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Aus: Ausgabe vom 14.12.2022, Seite 8 / Ansichten

Plötzlich wichtig

USA-Afrika-Gipfel
Von Christian Selz
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Der Präsident des Senegal, Macky Sall, spricht bei der UN in New York (20.9.2022)

Schon ziemlich düster, aber Humor hat der Mann: Sein Land biete der Afrikanischen Union »seine Unterstützung« bei der Stabilisierung Libyens an, erklärte Richard Norland, US-Botschafter in dem 2011 von einer US-geführten Kriegsallianz in Schutt und Asche gebombten Land, in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Magazin The Africa Report. Anlass war der dreitägige USA-Afrika-Gipfel, der am Dienstag in Washington begann. Norlands oberster Dienstherr, Joseph Biden, damals als Stellvertreter von Friedensnobelpreisträger Barack Obama nicht gänzlich unbeteiligt an der nachhaltigen Zerstörung des afrikanischen Landes mit dem höchsten Wohlstandsniveau, hat Afrikas Regierende geladen, um seine Version von Partnerschaft auf Augenhöhe und ähnliche Floskeln zu verkünden.

Als Köder dienen 55 Milliarden US-Dollar, von denen niemand so genau weiß, an welche Bedingungen ihre Vergabe geknüpft ist und wofür sie eingesetzt werden sollen. Ginge es nach ihm, dann würde Biden auch noch je einen Sitz im UN-Sicherheitsrat und am Tisch der G20 springen lassen. Ob das reicht, um in der neuen Runde des Wettlaufs um Afrika einen Platz an der Sonne zu bekommen, ist mehr als fraglich. Die Konkurrenz scheint nahezu uneinholbar. Chinas Handelsvolumen mit Afrika sei im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand von 261 Milliarden US-Dollar angewachsen, das der USA auf 64 Milliarden US-Dollar geschrumpft, konstatierte die New York Times am Montag. Nicht einmal bei der Versorgung mit Kriegsgerät konnte Washington seine Führung demnach behaupten, größter Waffenlieferant sei nun Russland. Es läuft einfach nicht in den »Shithole countries« (Donald Trump). Wie hoffnungslos die Lage sein muss, zeigt folgender Satz aus einer dpa-Meldung vom Dienstag: »Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, betonte, es gehe den USA bei dem Treffen um die Anliegen Afrikas – und nicht darum, China und Russland ihren wachsenden Einfluss auf dem Kontinent streitig zu machen.« Na klar.

Abseits der Heile-Welt-Propaganda zählen allerdings weiterhin nur Marktzugänge, politische Folgsamkeit, Rohstoffe und die eigene Energieversorgung. Wer mit den USA nicht gegen Russland zieht, dem drohen Strafzölle. Und künftig sollen afrikanische Länder die Flächen stellen, um mit Solar- und Windenergie Wasserstoffderivate zu erzeugen, die dann im globalen Norden verbrannt werden. Alternativen zu dieser nächsten Runde Rohstoffimperialismus sind für Afrikas »Eliten« mangels Eigenkapital rar. Also geht es darum, den besten Deal unter den Wettbewerbern zu erzielen. Zumindest da regt sich Selbstbewusstsein: »Wir sollten uns von niemandem sagen lassen, nicht mit dem und dem zusammenzuarbeiten. Wir wollen mit allen zusammenarbeiten und Handel treiben«, zitierte die New York Times den derzeitigen AU-Präsidenten und Staatschef Senegals, Macky Sall. Vor Bidens Gipfel war das eine klare Ansage.

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