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Aus: Ausgabe vom 30.11.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Energiepolitik

Der überbewertete Deal mit Katar

BRD will 2,7 Prozent ihres Erdgases aus dem Emirat beziehen – ab 2026
Von Knut Mellenthin
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»Vereinbarte Liefermenge ist vergleichsweise gering« (Gastanks bei Doha)

Deutschland wird ab 2026 jährlich zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) aus Katar erhalten. Das gab der Energieminister des Emirats im Norden der arabischen Halbinsel, Saad Scherida Al-Kaabi, am Dienstag bekannt. Er ist gleichzeitig auch Generaldirektor des staatlichen Energieunternehmens Qatar Energy. Das Abkommen soll seiner Darstellung zufolge eine Laufzeit von 15 Jahren haben. Als Zwischenhändler ist das US-amerikanische Unternehmen Conoco Phillips beteiligt, das eng mit Qatar Energy kooperiert. Wer Partner auf deutscher Seite sein wird, ging aus den ersten Meldungen nicht hervor. Sowohl RWE als auch Uniper hatten in den letzten Monaten mit Katar verhandelt.

Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen kommentierte das Geschäft am Rande der Industriekonferenz in Berlin äußerst sparsam: »Ich kann dazu wenig Konkretes sagen, weil es die Aufgabe der beteiligten Unternehmen ist, diese Verträge zu schließen und dazu was zu sagen.« Es sei nicht Aufgabe des Staates, Gas und Infrastruktur einzukaufen. »Wir haben Verträge mit RWE und Uniper für das LNG-Terminal in Brunsbüttel. Diese Unternehmen kaufen auf dem Weltmarkt ein, nicht wir.«

Das Abkommen hätte offenbar schon im März geschlossen werden können, als Habeck mit einem großen Gefolge von Regierungsbeamten und Geschäftsleuten Katars Hauptstadt Doha besuchte. Zum damaligen Zeitpunkt lehnte Habeck aber langfristige Verträge ab, auf die das Emirat größten Wert legt. Außerdem war ihm der angebotene Lieferbeginn 2026 viel zu spät, wie er den Gastgebern hochnäsig »klarmachte«, um seine eigene Wortwahl zu gebrauchen. Wenn der Minister jetzt auf die Verhandlungsautonomie der beteiligten deutschen Unternehmen verweist, ist das Unsinn: Diese sind selbstverständlich vollständig von den Vorgaben der Bundesregierung abhängig, an die sie das Erdgas weiterverkaufen wollen und die praktisch als Monopolist auftritt.

Die am Dienstag bekanntgegebenen Vereinbarungen sind für die gegenwärtige Energielage in Deutschland und auch für die Perspektive der nächsten Jahre bedeutungslos. Sie ändern nichts daran, dass die BRD als Folge ihrer Teilnahme am Wirtschaftskrieg gegen Russland im Winter und höchstwahrscheinlich auch noch mindestens 2023 mit einer erheblichen Versorgungslücke konfrontiert ist, die Zwangsmaßnahmen nötig machen könnte.

Außerdem ist die jetzt vereinbarte Liefermenge von zwei Millionen Tonnen LNG jährlich vergleichsweise gering. Nach Presseberichten entspricht das rund 2,7 Milliarden Kubikmetern. In Deutschland werden im Jahr ungefähr 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Davon kamen bis zum Beginn der Sanktionen etwa 55 Prozent aus Russland.

Warum Conoco Philipps bei dem vereinbarten Geschäft als Zwischenhändler fungiert, blieb in den ersten Mitteilungen und Berichten offen. Es könnte dadurch begründet sein, dass die US-amerikanische Gesellschaft – wie andere internationale Unternehmen auch, unter denen aber keine deutschen sind – mit hohen Investitionen an der Entwicklung der katarischen Offhoregasvorkommen Northfield East und Northfield South beteiligt ist. Die Rückzahlung soll teilweise über Erdgaslieferungen abgewickelt werden.

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