3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Wednesday, 8. February 2023, Nr. 33
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 28.12.2022, Seite 8 / Ansichten

Blutige Figuren

Kiew, der Westen und der Frieden
Von Arnold Schölzel
2022-12-10T0742RTRMADP_3_UKRAINE-CRISIS-BAKHMUT.JPG

Nichts wäre so wichtig wie Frieden – in der Ukraine, im Jemen, in Westafrika oder im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Die UNO stellte am Freitag offiziell fest, was Kinshasa seit langem sagt: Ruanda und sein von den USA bewaffneter Langzeitherrscher Paul Kagame rüsten die Milizen aus, die im Ostkongo einen Massenmord nach dem anderen begehen, zuletzt Ende November. Kagame zieht seit 1994 die Fäden in Ruanda und holt von dort Gold, Coltan und Diamanten.

Wolodimir Selenskij tauchte 2019 in der Kiewer Politik auf, was Bluttaten angeht, könnte er mit Kagame gleichgezogen haben. Der lässt von Zeit zu Zeit ein kongolesisches Dorf vom Kind bis zum Greis niedermetzeln, Selenskij setzt einfach das fort, was die nationalistischen und faschistischen Putschisten in Kiew seit 2014 getan haben: ostukrainische Wohngebiete mit Artillerie und von Scharfschützen beschießen. Selenskij nennt deren russischsprachige Einwohner abschätzig »Spezies«. Er lässt auch in diesen Tagen, da deutsche Rundfunksprecher stündlich und wegen der Feiertage fast schluchzend von den Kriegsleiden der Ukrainer berichten, mit denen sie nie Ostukrainer meinen, Infrastruktur und Menschen vernichten. Selenskij torpedierte die Minsker Abkommen, drohte im Februar mit einer ukrainischen Atombombe und erhielt zum Dank allein in diesem Jahr für 40 Milliarden US-Dollar westliche Militärhilfe, von anderen Milliardenbeträgen zu schweigen. Er ließ das größte AKW Europas wochenlang beschießen, wozu auch hierzulande erzählt wurde, die Russen richteten ihre Granaten auf die eigenen Truppen, um Westeuropa radioaktiv zu verstrahlen. Die US-Experimente mit biologischen Waffen in ukrainischen Laboren, die selbst Victoria »Fuck the EU« Nuland einräumte, sind nicht vom Tisch. Zusammengefasst: Selenskij ist lediglich etwas jünger unter jenen blutigen Figuren, die sich der kollektive Westen seit Jahrzehnten in seinen Kolonien hält, um dort für Terror und Unfrieden zu sorgen – nicht dass etwa in Afrika China und andere für Handel und Stabilität sorgen. Nicht dass es etwa in Europa Frieden mit Russland gibt: Dem wird jede Sicherheitsgarantie verweigert, d. h. jegliche Friedensvoraussetzung.

