3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Donnerstag, 9. Februar 2023, Nr. 34
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 30.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Betonmischer des Tages: Die Linke Hamburg

Von Nico Popp
8_portrait.jpg
Passen immer und werden selten wieder ausgezogen: Schuhe aus frischem Beton

Im lange eher linken Landesverband von Die Linke in Hamburg wurden kürzlich die Karten neu gemischt: Beim Landesparteitag im September hat sich jenes zumindest bei der internen Postenverteilung unschlagbare Bündnis aus Bewegungs- und Regierungslinken durchgesetzt, das auch im Bundesparteivorstand die Linie zusammenrührt. Seither ist das neue Management damit beschäftigt, die Opposition, die sich vor allem auf die Themen Friedenspolitik und Antikriegsarbeit konzentriert, mundtot zu machen. Die Methoden sind rüde, es wird denunziert, geholzt und gesäbelt.

Und vielleicht geht noch mehr. Am Dienstag wurden Wortmeldungen aus einer Chatgruppe bekannt, der allerlei Leute aus der Bürgerschaftsfraktion und dem Landesvorstand angehören. Hier hatte man sich auf den Parteifreund Bijan Tavassoli eingeschossen. Gegenüber jW beschreibt ein Hamburger Genosse den ehemaligen Landessprecher der Linksjugend als eine Art Till Eulenspiegel, der die Karrieristen, ihre Sprechweise und ihre Themen mit mehr oder weniger gelungenen Aktionen auf die Schippe nehme. Beim Parteitag etwa trieb Tavassoli die Delegierten an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, als er durch einen Vertreter erklären ließ, er habe das Geschlecht gewechselt und wolle nun auf der einschlägigen Liste für das mit einer Frau zu besetzende Sprecheramt kandidieren.

In der Chatgruppe stellte Fraktionspressesprecher Ralf Dorschel nun mit Blick auf Tavassoli die Frage: »Beton-Fuß und zu den Landungsbrücken?« Marco Hosemann, Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, donnerte, Tavassoli habe »aufs Maul verdient«; es gebe Menschen, »die auf Worte nicht mehr hören«. Beide rudern nun zurück: Man bedauere das, und eigentlich war es nur ein Scherz. Die beiden Landesvorsitzenden haben den Vorfall bereits für abgehakt erklärt. Versuche, »Unruhe« in den Landesverband zu bringen, werde man »nicht mit weiterer Aufmerksamkeit würdigen«. Man hat sonst schnell Beton am Fuß.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

  • Leserbrief von gregorogin aus Halle ( 5. Dezember 2022 um 13:39 Uhr)
    So so, die Nerven liegen blank. Keine beteiligte/sich einschaltende Seite deeskaliert. Viel Spaß auch und gute Nacht!
  • Leserbrief von Hans Wiepert aus Berlin ( 1. Dezember 2022 um 13:40 Uhr)
    Solche unverhohlenen Gewalt- und Vernichtungsfantasien gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund waren bislang eher in Parteien wie NPD oder AfD bekannt. Ausgerechnet sogenannte Bewegungslinke – welche sonst immer peinlich genau auf sensibel-korrekte Schreibweise betreffs Minoritäten zu achten vorgeben – können in geschlossenen Chats also genauso die menschenfeindliche Sau rauslassen. Auch die sogenannte Linkspartei hat eben ihren »Flügel« …
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (30. November 2022 um 11:12 Uhr)
    In meiner Heimat bezeichnete man einen falschen Fuffziger auch als »linken Hund«. Es scheint Leute zu geben, die genau das sein wollen. Ein wesentlicher Zug von Sozialisten war immer die Solidarität. Wer ohne sie auskommt, ist nichts anderes als ein falscher Fuffziger. Egal, wie er sich sonst noch so benennt.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (29. November 2022 um 21:14 Uhr)
    Kann man von Gipsköpfen etwas anderes als Betonschuhe erwarten?

Mehr aus: Ansichten

Startseite Probeabo