3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Donnerstag, 2. Februar 2023, Nr. 28
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 21.01.2023, Seite 10 / Feuilleton
Tagebuch – In dieser großen Zeit

Im verplombten Zug aus der Schweiz nach Russland

Von Pierre Deason-Tomory
Ukraine_Krieg_Scholz_74198978.jpg
Reisende soll man nicht aufhalten: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)

Samstag, 14. Januar

Die CDU will die Ampel darin übertreffen, gleichzeitig die deutsche Wirtschaft und die Erdatmosphäre zu vernichten. Sie kündigte heute an, das Klima »schützen« zu wollen durch »Innovation, Fortschritt und Gründergeist«. Also Rheinmetall erfindet einfach irgend etwas gegen CO2, das so gut schießt wie ein Puma-Panzer, schwimmt wie eine Gorch Fock und fliegt wie ein Atlantikbunker. Da sind die Grünen pragmatischer. Wenn wir mit Kohle das Klima um drei Grad aufheizen, brauchen wir nie wieder Gas aus Russland.

Sonntag, 15. Januar

38 Prozent der Frauen in Deutschland, die mehr als vierzig Jahre eingezahlt haben, werden eine Armutsrente von unter 1.000 Euro bekommen. Musste das Arbeitsministerium zugeben. Doch Minister Heil hat die Erlösung: Frauen mit zuwenig Einkommen müssen nur Aktien kaufen und auf schlechte Zeiten hoffen. Schließlich haben Corona, Krieg und Inflation bewiesen: Je schlechter die Zeiten, desto höher die Dividenden!

Montag, 16. Januar

Verteidigungsministerin Lambrecht ist zurückgetreten. Die Union forderte Kanzler Scholz auf, den vakanten Posten nicht nach Proporz zu vergeben, sondern nach Kompetenz. So wie bei Lambrechts CDU-Vorgängerinnen von der Leyen und Kramp-Karrenbauer.

Dienstag, 17. Januar

Im schweizerischen Davos hat die Viele-Schranzen-Tournee begonnen. Unternehmer und ihre Politiker beraten darüber, wie angesichts der lukrativen Wirtschaftskrise die Renditen noch weiter gesteigert werden könnten. Angereist sind auch die Ampelmännchen Scholz, Habeck und Lindner.

Neuer Verteidigungsminister soll Boris Pistorius werden. Die CDU meckert, obwohl er ihre wichtigsten Kriterien erfüllt: Der Mann hat gedient und ist keine Frau!

Donnerstag, 19. Januar

Der unglaubliche Druck auf Olaf Scholz, Kampfpanzer an die Ukraine zu liefern, verfolgt ihn bis in den Schlaf. Der Kanzler träumte letzte Nacht, dass er, Habeck und Lindner mit der Eisenbahn von Davos zurück nach Berlin fahren. Plötzlich bleibt der Zug stehen, Schüsse fallen, Soldaten stürmen ins Abteil:

»Wer von Sie ist Bundeskanzler?«

Lindner und Habeck deuten auf Scholz.

»Guten Tag, Herr Soldat!«

Der Zug fährt wieder an.

»Ich bin Oberst Boris Pjuschtschin, Streitkräfte Russische Föderation! Das ist Zugentführung! Zug ist verplombt, jetzt wir fahren Sankt Petersburg! Zigarette?«

Scholz zu seinem Bodyguard: »Haben Sie das gehört? Wir werden entführt!«

»Na kiek ma eener schau!«

»Sehen Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede!«

»Jeht nich. Ick bin von die Russen umjedreht worden.«

»Wenn wir in Petrograd: Sie in Fernsehen verlangen Friedensverhandlungen!«

»Aber wer wird denn gleich verhandeln …?«

Wieder bleibt der Zug stehen, wird geschossen und das Abteil gestürmt.

»Ich bin Oberst Maxim Spliachij, Streitkräfte Ukraine! Oberst Pjusch­tschin, ich Sie nehme gefangen!«

Der Russe wird abgeführt.

»Sind wir jetzt frei?«

»Nein! Jetzt Sie fahren Kiew! Dort unterschreiben Liefervertrag für Panzer und Flugzeuge!«

»Oberst Spliachij! Oberst Pjusch­tschin will Sie sprechen noch einmal.«

»Sie erlauben?« Oberst Spliachij lässt die Stiefel klacken und verlässt das Abteil. Dann wird auf dem Bahnsteig lautstark verhandelt.

»Sagen Sie, Bodyguard, können Sie verstehen, was die reden? Sie sind doch aus der Zone.«

»Na ja ’n bisschen. Sie tauschen die Lok …«

»Ist die kaputt?«

»Nee. Die Ukrainer tauschen die Lok … und uns … Gegen Wodka!«

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

Ähnliche:

Mehr aus: Feuilleton

Startseite Probeabo