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Aus: Ausgabe vom 23.12.2022, Seite 16 / Sport
Weihnachten

Bis der ­Braten kalt wird

So überleben Sportfans die Feiertage
Von Gabriel Kuhn
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O Gott, Mariah Carey! Schrottwichteln beim Sport (Minnesota Timberwolves vs. Utah Jazz, 23.12.2021)

Weihnachten ist für deutsche Sportfans eine harte Zeit. Am Neujahrstag gehen die Skispringer in Garmisch-Partenkirchen an den Start, am Ostersonntag spielt die Fußballbundesliga, am »Tag der Deutschen Einheit« gibt es Pferderennen in Hoppegarten bei Berlin. Zu Weihnachten? Nichts. Die Skifahrer machen Pause, die Handballer machen Pause und die Tennisspieler sowieso. Schuld daran ist nicht nur gesellschaftliche Konvention, sondern auch das Feiertagsgesetz. Dieses ist zwar Sache der Länder, doch der Heiligabend und der erste Weihnachtstag stehen bei allen auf der Liste.

Wer die Weihnachtsfeiertage ohne sportlichen Wettkampf nicht überleben kann, sollte über den großen Teich schauen. In den USA gibt man sich weit großzügiger. Ein Klassiker am ersten Weihnachtstag sind die seit 1947 abgehaltenen Spiele der NBA. 2011 eröffneten diese gar die Basketball­saison, weil sich die Aushandlung eines neuen Tarifvertrags zwischen Klubbesitzern und Spielern monatelang hingezogen hatte.

Seit 2008 werden genau fünf Spiele am 25. Dezember ausgetragen, man setzt auf attraktive Paarungen, der Titelverteidiger ist immer dabei. In diesem Jahr treten die Golden State Warriors bei den Memphis Grizzlies an. Während der Hauptrunde zählen die Weihnachtsspiele zu den populärsten, außerhalb der Playoffs gibt es kaum je ähnliche Einschaltquoten. Dass dabei jedes Mal Mariah Careys »All I Want for Christmas Is You« ertönt, müsste vielleicht nicht sein, gehört inzwischen jedoch zur Tradition.

Viele Spieler sprechen von einer Ehre, am ersten Weihnachtstag antreten zu dürfen. Oder, wie es der achtmalige NBA-All-Star Dwight Howard ausdrückte: »Ich spiele lieber zu Weihnachten, als zu Hause zu sitzen und mir zu wünschen, dass ich zu Weihnachten spielen würde.« Nicht alle sind gleicher Meinung. 2009 erklärte der damalige Coach der Orlando Magic, Stan Van Gundy: »Mir tun Menschen leid, die am Weihnachtstag nichts Besseres zu tun haben, als sich ein Basketballspiel anzusehen.« Den Verantwortlichen der NBA gefiel die Aussage nicht. Van Gundy musste eine Strafe zahlen.

Auch im American Football wird zu Weihnachten gespielt, vorausgesetzt die Feiertage fallen auf ein Wochenende. Das wurde nicht immer so gehalten. Der erste Versuch ging 1971 in die Hose. Eines der beiden am ersten Weihnachtstag angesetzten Spiele, das zwischen den Miami Dolphins und den Kansas City Chiefs, ging zweimal in die Verlängerung und ist bis heute das längste Spiel der NFL-Geschichte. In Millionen von Haushalten wurde der Weihnachtsbraten kalt, der Aufruhr war groß. Erst 1989 wagte man es wieder, ein Spiel am 25. Dezember anzusetzen: Die Minnesota Vikings empfingen die Cincinnati Bengals, Anpfiff war um 21 Uhr. Die Nation sollte genug Zeit für den Weihnachtsschmaus haben. Alles lief glatt. Seither sind Spiele an Weihnachtswochenenden fix eingeplant, in diesem Jahr stehen am Heiligabend nicht weniger als zehn Partien auf dem Programm, am ersten Weihnachtstag folgen drei weitere.

