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Aus: Ausgabe vom 11.01.2023, Seite 2 / Ausland
Donbass

Bachmut vor Einkreisung

Weitgehende russische Kontrolle über Salzstadt Soledar im Donbass
Von Reinhard Lauterbach
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Die Salzstadt Soledar trug bis Juli 1991 den Namen Karlo-Libknechtiwsk (Soledar, 18.10.2022)

Nach tagelangen schweren Gefechten sind Kämpfer der russischen Söldnertruppe »Wagner« offenbar dabei, die Stadt Soledar im nördlichen Donbass zu erobern. Das britische Verteidigungsministerium meldete am Dienstag morgen, Russland habe »vermutlich den größten Teil der Stadt unter Kontrolle«. Das entspricht aktuellen Meldungen aus der »Volksrepublik« Lugansk. Demnach sollen »Wagner«-Soldaten sowohl das am südlichen Stadtrand von Soledar gelegene Örtchen Bachmutske erobert haben als auch im Nordwesten des Orts um den ehemaligen Salzverladebahnhof kämpfen. Unbestätigt blieben bisher Meldungen aus Lugansk darüber, dass die Ukraine den Rückzug aus Soledar angeordnet habe.

Dagegen dürften die russischen Truppen den am nördlichen Stadtrand von Bachmut gelegenen Vorort Podgorodnoje kontrollieren. Gemeldet wurde auch Beschuss gegen die bereits westlich der Zufahrtsstrecke von Norden liegende Ortschaft Paraskowejewka. Das Ziel dürfte auch hier sein, das ukrainische Widerstandszentrum Bachmut zu umgehen. Die Ukraine hat die Verteidigung von Bachmut zur Schicksalsfrage erklärt. Präsident Wolodimir Selenskij war vor seinem USA-Besuch im Dezember eigens dorthin gereist, hatte Videos aufgenommen und eine ukrainische Flagge von seinen Soldaten signieren lassen. Diese hatte er dann dem US-Kongress als Mitbringsel verehrt.

Ob Bachmut tatsächlich die strategische Bedeutung hat, die ihm beide Seiten zuschreiben, wird von westlichen Militärs, aber auch von russischen Beobachtern bezweifelt. Insbesondere sei die Aussage nicht zwingend, ein Fall der Stadt bedeute, dass Russland ohne weiteren Widerstand in den Westen des Gebiets Donezk auf die Städte Kramatorsk und Slowjansk vormarschieren könne. Ukrainische Truppen im Donbass zu binden macht aber aus russischer Sicht Sinn, um die objektiv wesentlich bedrohlichere Option einer ukrainischen Offensive auf die Küste des Asowschen Meers zu verhindern oder zu verzögern. Von hier berichtete ein Mitglied der russischen Besatzungsverwaltung über angebliche Vorkehrungen der Ukraine dafür, den Dnipro in Höhe des Staudamms von Kachowka zu queren. Zu diesem Zweck sei der Wasserspiegel des Flusses durch die Schließung flussaufwärts liegender Staudämme stark gesenkt worden. Der viertgrößte Strom Europas sei an seinem Unterlauf heute »nur noch ein Schlammpfuhl«, sagte Wladimir Rogow von der russischen Verwaltung des Gebiets.

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