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Aus: Ausgabe vom 25.11.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Export von Erdgas

Langfristige Partnerschaft

Staatliche Energiekonzerne Chinas und Katars schließen Gasabkommen mit 27 Jahren Laufzeit
Von Knut Mellenthin
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China und Katar sind an guten Geschäftsbeziehungen interessiert. Deutschland ist da kein Vorbild (Jiujiang, 23.1.2022)

Die Politiker und Ökonomen der Volksrepublik China rechnen und planen in großen Zeiträumen. Am Montag dieser Woche gaben der staatliche chinesische Energiekonzern Sinopec und die Qatar Energy des Emirats Katar den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung bekannt, die bis 2050 Bestand haben soll. Mit einer Laufzeit von 27 Jahren handele es sich um »das langfristigste Lieferabkommen in der Geschichte der Flüssigerdgasindustrie«, erklärte Saad Scherida Al-Kaabi, der zugleich Energieminister des Emirats und Generaldirektor von Qatar Energy ist.

Die Vereinbarung mit Sinopec sieht vor, dass Katar jährlich vier Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) nach China liefert. Das Emirat ist neben Australien und den USA einer der drei größten Exporteure von LNG, wobei die Rangfolge zwischen den drei Ländern sich immer wieder ändert.

Ein weiterer Vertragsgegenstand ist eine Beteiligung von Sinopec an der Entwicklung des größten Erdgasfelds der Welt, von dem 62 Prozent zum Emirat und 38 Prozent zum Iran gehören. Dort spricht man von »South Pars«, während Katar den auf seinem Territorium liegenden Sektor »North Field« nennt. Für dessen Erschließung gibt es zwei räumlich getrennte »Phasen« mit unterschiedlichem Zeitplan, North Field East (NFE) und North Field South (NFS). Katars Planung, die auch den Bau von sechs neuen Verflüssigungsanlagen einschließt, strebt für beide Projekte eine eindeutige staatliche Mehrheit von 75 Prozent und eine internationale Beteiligung von 25 Prozent an. Das am Montag bekanntgegebene Abkommen sieht zunächst eine chinesische Beteiligung an North Field East vor, die Sinopec nach einer Aussage seines Vorsitzenden Ma Yongsheng gern auch auf North Field South ausweiten möchte.

Katars North-Field-Entwicklungsplan strebt an, die Kapazität des Emirats zur LNG-Produktion bis 2027 von 77 auf 126 Millionen Tonnen zu steigern. Vor dem Abkommen mit Sinopec hatte Qatar Energy schon im Juni und Juli Beteiligungsverträge an North Field East mit den internationalen Konzernen Total Energies, ENI, Conoco Phillips, Exxon Mobile und Shell geschlossen. Im September und Oktober folgten Abmachungen über Beteiligungen von Total Energies, Shell und Conoco Phillips auch an North Field South.

Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen hatte im März nach einem Besuch in Katars Hauptstadt Doha von einer angeblich vereinbarten umfassenden »Energiepartnerschaft« zwischen dem Emirat und der BRD geschwärmt. Die kalte Dusche folgte wenige Tage später: Al-Kaabi stellte unmissverständlich und rücksichtslos klar, dass es keine Abmachungen gebe. Katar sei durch langfristige Verträge an seine ostasiatischen Großkunden – das sind neben China vor allem Japan und Südkorea – gebunden und habe derzeit keine zusätzlichen Kapazitäten für Lieferungen nach Deutschland.

Ein zentrales Problem ist, dass Katar – wie alle Exporteure von Erdgas, Erdöl und Erdölprodukten – an langfristigen Vereinbarungen interessiert ist, die auch zuverlässig planbare, weit vorausschauende Investitionen zum Erhalt und Ausbau der Kapazitäten einschließen. Im Gegensatz dazu scheut die derzeitige deutsche Energiepolitik jedes Engagement über einen längeren Zeitraum. Insbesondere Habeck geht offenbar seinen eigenen Aussagen zufolge davon aus, dass schon in den nächsten vier, fünf Jahren ein kompletter »Ausstieg aus den fossilen Energien« möglich sei. Auf soliden Analysen und Planungen beruht dieser Optimismus aber nicht.

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