

Meloni führt fort, was schon ihr Vorgänger Mario Draghi in die Wege geleitet hatte. Die italienische ENI-Gruppe unterzeichnete vergangenen April einen Vertrag mit dem algerischen Energiekonzern Sonatrach, der vorsieht, dass algerische Gaslieferungen nach Italien über einen Zeitraum von drei Jahren um neun Milliarden Kubikmeter erhöht werden.

Italien will zu einem Knotenpunkt für algerische Gaslieferungen werden. Dieses Ziel hatte ursprünglich auch Spanien. Allerdings hat Madrid Algier verärgert. Um eine diplomatische Krise mit Marokko beizulegen, war der spanische Premierminister Pedro Sánchez (PSOE) vergangenes Frühjahr nach Rabat gereist und stellte sich dort hinter den völkerrechtswidrigen Standpunkt, dass die Westsahara zu Marokko gehöre. Darauf kündigte Algier den Freundschaftsvertrag mit Madrid und belegte Spanien mit Sanktionen. Das war die Chance für Italien, sich als neuer bevorzugter Geschäftspartner Algeriens in der EU anzubieten.

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