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Aus: Ausgabe vom 16.12.2022, Seite 16 / Sport
Ski alpin

Zuviel des Guten

Am Wochenende stehen Speedwettbewerbe im Skiweltcup alpin in Südtirol und der Schweiz an
Von Gabriel Kuhn
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Thomas Dressen im Abfahrtstraining (Val Gardena, 13.12.2022)

Der Skiweltcup alpin hat Fahrt aufgenommen. Nachdem aufgrund des Klimawandels bzw. der schlechten Planung des Internationalen Skiverbandes FIS acht der ersten neun Saisonrennen abgesagt werden mussten, stehen am Wochenende die ersten Speedwettbewerbe in Europa an. Die Herren bestreiten in Gröden in Südtirol zwei Abfahrten und einen Super-G, die Damen das gleiche Programm in St. Moritz in der Schweiz.

Die ersten Speedwettbewerbe fanden, wie gewohnt, in Nordamerika statt. Dabei wäre es in diesem Jahr fast anders gekommen. Doch die erstmals auf dem Theodulgletscher am Matterhorn geplanten Abfahrten zählten zu den Rennen, die wegen Schneemangels nicht stattfinden konnten. So eröffneten Damen und Herren die Speedsaison in Lake Louise in Kanada, die Herren trugen zusätzlich in Beaver Creek in den USA Rennen aus. Bei den Herren dominierte der Norweger Aleksander Aamodt Kilde, der zwei Abfahrten und einen Super-G gewann. Die beiden Abfahrten der Damen gewann die Italienerin Sofia Goggia, im Super-G war die Schweizerin Corinne Suter siegreich.

Gut lief es in Nordamerika für das Team des deutschen Skiverbandes. Besonders erfreulich war, dass Thomas Dreßen (SC Mittenwald) nach einer schier unglaublichen Wettkampfpause von 995 Tagen (Hüft- und Knieverletzung) gleich bei seinem ersten Rennen, der Abfahrt in Lake Louise, mit Rang acht das Limit für die Weltmeisterschaft in Courchevel/Méribel im Februar 2023 erbrachte. Ebenfalls für die WM qualifizieren konnten sich Andreas Sander (SG Ennepetal) als Fünfter des Super-G von Lake Louise, Kira Weidle (SC Starnberg) mit einem siebten Platz in der ersten Abfahrt von Lake Louise sowie Romed Baumann (WSV Kiefersfelden) und Dominik Schwaiger (WSV Königsee), die in zwei Abfahrten in die Top 15 fuhren. Eine gute Ausgangslage schufen sich zudem Simon Jocher (SC Garmisch) und Josef Ferstl (SC Hammer) mit je einer Top-15-Plazierung. Zur WM darf, wer einmal einen Top-acht-Platz oder zweimal einen Top-15-Platz belegt. Eine Talentprobe legte die 19jährige Emma Aicher (SC Mahlstetten) ab. Bisher hauptsächlich in den technischen Disziplinen (Slalom, Riesenslalom) in Erscheinung getreten, erreichte sie als jeweils 21. in einer Abfahrt und in einem Super-G ihre ersten Weltcuppunkte in Speedrennen.

Auch wenn inzwischen nicht mehr jedes Rennen abgesagt werden muss, steht die Terminplanung der FIS in der Kritik. Bei den Herren folgen nach den drei Rennen in Gröden unmittelbar zwei Riesenslaloms in Alta Badia. Für Allrounder macht das fünf Rennen in fünf Tagen plus zwei Trainingstagen auf der Grödener Abfahrt. Selbst dem Gesamtweltcupsieger des Vorjahres, dem Schweizer Marco Odermatt, ist das zuviel: »Mit solchen Rennkalendern werden Allrounder eher verhindert als gefördert.« Deutlicher wurde die Schweizer Abfahrerlegende Peter Müller: »Wenn man in Gröden und Alta Badia fünf Rennen in fünf Tagen ansetzt, ist das absolut idiotisch!«

Die Abfahrten auszulassen, kann sich der Riesenslalomspezialist Odermatt nicht leisten. Alle Punkte zählen in diesem Winter. Speeddominator Kilde, bereits 2020 Gesamtweltcupsieger, ist ein ernstzunehmender Konkurrent für den Gesamtweltcuptitel.

Anders sieht es bei den Damen aus. Die zwei großen Favoritinnen, Mikaela Shiffrin aus den USA (Gesamtweltcupsiegerin 2017, 2018, 2019 und 2022) und Petra Vlhova aus der Slowakei (2021) treten zwar in St. Moritz an, lassen andere Speedwettbewerbe jedoch aus. Sie können sich das erlauben, noch nicht einmal die Seriensiegerin in der Abfahrt Sofia Goggia kann sie im Gesamtweltcup herausfordern. Nach neun Rennen liegen Shiffrin und Vlhova in der Gesamtweltcupwertung fast gleichauf, Shiffrin hat mit 305 Punkten die Nase vorne, Vlhova hält bei 280. Bei den Herren konnte sich Odermatt mit 520 Punkten von Kilde, bei dem 380 zu Buche stehen, schon etwas absetzen. Ein Grund ist freilich, dass nicht nur die beiden Abfahrten am Matterhorn ausfielen, sondern auch der Super-G von Lake Louise. Das Ungleichgewicht im Weltcupkalender zwischen den technischen Wettbewerben und den Speedwettbewerben wird seit langem kritisiert. Die FIS bemüht sich um Ausgleich, doch selbst wenn ebenso viele Rennen in allen Disizplinen geplant werden, sind die Speedrennen in ungleich höherem Ausmaß von Ausfällen betroffen. Kilde nimmt es locker. Wenn es gut läuft, kann er auch im Riesenslalom punkten.

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