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Aus: Ausgabe vom 25.11.2022, Seite 7 / Ausland
Corona in China

Ohne Bonus gibt es Stress

Steigende Coronazahlen in China, besonders in Metropolen. Unruhen unter Arbeitern bei Foxconn in Zhengzhou
Von Matthias István Köhler
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Arbeiter des Foxconn-Werks in Wuhan warten darauf, auf Corona getestet zu werden (5.8.2021)

Die chinesischen Behörden sehen sich in einigen Großstädten mit einer rasant ansteigenden Zahl von Coronafällen konfrontiert – und Aufnahmen von aufgebrachten Arbeitern bei Foxconn in Zhengzhou machen die Runde. Am Donnerstag meldete die Nationale Gesundheitskommission für das Festland 31.444 Infektionen für den Vortag, 27.517 von den Betroffenen zeigten keine erkennbaren Symptome. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wurde auch ein neuer Todesfall verzeichnet, womit insgesamt 5.232 Menschen seit Beginn der Pandemie an Covid-19 starben.

Zum Vergleich: In der BRD, deren Bevölkerung 16mal kleiner ist als die Chinas, wurden für den Mittwoch 38.900 Neuinfektionen und 165 Todesfälle gemeldet. Allerdings sind die deutschen Zahlen relativ konstant, während sie in der Volksrepublik in den vergangenen Tagen einen Sprung gemacht haben.

Die Volksrepublik verfolgt weiterhin eine »Zero Covid«-Strategie. Diese wurde zuletzt an die neuen, leichter übertragbaren, dafür aber nicht so gefährlichen Virusvarianten angepasst. Am 11. November wurden weitere Maßnahmen »zur Optimierung der Seuchenprävention und -bekämpfung« veröffentlicht. Dabei geht es vor allem darum, »exzessive Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie zu beseitigen«, wie Vertreter des Gesundheitsamtes am Montag erklärten.

Besonders betroffen vom Infektionsgeschehen sind Metropolen wie Beijing, Guangzhou oder auch Shanghai. In der chinesischen Hauptstadt erklärte am Mittwoch ein Gesundheitsbeamter, der Kampf gegen Covid-19 habe in Beijing in den vergangenen zwei Tagen seinen »kritischsten Punkt« erreicht. Wie die englischsprachige chinesische Tageszeitung Global Times berichtete, riefen die Behörden die Bewohner der Hauptstadt auf, Aktivitäten außer Haus einzuschränken.

Für Aufsehen sorgten in den vergangenen Tagen Bilder in den sozialen Netzwerken, die Unruhen unter Arbeitern des Techgiganten Hon Hai Precision, besser bekannt unter dem Namen Foxconn, in der Stadt Zhengzhou zeigten. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Neu-Taipeh auf der Insel Taiwan und ist das größte Privatunternehmen in der Volksrepublik. Es ist der größte Hersteller von Elektrogeräten weltweit, bekannt insbesondere für das I-Phone.

In dem Werk in Zhengzhou wird ein Großteil der Smartphones aus dem Hause Apple aus Kalifornien produziert, etwa 200.000 Menschen sind dort beschäftigt. Wegen eines Coronaausbruchs steht die Fabrik seit Oktober unter Quarantäne, Ende des Monats flohen Hunderte Arbeiter vom Gelände. Sie warfen dem taiwanesischen Unternehmen vor, dass positiv Getestete nicht angemessen unter Quarantäne gestellt worden sein und kritisierten zudem den Mangel an Essen und Medikamenten.

Wegen des Coronaausbruchs geriet unter anderem das Weihnachtsgeschäft in Gefahr. Foxconn begann gemeinsam mit lokalen Behörden, wie unter anderem auch die US-Tageszeitung New York Times und die Nachrichtenagentur Reuters Mitte November berichteten, unter Mitgliedern der KP Chinas und Armeeveteranen mit dem Versprechen auf überdurchschnittliche Bonuszahlungen Ersatz für die Erkrankten zu rekrutieren – laut chinesischen Medien konnten 100.000 von ihnen geworben werden.

Allerdings verbesserten sich die Arbeitsbedingungen trotz Zusagen des taiwanischen Unternehmens nicht, wie das Onlineportal Sixth Tone am Donnerstag berichtete. Neugewonnene Beschäftigte erzählten dem englischsprachigen Portal der Shanghai United Media Group, die der Shanghaier KP-Sektion unterstellt ist, dass die Kontrollmaßnahmen »chaotisch« gewesen seien und beispielsweise positiv und negativ Getestete gemeinsam gearbeitet hätten. Vor allem aber wurde ihnen nicht das vertraglich festgeschriebene Bonusgehalt gezahlt – am Dienstag begannen so die Neurekrutierten ihre Proteste, am Mittwoch wurden sie gewalttätig.

Foxconn stritt am Mittwoch in einer Stellungnahme auf seiner Website die Anschuldigungen ab. Bezüglich der Unruhen hieß es, befinde man sich mit Mitarbeitern und Behörden im Gespräch. Von den lokalen Behörden gab es bis jW-Redaktionsschluss noch keine Äußerungen.

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