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Aus: Ausgabe vom 10.12.2022, Seite 8 / Ansichten

Komsomolze des Tages: Jacek Kurski

Von Reinhard Lauterbach
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Jacek Kurski

Ein oft zitiertes Prinzip des Leninismus, nur meist ohne den Vordersatz: »Wenn die Parteilinie richtig ist, entscheiden die Kader alles.« Es bedeutet, dass es, wenn die Parteilinie stimmt, nicht darauf ankommt, was der Kader ursprünglich gelernt hat: »Jede Köchin kann den Staat leiten« usw. Angeleitet von der Partei wird es schon gehen.

Die polnische Rechtsregierung ist in ihrem Antikommunismus nicht zu übertreffen, aber studiert hat sie den Feind schon und hält sich an so manchen seiner sachdienlichen Hinweise. So kam es, dass Polen jetzt einen kühnen Spielertransfer einfädelte: Jacek Kurski, der seit 2016 das öffentlich-rechtliche polnische Fernsehen TVP in eine Propagandamaschine für die PiS verwandelt hat, ist zur Weltbank gewechselt. Kurski hatte es leicht: Polen war dran, den Posten zu besetzen, die Weltbank nickt die Nominierung nur ab. Der Neue selbst teilte dieser Tage auf Twitter mit, er sei »gemäß meiner Qualif und Erf im Management« (Originalschreibweise) in ein neues Arbeitsfeld gewechselt.

Kurskis Bezahlung bei der Weltbank ist mit jährlich 230.000 Euro steuerfrei für polnische Verhältnisse exorbitant, aber für die dortigen eher mäßig. Denn mit seiner »Qualif und Erf« ist es so eine Sache. Kurski hat zu sozialistischen Zeiten mal Außenhandel studiert, und seine Managementerfahrung konzentrierte sich zuletzt darauf, bei dynamisch abstürzenden Einschaltquoten seines Senders dynamisch steigende Milliardenzuschüsse zu verbrennen. Unter anderem zeigte über Monate jede Nachrichtensendung als Running Gag einen Donald Tusk, der wie eine Sprechpuppe auf deutsch »Danke schön« und »für Deutschland« sagte.

Klar gab es Neider. Einer machte Kurski das vergiftete Kompliment, der Transfer sei »eine Belohnung für seine Leistungen für die PiS« gewesen – also nix »Qualif und Erf«. Aber wenn die Partei die nächste Wahl verlieren sollte, sitzt Kurski in Washington trocken und warm.

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