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Aus: Ausgabe vom 28.12.2022, Seite 16 / Sport
Olympia

Besondere Reize

Das Skibergsteigen ist nicht nur attraktiv, es wird 2026 auch erstmalig olympisch
Von Gabriel Kuhn
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Was einst eine romantische und abenteuerliche sowie kostengünstige Alternative zum Ballermann-Skitourismus war, ist heute selbst Massenphänomen

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo wird erstmals das Skibergsteigen auf dem Programm stehen. Als sich das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Juni 2022 dafür aussprach, waren gleich fünf Wettbewerbe im Gespräch. Mittlerweile hat man sich auf drei geeinigt: jeweils einen Sprint bei Herren und Damen (schnellebig, dem Publikum zuliebe) sowie eine Mixed-Staffel. Vielleicht erinnerte sich das IOC daran, dass man dem »Gigantismus« bei Olympia angeblich entgegentreten und die Zahl der Teilnehmer und Wettbewerbe reduzieren wollte. Traditionelle, aber wenig lukrative Disziplinen wie die nordische Kombination laufen deshalb Gefahr, ganz aus dem Programm zu fliegen.

Das IOC verlangt viel

Zu neuen Sportarten kommt es trotzdem, weil das IOC Veranstaltern verspricht, Disziplinen ins Programm mitaufzunehmen, die sich vor Ort besonderer Beliebtheit erfreuen. Schließlich ist es mittlerweile schwierig genug, überhaupt willige Veranstalter zu finden. Das IOC verlangt viel (Sportstätten, Straßen, Luxusunterkünfte), die jeweilige Staatskasse darf herhalten, die Politik will nicht zum Buhmann werden. Da bedarf es besonderer Anreize: Italien stellt gemeinsam mit der Schweiz und Frankreich die besten Skibergsteiger der Welt. Extramedaillen für das Veranstalterland sind damit programmiert.

Im Breitensport ist das Skibergsteigen als Skitourengehen bekannt. Man bringt Felle (heute meist aus Kunstfasern) an Skiern an, deren Bindung sich an der Ferse lösen lässt, und läuft so den Hang hinauf. Dann nimmt man die Felle ab, fixiert die Bindung und wedelt den Berg herunter. Was einst eine romantische und abenteuerliche sowie kostengünstige Alternative zum Ballermann-Skitourismus war, ist heute selbst Massenphänomen. Der Deutsche Alpenverein schätzt die Skitourengeher in Deutschland auf eine halbe Million. Grund für die Popularität sind ständig steigende Liftpreise, die Fitnessideale der Leistungsgesellschaft, wachsendes Klimabewusstsein und eine entsprechende Vermarktung. Inzwischen gibt es »Skitourenparks«, und immer mehr Skigebiete lassen Tourengeher gegen Gebühren Parkplatz und Pisten nutzen.

Der notwendige Rucksack

Im Wettkampfsport hat sich der Begriff des »Skibergsteigens« durchgesetzt, »Tourengehen« klingt zu bummelig. Insider sprechen freilich schlicht von »Skimo«, kurz für »Ski mountaineering«. Der Tradition trägt man beim Wettkampf Rechnung: Lawinenschutzausrüstung inklusive Schaufel und Sonde sind immer mitzutragen, auch wenn sie nicht benötigt werden. Allerdings dient der dafür notwendige Rucksack dazu, die Skier bei besonders schwierigen Aufstiegspassagen auf den Rücken zu schnallen und zu Fuß weiterzulaufen. Umweltbewusstsein wird ebenfalls vorausgesetzt: Wer die Verpackung eines »Energieriegels« oder eine Wasserflasche wegwirft, wird disqualifiziert.

Das Skibergsteigen hat einen eigenen internationalen Verband, die »International Ski Mountaineering Federation«. Mit dem Internationalen Skiverband FIS hat dieser nichts zu tun. Gönnt man dem Skibergsteigen eine glückliche Zukunft, muss man hoffen, dass es dabei bleibt.

Wettbewerbe im Skibergsteigen sind attraktiv: Alle starten gemeinsam, es zählt der direkte Vergleich, und die meist im freien Gelände stattfindenden Abfahrten sind spektakulär. 2020 in Lausanne kam die Premiere bei den Olympischen Jugendwinterspielen gut an. Die Schweiz machte sich den Bonus des Veranstalterlandes zunutze und staubte fünf Medaillen ab. Ein gutes Omen für die Italiener.

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