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Aus: Ausgabe vom 25.11.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Komische Kunst

»Wenn der Spaß aufhört, wissen wir ja, was des bedeutet«

Über richtiges Schimpfen, ein Haus für den Humor und das Wer-wen des Witzes. Ein Gespräch mit Gerhard Polt
Von Jürgen Roth
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»Wenn der Weber Max käme ... Der würde nur kommen, wenn’s aan Sechsämtertropfen gibt«

Am Freitag und am Sonnabend findet an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein »Humor-Symposium« statt. Sechs »Dialogvorträge« stehen auf dem Programm, Praktiker treffen auf Theoretiker. Bruno Jonas wird mit dem Germanisten Jörg Schönert diskutieren, Mathias Tretter mit dem Rechtswissenschaftler Oliver Lepsius, Greser & Lenz werden von dem Kunsthistoriker Jürgen Müller in die Mangel genommen, Leander Haußmann stellt sich den Fragen des Filmwissenschaftlers Josef Früchtl, Martin Sonneborn macht sich vor der Germanistin Katja Mellmann nackig, und Jürgen Kaube, Mitherausgeber der FAZ, sucht den Austausch mit Gerhard Polt. Initiator der Veranstaltung ist Bruno Jonas, der Kopf der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die heuer den Zentralrat des deutschen Humors gegründet hat. »Die Gesellschaft ist gespalten«, heißt es auf der Website der renommierten Bühne, »in Empörte und Sedierte, in geistig Verarmte und prekäre Intellektuelle (…), auch in humorbegabte Hedonisten und moralinsaure Mahner«. Und man fragt sich: »Sollte es neben SPD und Grünen noch weitere humorfreie Zonen geben?« Diese Lage gilt es zu erörtern, in Kooperation mit dem von Gerhard Polt ins Leben gerufenen Forum Humor und komische Kunst e. V. (jro)

Als ich kürzlich hörte, dass der Zentralrat des deutschen Humors gegründet wurde, hab’ ich sehr lachen müssen. Ich musste an den Zentralrat der bayerischen Republik und an den Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen denken. Bist du an der Gründung beteiligt gewesen?

Nein, nein, bin ich nicht. Der Bruno Jonas hat des g’macht, weißt du.

Weißt du, was den Bruno Jonas dazu bewogen hat? Hat der Humor heute einen so schweren Stand, dass man eine Institution braucht, die ihm womöglich akademische Weihen verleiht, um ihn zu schützen?

Du, ich weiß nur, dass er halt … Weißt du, schon seit fünf Jahren versuchen wir, das Forum Humor zu machen. Meine Idee war, dass man halt ein Haus hätte, wo man zu dem unglaublichen Thema Humor aus allen Perspektiven, die man da ergründen kann, Antworten finden will oder sucht oder vielleicht auch findet – also ein Haus, wo du Leute einlädst, meinetwegen, ich sag’ jetzt mal so Beispiele, einen Clown, der dir erzählt, wie sie an der Clownakademie in Paris gearbeitet haben, oder einen Soziologen, der dir die Geschichte des Humors erzählt – oder wie man auf Humor reagiert hat. Auch Historiker, die ja Unglaubliches wissen. Es gibt ja in der Historie unglaublich viel über Humor – wo er sozusagen (lacht) stattgefunden hat oder auch nicht. Also die Aktion, das Handeln mit diesem Humor – oder, wenn er als Blasphemie empfunden wurde, wie die Reaktionen waren.

Ich möchte halt, dass man ein Haus hat, wo du zum Beispiel den kunst-, den berufsmäßigen Humor betrachtest, den Humor, mit dem Leute Geld verdienen, von der Karikatur bis zum Filmbeispiel, wo du Leute einladen kannst, die Regisseure waren oder sind und die dir erzählen, wie sie diesen Film aufgenommen haben, wie sie zum Thema gekommen sind und wie sie ihn dann geschnitten haben. Weil beim Film is’ es ja auch oft a ganz heikle Sache. Manchmal is’ die Aufnahme gar net so komisch, aber durch den Schnitt kannst du unheimlich viel machen.

Du kannst der Blasphemie nachgehen oder auch dem Nichthumor. Natürlich möcht’ ich auch den schlechten Humor, den sogenannten, einbeziehen, vom Kalauer bis zum weiß der Teufel, also auch zum, was sagt ma’ heute: Hass, zu den Formen, in denen die Menschen verunstaltet wurden, in denen die Menschen despektierlichst behandelt wurden.

