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Aus: Ausgabe vom 23.01.2023, Seite 2 / Ausland
Konflikt um Ukraine

Warnung vor Atomkrieg

Russland schließt bei Panzerlieferungen an Kiew Nukleareinsatz nicht aus
Von Reinhard Lauterbach
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Werden fast alle selbst gebraucht: Kampfpanzer »Leopard 2« der deutschen Bundeswehr (Munster, 28.4.2022)

Russland hat seine Warnungen an die Adresse der NATO vor der Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine verschärft. Eine solche Entscheidung würde die Tür zu einer »katastrophalen Eskalation« öffnen, schrieb der Präsident der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, am Wochenende auf Telegram. Russland werde auf eine solche Entwicklung mit dem Einsatz »mächtigerer Waffen« antworten, falls die Ukraine mit Hilfe dieser Waffen Ziele im russischen Hinterland angreife oder versuchen sollte, »russische Gebiete« zu erobern. Hierunter versteht Russland auch die im Herbst 2022 eingegliederten Teile der Südukraine sowie die Krim. Zuvor hatte bereits der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew mit dem Einsatz russischer Atomwaffen gedroht.

Bei der Waffenstellerkonferenz in Ramstein (Rheinland-Pfalz) am Freitag hatte die Bundesregierung die Entscheidung, ob sie die Lieferung von »Leopard«-Panzern an die Ukraine freigibt, weiter hinausgezögert. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte jedoch, er lasse jetzt ermitteln, wie viele dieser Panzer die Bundeswehr überhaupt abgeben könne. Ein Bericht des aktuellen Spiegels spricht davon, dass die Bundeswehr in einer Aufstellung vom vergangenen Frühjahr 19 Panzer des Typs »Leopard 2« für entbehrlich erklärt habe. Kiew verlangt mehrere hundert westliche Panzer.

Unabhängig von der noch ausstehenden deutschen Genehmigung zum Reexport der »Leopard«-Panzer an die Ukraine will Polen mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten an ihnen auf polnischem Gebiet beginnen. Gleiches verlangte der Grünen-Politiker Anton Hofreiter auch von Berlin. Estland, Lettland und Litauen forderten die BRD in einer gemeinsamen Erklärung auf, die Lieferungen schnell zu genehmigen und »eine Führungsrolle« bei ihnen zu übernehmen.

Die Ukraine stellt für ihre im Frühjahr geplante Bodenoffensive neue militärische Einheiten auf. Diese sollen ausschließlich mit westlicher Technik ausgerüstet werden. Ukrainische Medien berichteten von einer »Durchbruchsbrigade«, deren Ausbildung an westlichen Waffen bereits begonnen habe. An der Front machten russische Truppen nach Meldungen vom Wochenende kleinere Geländegewinne im Norden und Südwesten der Stadt Bachmut. Ziel ist offenkundig, die beiden wichtigsten Versorgungsrouten für die ukrainischen Truppen zu unterbrechen.