Für Selenskij und seine Auftraggeber in Washington ist das der Ausgangspunkt und gleichbedeutend mit Kriegsverlängerung. Der von ihnen in die Medien gebrachte Friedensgipfel, dem laut Kiewer Außenminister ein Tribunal gegen Moskau vorausgehen soll, ist das Gegenteil von dem, was auf dem Etikett steht: eine Drohung mit Eskalation. Die deutsche Regierung ist weit vorn mit dabei: Sollte Alexander Graf Lambsdorff deutscher Botschafter in Moskau werden, kommt da einer, der die Ostermarschierer »Putins fünfte Kolonne« nannte und dem »Lumpenpazifismus« Sascha Lobos Beifall klatschte. Berlin will keine Beziehungen zu Moskau, nur neue Rekorde bei Waffenlieferungen – Ukraine, Jemen, Westafrika usw.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (28. Dezember 2022 um 10:37 Uhr)
    Wie der Vater, so der Sohn. Der Lambsdorff-Clan, der in diesem Land seit der von Westdeutschland ausgegangen Spaltung Deutschlands sein Unwesen treibt, ist selbstverständlich vorn mit dabei, wenn es gen Russland geht. Warum sich Moskau diplomatische Beziehungen zu einem Feind leistet, der in Person der Exkanzlerin für den politischen Betrug an Russland mit Hilfe der Minsk-Verträge verantwortlich ist, gehört zu den Merkwürdigkeiten russischer Politik. Gleiches trifft auf die NATO-Staaten zu, die unter Führung des Kriegstreiberlands Nummer 1 das nationalistisch-faschistische Regime in Kiew mit Waffen vollpumpen.
  • Leserbrief von M. Lücke aus Berlin (28. Dezember 2022 um 07:26 Uhr)
    Russland erklärte ukrainisches Land zu russischem Territorium, fiel mit Panzern weit ins Innere des Landes ein, bombardiert Zivilisten und Infrastruktur und muss nun Stück für Stück ertragen, dass der Plan schiefgeht.
    • Leserbrief von Wolfgang Schmetterer aus Graz (29. Dezember 2022 um 09:22 Uhr)
      Gesetzt den Fall, dass der Westen den Ukraine-Konflikt für sich entscheiden sollte, werden die Ukrainer eines Tages aufwachen und erkennen, dass sie nichts als Wegwerfwerkzeuge in den Händen der modernen Kolonialherren waren. Nützliche Idioten, die von ebenso nützlichen Idioten innerhalb der Europäischen Union, insbesondere von Ursula von der Leyen, Baerbock und Co., befeuert wurden, für »Werte« zu kämpfen, die nie eine Rolle spielten, um die vermeintlichen »Segnungen« des Kapitalismus zu erhalten. »Segnungen«, die von vornherein nicht für sie vorgesehen waren. Die Faschistenelite wird sich ohnehin durch Korruption gesundstoßen und dem gemeinen Volk, das überwiegend im Niedriglohnsektor seine Bestimmung finden wird, um den sinnlosen Überfluss des Westens zu produzieren, Russland als Hauptursache für seinen Niedergang benennen (wenn sich der Zorn nicht eines Tages sogar gegen den Westen selbst richtet). Die Kolonialherren haben sich dann längst die wertvollsten Ressourcen unter den Nagel gerissen und einen Haken unter das Wort »Ukraine« auf ihrer To-do-Liste gesetzt, um dann, Heuschrecken gleich, weiterzuziehen. Faschisten- und NATO-bereinigt wäre das Land an der Seite Russlands tatsächlich besser aufgehoben.
    • Leserbrief von Walter aus Erding (28. Dezember 2022 um 17:42 Uhr)
      Hätte man den Provinzen in der Ostukraine inkl. der Krim über die UNO offiziell anerkannte Möglichkeiten für Referenden gegeben – zumindest hatte die UNO ja nichts gegen Referenden in Schottland, Katalonien oder den heute unabhängigen exjugoslawischen Republiken – hätte man sich Zigtausend Tote, Hunderttausendfache Verletzungen, Flucht, Elend und wirtschaftlichen Niedergang sparen können. Ein entsprechendes Interesse an Frieden gab es gerade auch im Westen leider nie; siehe »Minsk 2« oder die Feststellung der OSZE wenige Tage und Wochen vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine, dass der Donbass massiv erhöhtem Beschuss ausgesetzt war. Woher hatte die Ukraine eigentlich die dafür notwendigen Waffen? Sollte der Krieg provoziert werden?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (28. Dezember 2022 um 17:19 Uhr)
      Sie sind nicht auf der Höhe mit der Wertung verbriefter Tatsachen. Den Krieg haben die vom Westen gesponserten ukrainischen Hypernationalisten gegen ihr eigenes Volk bereits 2014 mit dem Bombenterror gegen die Bewohner des Donbass begonnen. Und nur, weil die Autonomie haben und ihre Sprache sprechen wollten. Erst danach hat sich Russland als Schutzmacht der russischsprechenden Ukrainer dort eingemischt, nachdem Tausende Einwohner des Donbass von ihren eigenen Landsleuten umgebracht worden sind. Schon vergessen, nicht gewusst oder einfach nur ignoriert? Leider hat sich Russland von solchen Politverbrechern wie Merkel durch die gefakten Minsk-Verträge betrügen lassen und hat damit acht Jahre wichtiger Zeit verloren.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (27. Dezember 2022 um 22:01 Uhr)
    Ist die Ukraine-Regierung überhaupt derzeit in der Lage, seinem Konfliktpartner im Kreml Bedingungen zu stellen? »Der von ihnen in die Medien gebrachte Friedensgipfel, dem laut Kiewer Außenminister ein Tribunal gegen Moskau vorausgehen soll, ist das Gegenteil von dem, was auf dem Etikett steht.« Damit rückt der Frieden bedauernswerterweise für das Volk der Ukraine in die Ferne. So wird und muss, wie es Russlands Außenminister Lawrow betonte, das russische Militär die Zukunft der Ukraine entscheiden.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

Mehr aus: Ansichten

Startseite Probeabo