Mich interessiert die Geschichte der Witze. Welche Witze kursierten? Die Andeutungen, die Allusionen in der Antike. Was empfand man? Oder Mann und Frau. Kommt ’ne Frau zum Arzt … Weißt’, diese ganzen Witze. Oder Automobil und Mensch. Und natürlich Politik und so weiter. Flüsterwitze. Die Schicksale der Flüsterwitze. Wenn du … Du weißt ja. Oder … Also jedenfalls die Unendlichkeit dieses Humors.

Dann kannst du eben Leute einladen, die ihre spezielle Sicht beschreiben, einen Karikaturisten meinetwegen: Wie er mit der Zeitung zusammenarbeitet, was er verdient, wie er verdient, wie des geht. Es gibt ja Leute wie den (Karikaturisten Horst) Haitzinger zum Beispiel. Ich glaube, der hat (schnauft), der hat über dreihundert Karikaturen im Jahr gemacht. Muss ma’ sich mal vorstell’n. Und andere haben halt nur sehr selten welche gemacht. Es wäre – ich will’s eigentlich vermeiden, des Wort – eine Art Akademie, wo du auch junge Menschen einlädst, Lehrer mit ihren Kindern –, dass, wenn die jemanden schmähen woll’n, wenn die jemanden beleidigen, dass die des lernen, wie man’s gut macht (lacht), wie ma’ formuliert, wie ma’ Beleidigungen gut setzen kann, wie ma’ mit Ironie umgeht, wann sie feiner is’ und wann gröber (lacht) – und all des. Vielleicht auch Wettbewerbe für Schulaufsätze, damit es Spaß macht. Oder Puppentheater vorführen, wo sie solche Sachen machen können.

Wenn du so ein Haus hast, in dem du die Menschen auch a bissl schulst, auch das rhetorische Element, dass du im Sprechen, im Ausdruck, dass du a bissl flinker wirst in der Aussprache, des eloquente Element … Weil ich glaube, dass wir speziell in Deutschland a bissl benachteiligt sind in der Ausbildung, was die Redegewandtheit angeht, weil bei uns meistens alles schwarz-weiß und geschrieben is’. Des Rhetorische is’, was ich g’hört hab’, vernachlässigt im Vergleich zu angelsächsischen Ausbildungen.

Das klingt ein bisschen nach der »Vorschule der Ästhetik« von Jean Paul, nach einer Didaktik des Humors oder der Komik.

Ja, ja! Durchaus! Kann ma’ sagen! Ja, ja. Bissl schon in die Richtung. Ja, ja, genau. Du sagst es. Weißt du, ich bin drauf gekommen … Mir hat amal ein Mensch in Wien von Protokollen von Flüsterwitzchen und von den Folgen erzählt. Wie die Leute dann reagiert ham. Eine Frau mit drei Kindern, die im Treppenhaus irgendwas Despektierliches über den Hitler g’sagt hat, die wurd’ hingerichtet wegen Wehrkraftzersetzung – und solche Sachen. Und ich hab’ auch aan Freund g’habt hier, aan Russen, der hat mir Karikaturen gezeigt, wie sie noch möglich war’n vor zweieinhalb Jahr’n, übern Putin, wie sie jetzt wahrscheinlich nicht mehr möglich sin’. Oder einer hat mir Aufzeichnungen von Leuten gezeigt, was sie sich in Theresienstadt erzählt haben – bestimmt keine besonders guten Witze, aber um eben mit Kalauern sich aus der Entsetzlichkeit herauszuretten. Also, dieses Thema is’ unendlich, Jürgen, des is’ wahnsinnig.

Des war halt meine Idee. Ich wollte in München ein Haus haben. Oder was heißt ich? Mehrere. Inzwischen hab’ ich ja Mitstreiter, die des auch woll’n. Aber die Stadt München sagt, sie hat kaa Geld. Des Haus gehört der Stadt, des is’ denkmalgeschützt, is’ im Krieg beschädigt worden. Die Stadt müsste es nur herrichten. Des war mal die Viehbank. Drum hab’ ich den Spruch vom Aristoteles g’sagt: Der Mensch ist ein Tier, was lacht. Ein toller Spruch. Aber die sind sich in der Stadt uneins. Einige Parteien wollten’s, andere nicht. Und der Kultusreferent wollt’ des nicht. Und jetzt ham wir eventuell die Möglichkeit, dass wir das in Bernried am Starnberger See machen können.

