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Aus: Ausgabe vom 10.12.2022, Seite 5 / Inland
Insolvenzen

Wirtschaft bleibt pessimistisch

Zahl der Insolvenzen erreicht Höchststand, vor allem kleine und mittlere Firmen in Schwierigkeiten
Von Bernd Müller
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Bekleidungsgeschäft in der Stuttgarter Innenstadt

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist weiterhin trüb. Sie konnte sich zuletzt zwar etwas aufhellen, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag; dennoch bleibt sie pessimistisch. Von einer ausgewachsenen Wirtschaftskrise könne gleichwohl keine Rede sein. Dieser Befund deckt sich mit denen, die verschiedene Wirtschaftsinstitute am Ende dieser Woche veröffentlichten.

Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gab den aktuellen Insolvenztrend heraus. Die Zahl der Firmenpleiten erreichte demnach im November mit 808 Insolvenzen den höchsten Stand im laufenden Jahr. Im Vergleich zum Vormonat ist das eine deutliche Zunahme: Im Oktober meldeten 722 Personen- und Kapitalgesellschaften Insolvenz an. Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat belief sich der Anstieg auf 23 Prozent. Doch im langfristigen Vergleich bleiben die Insolvenzzahlen auf einem niedrigen Niveau: Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 gingen im November 1.007 Firmen bankrott.

»Die Insolvenzzahlen entwickeln sich bisher verhaltener als von vielen erwartet«, erklärte Steffen Müller, Leiter der IWH-Abteilung Strukturwandel und Produktivität. Seit einigen Monaten warnen Wirtschafts- und Lobbyverbände immer wieder vor einer Insolvenzwelle ungekannten Ausmaßes aufgrund von Inflation, steigenden Energiepreisen und Problemen in den Lieferketten. So werben sie für staatliche Hilfen für ihre Mitglieder.

Die IWH-Zahlen deuten darauf hin, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen sind. Dabei waren in den größten zehn Prozent der Unternehmen, deren Insolvenz im November gemeldet wurde, knapp 9.000 Arbeitsplätze betroffen. Insgesamt lag die Zahl der betroffenen Beschäftigten »deutlich über dem Niveau der letzten zwölf Monate«.

Am Donnerstag veröffentlichte auch das Münchner Ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex für Selbständige. Die Lage erscheint auch hier aktuell leicht verbessert, aber auf die kommenden Monate blicken vor allem die Soloselbständigen mit Sorge. Im Vergleich zum Vormonat sehen sie ihre Zukunft zwar etwas weniger düster. Doch im Einzel- und Großhandel blicke mehr als jeder Zweite pessimistisch auf das nächste halbe Jahr. In ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sehen sich 19,4 Prozent der Selbständigen. Der Anteil ist im Vergleich zum Vormonat leicht zurückgegangen, liegt aber dennoch deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft.

Hoffnungsschimmer hin oder her – viele Betriebe blicken in eine unsichere Zukunft. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), schwor die Zünfte am Freitag auf deutlich rauere Zeiten ein. »Betriebe berichten uns, dass die Neuaufträge stark zurückgehen und es zu Auftragsstornierungen kommt«, sagte er im Interview mit der Augsburger Allgemeinen. In den konsumnahen Handwerken spüre man zunehmende Zurückhaltung, die Kunden müssten ihr Geld immer stärker zusammenhalten. So könnten die Betriebe die massiv gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte nur selten vollständig über Preisanpassungen an die Kunden weitergeben. »Die Handwerkskonjunktur wird an Schwung verlieren, diesmal auch am Bau, der in vorausgegangenen Krisen ein wichtiger Konjunkturanker war«, so Wollseifer. Wie heftig der Einbruch werde, könne man aber nicht voraussagen.

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