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  • Leserbrief von Mike Gallrach aus Berlin (25. Januar 2023 um 10:47 Uhr)
    Wenn Russland von mächtigen Waffen spricht, sind das nicht automatisch Atomwaffen. Eine Hyperschallwaffe mit einem konventionellen Sprengkopf erreicht beim Einschlag alleine durch die freigesetzte kinetische Energie eine einer Atomwaffe ähnliche Wirkung ohne Strahlung. Und/aber spätestens, wenn die NATO die Ukraine mit uranhaltiger Munition versorgt, wird Russland handeln. Die Aussicht, dass selbige Munition (im Kaliber 20, 25, 30) über illegale Waffenhändler weltweit verfügbar gemacht wird, ist auch keine schöne Vorstellung. Im übrigen, deutsche Panzer gegen Russland sind für Russen eine eindeutige Kriegserklärung. Herr Putin muss gar nichts mehr machen, damit sich die Russen hinter ihn stellen. Im übrigen glaube ich nicht an das Märchen von den auszubildenden Panzerbesatzungen und das Zögern unserer Regierung. Die Ukraine ist ein NATO-Testgebiet und als nächstes testet man zeitnah die zentral gesteuerte koordinierte NATO-Waffengefechtsführung im Realeinsatz. Und Russland, wie es selbige ausschalten kann. Sicher ist dabei nur, dass wir alle dafür bezahlen werden.
  • Leserbrief von Frieder Beinrucker aus Zeesen (24. Januar 2023 um 14:38 Uhr)
    Der Krieg in der Ukraine ist ein Verbrechen an der ukrainischen und russischen Bevölkerung, da gibt es wohl keinen Zweifel. Wer die Verursacher sind, wissen wir u. a. aus der jungen Welt. Eine sehr gelungene Darstellung der Ursachen findet sich auch in dem Büchlein von dem US-Amerikaner Benjamin Abelow »Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte«. Schlimm genug, dass der Westen sich Verhandlungen zur Verhinderung des Krieges verweigerte und Friedensverhandlungen nach seinem Ausbruch nachweislich sabotiert hat, die nächste Eskalationsstufe ist bereits in Vorbereitung. Dass wieder deutsche Panzer auf russische Soldaten schießen, werden die russischen Streitkräfte nicht so hinnehmen. Vielleicht werden sie auch wieder von Soldaten bedient, welche SS-Runen am Ärmel tragen oder andere faschistische Symbole pflegen. In der ukrainischen Armee gibt es genug davon. Die deutsche Außenministerin unterstützt diesen Wahnsinn, indem sie behauptet, mit Panzern würde man ja nur »Leben retten«. Außer zum Einsatz von Kernwaffen könnte sich die russische Armee dann auch dazu entschließen, ihre Zurückhaltung in der Zerstörung der Nachschubwege aus dem Westen aufzugeben. Ziele könnten z. B. die Brücken über den Fluss Bug sowie die Eisenbahnverladestationen in Grenznähe sein. Treffer auf dem Gebiet von NATO-Staaten sind dann nicht mehr völlig auszuschließen. Sollte darauf die NATO reagieren, haben wir den dritten Weltkrieg. Daraus ergeben sich für uns jetzt also zwei Möglichkeiten: Entweder wir überlegen uns, wie wir uns und unsere Familien dann durch rechtzeitigen Suizid vor einem äußerst grausamen Tod durch Verstrahlung bewahren können oder wir stehen endlich alle gemeinsam auf, bevor es zu spät ist, und fordern mit aller Macht, dass dieser Wahnsinn endlich durch Verhandlungen beendet wird. Also aufstehen jetzt!
  • Leserbrief von Wilfried Schubert aus Güstrow (24. Januar 2023 um 14:10 Uhr)
    Mit 5.000 Helmen für die ukrainische Armee im Februar 2022 begann es. Da verweigerte Deutschland noch Waffenlieferungen. Aus den 5.000 Helmen wurden mittlerweile 28.000 Gefechtshelme, Munition, viele Waffensysteme, darunter Schützenpanzer, Panzerhaubitzen, Flakpanzer, Minenräumpanzer usw. 2022 für 1,7 Milliarden Euro und 2023 sollen es 2,3 Milliarden Euro sein, wenn es dabei bleibt. Jetzt fordern Außenministerin Baerbock und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Strack-Zimmermann, Bundeskanzler Scholz auf, anderen Staaten die Lieferung von »Leopard«-Panzern zu gestatten und dass Deutschland diese selbst an die Ukraine liefert. Auf die vorgesehene Lieferung von Panzern reagierte der russische Präsident Putin: »Sobald deutsche Panzer auf russischem Gebiet (einschließlich der Russland beigetretenen Gebiete) auftauchen, wird Russland keine andere Wahl haben, als eine Generalmobilmachung anzukündigen.« Bisher hat Bundeskanzler Scholz Militärhilfe für die Ukraine nur verzögert, nicht verhindert. Letzteres wäre vonnöten. Geht das Spiel weiter, folgen dem »Leopard 2« moderne Kampfjets und letztlich Bundeswehrsoldaten. Deutschland wird immer mehr in den Krieg hineingezogen. Dann ist die atomare Katastrophe nicht mehr weit. Dem russischen Bären sollte man nicht zu weit auf den Pelz rücken. Waffenstillstand und Friedensvertrag sind das Gebot der Stunde, nicht Militärhilfe für die Ukraine.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (22. Januar 2023 um 23:46 Uhr)