Ausgerechnet im Eishockey, der winterlichsten der US-Profiligen, wird zu Weihnachten nicht gespielt. Das war früher anders. Von 1920 bis 1971 waren Partien zu Weihnachten fester Bestandteil des NHL-Kalenders. 1966 spielten die New York Rangers sogar am Heiligabend und am ersten Weihnachtstag, beide Male auswärts. Fünf Jahre später setzte sich in der NHL jedoch die Meinung durch, dass die Spieler Weihnachten bei ihren Familien verbringen sollten. Darryl Sittler, 1989 in die Hockey Hall of Fame aufgenommen und damals bei den Toronto Maple Leafs engagiert, meinte trocken: »Es gibt genug andere Tage, an denen wir spielen können.« Mittlerweile sind die spielfreien Weihnachtstage sogar Teil des Tarifvertrags der NHL-Cracks.

Nicht alle NHL-Verantwortlichen sind darüber glücklich. Manche meinen, dass man als Wintersportart die TV-Quoten der Basketballer zu Weihnachten noch übertreffen könnte. Von denen zeigte man sich auch in ­Australien beeindruckt. Am 25. Dezember kommt es mit dem Spiel zwischen den Sydney Kings und Melbourne United in der dortigen Basketballprofiliga heuer zum ersten professionellen Sportevent zu Weihnachten in Australien überhaupt. Auch in der »Big Bash League« der Kricketspieler wird laut über mögliche Weihnachtsspiele nachgedacht.

Und im Fußball? Wer von Katar nicht genug hat, muss einen Tag länger warten. Am 26. Dezember – dem Boxing Day (des Geschenkeauspackens) – legt die englische Premier League wieder los.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Paul V. aus Aachen (25. Dezember 2022 um 11:24 Uhr)
    Kleine Nachlese zur WM 2022 – wertebasiert ins Abseits: Der Binden-Bernd nebst Abbruch-Aki sollen es nach dem Katar-Desaster richten mit unserem Bundes-Hansi für die Heim-EM 2024. Wertebasierter Fußball, wie es der Außenministerin guttut. Dann mit einer Armbinde gegen Putin und dem EM-Trikot in Blau-gelb. Der Bundes-Hansi feixte im Interview, »er habe noch Vertrag bis 2024«. Arbeitsrechtlich ohne Zweifel korrekt, während anderswo Trainer ihren Rücktritt erklären. Oliver Bierhoff ist seinem Rausschmiss durch Abbruch-Aki zuvorgekommen und zurückgetreten. Chapeau! Abbruch-Aki hat schon Thomas Tuchel und Marco Rose aus Schwarz-Gelb rausgeekelt mit der Folge, dass der BVB trotz Ausnahmespielern wie Harland und (noch) Bellingham zur Schießbude der oberen Bundesliga degeneriert ist. Jetzt merkt das Duo, dass man vielleicht zwei Personen als Nachfolger für den Oli braucht. Und dann noch das Gremium der männlichen Untoten, fünf an der Zahl. Hier fehlt als weiblicher Part nur noch das Bärböckli. Der »Deppenpass« jeden Sonntag sieht sich in Tradition der »i«-Trainer – Berti, Yogi, Hansi – und salbadert über die Zukunft. Auch der Fähnleinführer, der »ordentliche« Spieler Effe, hat noch nicht herausanalysiert, dass der Bundes-Hansi im Weltfußball eine neue taktische Variante erfunden hat: den »Vorne-so-Herumläufer«, den Logomanen Th. Müller. Pep Guardiola wird dies in der einen oder anderen Weise kopieren. Und was macht eigentlich unser Amrabat, der Kimmich? Der Mannschaft sei Dank, dass sie vor dem Japan-Spiel ihren Brechreiz unterdrücken konnte, Hand vor den Mund, und nicht auf das Spielfeld gekübelt hat. Wäre eine schöne Sauerei gewesen mit mindestens einer Stunde Nachspielzeit.

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