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Aus: Ausgabe vom 21.01.2023, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Petersiliensalsa

Von Maxi Wunder

»Ihr wollt mich umbringen, nicht?« Roswitha starrt erst in den Topf und dann zu uns. An Doris bleibt ihr Blick hängen, sie war heute die Köchin. »Also wenn, dann bringen wir uns alle um, Kleines. Oder siehst du nur an deinem Platz einen Teller?« fragt Doris gelassen und tut sich auf. »Stimmt, wir machen hier alles gemeinsam in der Plauener Kommune«, schmatzt Udo. »Genau wie in der EU – Alles ge-mein-sam: Krise, Krieg, kollektiven Selbstmord ... Schmeckt gut, Dorle!« Er tätschelt seiner Freundin die Wange. Rossi rührt nichts an. »Maxi, weißt du, was die Giftpflanze des Jahres 2023 ist?« Ich weiß es nicht. »Die Petersilie!!!« Sie deutet auf das Schälchen Grünzeug neben Udos Teller. Ach so, erleichtert schöpfe ich eine Kelle Kartoffelsuppe aus der Terrine. »Und 2022?! Wer war da die Giftpflanze des Jahres?« bohrt Rossi weiter. Ich weiß es wieder nicht. »Die Kartoffel, du Honk!« faucht sie.

»Du Honk« – das hat sie aus drittklassigen Fernsehshows. »Roswitha, woher beziehst du eigentlich deine Infos? Das ist doch wieder so eine Fake News aus den Massenmedien, jetzt schon mit Kartoffelsuppe. Oder haben die Kartoffeln gekeimt?« Doris winkt ab: »Nein, nein. Und die grünen Stellen hab’ ich großzügig abgeschnitten.« Die enthalten das Gift Solanin, mit dem sich die Kartoffelpflanze vor Fressfeinden schützt, vor uns zum Beispiel. Ich muss allerdings auch sagen: Das grüne Zeug in dem Schälchen sieht krass aus. Misstrauisch schaue ich zur Köchin, wir nennen sie manchmal scherzhaft »die tödliche Doris«. Ich lasse meinen Löffel sinken. »Fahre fort, Rossi ...«

»Die Petersilie ging als Siegerin bei der 200tägigen Abstimmung zur Giftpflanze des Jahres hervor ... So trugen 29,5 Prozent (gleich 703 der 2.385 gültigen Stimmzettel) den Namen des beliebten Gewürzes ... Der zweite Platz fiel auf den Oleander und der dritte Platz auf den Klatschmohn.« (www.gartenpraxis.de). »Die Wahl ist ungültig«, meint Udo, »mit den Zahlen stimmt was nicht. Aber ich freu’ mich für den Klatschmohn. Kann man das grüne Zeug hier nun essen oder nicht?

Petersiliensalsa

Sechs Knoblauchzehen und vier Bund Petersilie fein hacken, mit sechs EL Olivenöl und zwei EL Kapern mischen. Circa zwei Stunden ziehen lassen. Mit Salz abschmecken. Mit Radieschenrädern garnieren.

Ja, das Zeug kann man essen, ergibt die weitere Lektüre der Internetseite des Botanischen Sondergartens Wandsbek in Hamburg. Denn die Gefahren durch das beliebte Küchenkraut halten sich in Grenzen: Giftig ist nur das Petersilienöl aus den Saatkörnern der zweijährigen Pflanze. Die Aufnahme des darin enthaltenen Apiols kann in hoher Dosierung zu Aborten führen. Die jungen Petersilienblätter hingegen sind reich an Vitamin C , B-Vitaminen, Kalzium, Magnesium und Eisen – wiederum gut für Schwangere und ideal zur Infektvorbeugung in der kalten Jahreszeit.

»Ich geb’ zu, ich bin ein Schlagzeilenjunkie.« Roswitha lässt sich auf einen Stuhl plumpsen. Doris tut ihr auf. Mütterlich sagt sie: »Hab’ keine Angst, Mäuschen. Von einem Klecks Soße stirbt man nicht. Merk dir einfach: Die Doris macht das Gift.«

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