    Atomkrieg? Geht’s noch’n bisschen reißerischer? Nach meiner Kenntnis hat sich an der Militärdoktrin der Russischen Föderation in den letzten Monaten nichts geändert. Der »Einsatz ›mächtigerer Waffen‹« kann ziemlich viel heißen. Lawrow hat z. B. davon gesprochen, verstärkt die Nachschubwege des ukrainischen Militärs aus dem Westen ins Visier zu nehmen. Das bedeutet natürlich nichts Gutes für die Infrastruktur der Ukraine. Wobei ein gewisser Reinhard Lauterbach vor kurzem in dieser Zeitung geschrieben hat, dass keine Brücke in der Ukraine einen »Abrams«, der noch zehn Tonnen leichter ist als der »Leopard«, aushalten würde. Kriegen die Panzer Flügel und fliegen an die Front? Einer anderen Quelle entnehme ich, dass die »Leos« schön hoch, also leicht zum Abfackeln zu treffen sind. Wie seriös die Quelle ist, kann ich nicht beurteilen. Allerdings brachte sie auch den Hinweis, dass nur altes Material geliefert werden soll (irgendwas mit A4). Jeder Eskalationsschritt steigert natürlich die Gefahr einer unkontrollierten Ausweitung, inklusive zum atomaren Inferno. Vorher dürfte aber die vollständige Verwüstung der Ukraine mittels »konventioneller« Sprengmittel kommen.
    • Leserbrief von Claus Pfeiffer aus Nürnberg (25. Januar 2023 um 21:35 Uhr)
      Ich selbst habe meinen Wehrdienst bei den »Leos« absolviert. Der Leo 2A5 ist hochmodern, verfügt über beste Bewaffnung und ist keineswegs schwerer als der »Abrams« (Arams 62 Tonnen, Leo 64,5 Tonnen) Hoch ist er schon gar nicht und sehr schwer zu zerstören. Das – jetzt absolut wertfrei und unabhängig vom Sinn von Waffenlieferungen – einfach als Faktencheck.
    • Leserbrief von Winfried Weimert aus 8753 Mollis (25. Januar 2023 um 20:37 Uhr)
      Alle roten Linien sind überschritten: »Leopard«-Panzerlieferung wird einen nuklearen Einsatz erzeugen. Das erste Land, welches vernichtet wird, ist Deutschland (das Bauernopfer) wegen der dort gelagerten Atomwaffen der USA. Auch die Schweiz wird dabei größtenteils betroffen sein … Die USA freuen sich aus wirtschaftlichen Gewinngründen, wie immer, denn sie und China bleiben verschont. Der Krieg wird Mitteleuropa betreffen und wird von den USA über die Ukraine so gelenkt, provoziert und bewusst einkalkuliert.
    • Leserbrief von Ralf Cüppers aus Flensburg (24. Januar 2023 um 00:42 Uhr)
      Auch wenn der russische Präsident Putin in einem Schreiben an die Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag im August 2022 erklärte, »Wir gehen davon aus, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben kann und er niemals begonnen werden darf«, hat auch die russische Regierung den UN-Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterzeichnet und trägt mit dem Krieg in der Ukraine zur Atomkriegsgefahr erheblich bei. Ein Atomkrieg kann auch durch eine Fehlinformation, einen Unfall oder einen Computerfehler ausgelöst werden. Es gab im »Kalten Krieg« schon mehrere Situationen, die beinahe einen Atomkrieg ausgelöst haben. Ein Atomkrieg kann dauerhaft verhindert werden, wenn die Atomwaffen vernichtet werden und auch alle Anlagen, die zur Herstellung von Atomwaffen dienen, abgeschafft werden. Die Bundesrepublik Deutschland muss endlich den UN-Atomwaffenverbotsvertrag unterschreiben und ratifizieren und damit auch die Teilhabe an den US-amerikanischen Atombomben beenden.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Reinhard W. aus Hamburg (22. Januar 2023 um 19:47 Uhr)
    Mich würde jetzt ganz konkret interessieren, wo und mit welchen Worten die russische Regierung einen »Nukleareinsatz nicht ausgeschlossen« hat. »Mächtigere Waffen« sind auch konventionell bestückte Raketen mit größeren Sprengköpfen. Soweit mir bekannt, sieht die Nukleardoktrin der Russen einen Einsatz bei einem gegnerischen Ersteinsatz und bei einer existenziellen Bedrohung für den Bestand Russlands vor. In allen anderen Fällen ist das ausgeschlossen. Selbst 100 veraltete »Leos«, die in der Ukraine nicht gewartet werden können, sind garantiert keine existentielle Bedrohung.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (23. Januar 2023 um 14:30 Uhr)
      Es ist tröstlich, immer wieder vor sich hin zu sprechen: »So schlimm wird es schon nicht kommen!« Unserer Elterngeneration ist dieser Satz im Halse steckengeblieben, als sie sich in den Bombenkellern wiederfanden.

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