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Aus: Ausgabe vom 28.11.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Baupläne für die Zukunft

Zu jW vom 23.11.: »Hört die Maschinen reden«

Auch Dietmar Dath gab sich – wenn ich mich recht erinnere – in »Maschinenwinter« (2008) noch maschinenstürmerisch, relativierte diesen Standpunkt allerdings sechs Jahre später in »Klassenkampf im Dunkeln«: »Zerstört die Maschinen, aber behaltet die Baupläne!« – Begreift man die Maschine nicht nur als konkretes Ding, sondern (auch) als Idee, ist die luddistische Tat also eh letztlich immer nur eine spontane, gegenwartsbezogene Aktion. Als solche mag sie taugen, auf lange – systemverändernde – Sicht ist der Luddismus als Quasiideologie aber zweifelsohne unbrauchbar. Eine Waffe für den Grabenkampf, aber kein Weg aus dem Krieg. Technischer Rückschritt als Bedingung des gesellschaftlichen Fortschritts ist schlicht eine dumme Idee.

Robert Martschinke, Münster

Moderner Eulenspiegel

Zu jW vom 23.11.: »Hartz IV heißt jetzt Twix«

Das aggressive Denken kapitalistischer Ausbeuter zeigt sich nicht nur an den aus Gier erhobenen Wucherpreisen für Mieten und Energie. Nein, auch an so arroganten Schlipsträgern wie Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU). Mittels Sanktionen wollen sie Arbeitslose wie Sklaven zur Arbeit treiben. Ganz so wie Vieh, das man mit einem Knüppel schlägt, damit es weitergeht. Was aber ist das für eine Denkweise, bei der politische Schwätzer anderen Menschen die Butter vom Brot nehmen wollen? Irgendwie erinnert der Vorsitzende der CDU an einen Scharlatan namens Till Eulenspiegel. Konkret an dessen rabiate Vorgehensweise im Jahr 1340 im Heilig-Geist-Spital in Nürnberg. Weil dieses Hospital gänzlich überlastet war, suchte die Stadt eine Lösung. Eulenspiegel gab damals vor, alle Kranken an einem Tag ohne Medizin heilen zu können. Ähnlich verhält es sich mit einem Suppenkasper namens Merz. Auch er erklärt ständig, die Zahl der Arbeitslosen nur durch Sanktionen merklich verringern zu können. Während Sklaventreiber Merz mit Leistungsentzug droht, drohte Eulenspiegel damit, den Kränksten zu Pulver zu verbrennen und dieses in einem Trank allen Patienten als Heilmittel zu verabreichen. Aus Angst, verbrannt zu werden, verließen daraufhin alle Kranken und Sterbenden fluchtartig das Hospital, während Eulenspiegel 20 Gulden kassierte. Nicht anders agiert Friedrich Merz, wenn er – wie im Mittelalter – Menschen mittels Angst gefügig machen will. Dabei hat eine Kürzung des Existenzminimums noch niemanden in Arbeit gebracht. Im Gegenteil! Es gibt schon zu viele, die als Obdachlose auf der Straße leben. Merz und Söder wollen sich wieder auf Kosten der Schwächsten in dieser Gesellschaft profilieren. Welch armseliges Unterfangen! Sich an Kindern, Alten, Kranken, Kleinstrentnern und Arbeitslosen zu vergreifen, die am Rande der Gesellschaft leben, ist keine Kunst. Von sozialer Verantwortung, staatlicher Fürsorgepflicht, geschweige denn christlichen Werten weit und breit keine Spur.

Lothar Böling, Düren

Im Dunstkreis

Zu jW vom 22.11.: »Heimatschützer des Tages: Bodo Ramelow«

Die Partei Die Linke als Erfüllungsgehilfe der Waffen- und Rüstungskonzerne: Wer hätte das je gedacht, dass diese Partei so tief sinken kann? Ramelow an der Seite von »Haubitzen-Toni« – was für ein Bild und was für eine Botschaft: Hier stehen wir »Linken«, nehmt uns auf in euren Bellizistenverein, auf dass wir die »werteorientierte«, deutsche Politik mit neuen Ideen befruchten. Wagenknecht täte gut daran, sich aus diesem üblen Dunstkreis der Kriegstreiber, Doppelmoralisten und Scheinheiligen zu verabschieden und eine linke Partei zu etablieren, die diesen Namen auch verdient. Deutschland hat sie dringend nötig.

Erich Rainer Kral, Potsdam

Eroberungen

Zu jW vom 21.11.: »Sog des Großen Bruders«

»US-Investitionsprogramme ziehen Kapital europäischer Konzerne an«, heißt es im Artikel. Das könnte man aus politökonomischer Sicht auch auf andere Art interpretieren: Der Kolonialherr holt seine Eroberungen nach Hause. Wenn man sich anschaut, in wie vielen Dax-Konzernen Blackrock der größte Aktionär ist und damit eine deutliche Weisungsmacht besitzt (in fast allen …), dann kann man nicht mehr von einem Sog sprechen, wie es im Artikel heißt. Joseph Bidens »Make America Great Again«-Strategie zielt auch auf die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA, dazu braucht man Firmen und Kapital. Wie praktisch, wenn man diese woanders absaugen kann. Was aus den zurückgelassenen entindustrialisierten Staaten in Europa wird, die noch dazu am eigenen Energietropf hängen, ist egal. – »America first!« Kein Wunder, dass sich aus den europäischen Konzernspitzen kaum ein Mucks zu den energiepolitischen Katastrophen der letzten Monate vernehmen lässt. Die einen orientieren sich an der Größe des Absatzmarktes und gehen nach China, die anderen versuchen es wohl in der entgegengesetzten Richtung. Dann treffen sie sich wieder am Pazifik. Pech für Europa.

Peter Schmidt, Berlin

Des Präsidenten neue Kleider

Zu jW vom 24.11.: »EU auf Kiews Linie«

Die Überschrift des Artikels trifft nicht ganz zu. Es müsste heißen: »EU und Kiew auf US-Linie«. Es ist wie im Märchen »Des Kaisers neue Kleider«. Alle Hofschranzen bestätigen das Gewünschte. Aber der gesamte kaiserliche Hof weiß, dass der größte Terrorist der Welt ihr Kaiser ist. Nur wagt keiner es zu sagen, sonst ist er selbst an der Reihe. Dieser Kaiser ist das regelbasiert demokratische Vorbild. Das bestätigt täglich der gesamte Hof. Der Kaiser darf sechs Mordanschläge auf den kubanischen Präsidenten anordnen (Castro überlebte) und anschließend Kuba als Terrorstaat bezeichnen, iranische Politiker illegal durch Drohnen hinrichten lassen und Iran auf die Terrorliste setzen, in seit 1945 über 200 Militäreinsätzen und von ihm organisierten Regierungsumstürzen Millionen von Toten verursachen – dieser Kaiser wird nie auf einer Terrorliste seiner Untertanen erscheinen und immer ihr geliebter Kaiser bleiben.

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude/Russland

Ramelow an der Seite von ›Haubitzen-Toni‹ – was für ein Bild und was für eine Botschaft: Hier stehen wir ›Linken‹, nehmt uns auf in euren Bellizistenverein.

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