Des is’ der Stand der Dinge. Und dann is’ vor aam Jahr amal der Ding zu mir gekommen, der Bruno Jonas, und sacht, er hätte jetz’ auch so eine Idee – und ob wir uns hier nicht zusammenschließen könnten. Er hat verschiedene Leute zu Diskussionen übern Humor eingeladen, und da mach’ ich mit, soweit ich halt Antworten oder was finde zu dem Thema. Ich bin ja kein ausgesprochener Spezialist, um Gottes willen. Aber es is’ schon interessant, über dieses Thema grundsätzlich nachzudenken, weil ich mir halt denke, dass wenn sozusagen der Spaß aufhört, dann wissen wir ja, was des bedeutet. Als ich die Geschichte g’seh’n hab’, als die damals in Leipzig auf die Straße gingen – »Wir sind das Volk!« –, und dann hab’ ich diese Gesichter g’seh’n, da hab’ ich gedacht: Des kann ja gar net wahr sein. Is’ a Wahnsinn. Diese verbitterten Gesichter. Weißt du, da war null … (lacht). Und es is’ auch so: Du fragst hundert Leute: »Ham Sie Humor?« Da sagen hundert Prozent: »Ja.« Aber du weißt ganz genau, dass neunundneunzig von denen sehr schnell wissen, wo der Spaß aufhört.

Befriedet der Humor? Humanisiert Humor?

Ich glaube, in ’ner gewissen Weise … Pfff. Ja, es ist eine Möglichkeit, sich zumindest etwas auszuklinken, weil er vielleicht doch aan gewissen Abstand zum eigenen Handeln ermöglicht. Wenn du selbst Humor hast, dann gelingt es dir vielleicht manchmal, zu bestimmten Dingen eine, ja, Distanz einzuhalten oder zu kriegen. Aber ich sag’ nur: Es kommt drauf an, wer und warum und was und welcher Humor. Ich würde den Humor ja auch nicht definieren woll’n. Um Gottes willen, des is’ … Ich wurd’ amal g’fragt: »Was is’ für Sie Humor?« Dann sag’ i: »Humor is’ immer nur dann, wenn er stattfindet. Und wenn er nicht stattfindet, dann is’ er halt nicht.« Du findest was lustig, du erzählst es jemandem, und der ander’ sagt: »Aha.« Weißt du, des is’ schwer zu sagen. Es is’ sehr kompliziert. Es gibt unglaubliche Situationen von Menschenäußerungen, wo du sagst: Des is’ erstaunlich. Wann, wie, wo? Wo du’s nicht geglaubt hättest.

Von Helge Schneider stammt der Satz: »Humor ist viel komplizierter als Aggression.«

Ich weiß es nicht. Ja …

Es gibt auch aggressiven Humor, oder?

Es kommt halt immer drauf an, weil eben Humor nicht einfach der Humor is’, sondern der Humor von wem, wann, wie, welche Art Humor? Is’ er geschrieben? Is’ er gesungen? Is’ er gefilmt? Und so weiter. Da zu generalisieren und zu pauschalisieren ist natürlich das Verdächtigste, was man machen kann.

Du hast mal gesagt: »Dem englischen Humor bin ich persönlich nie begegnet.«

So is’ es. Auch dem bayrischen nicht.

Das Symposium soll auch der Frage nachgehen, wie es mit dem deutschen Humor ausschaut. Und wenn ich dann mitkriege, was mittlerweile auf den sogenannten Social-Media-Kanälen zensiert und verbannt wird – zum Beispiel Zitate von Heinrich Heine als »Hassrede« –, frage ich mich: Was denkst du da? Rufe ich mir eine Figur von dir wie diejenige, die über Toleranz reflektiert, ins Gedächtnis, sieht es mit dem Humor heute schlecht aus, denn die verstehen viele nicht mehr. Oder liege ich damit falsch?

Ich weiß ja auch nur, genauso wie du, dass es angeblich Menschen gibt, die ich auch nicht kenne, die halt sehr empfindlich auf gewisse Äußerungen reagieren – diese berühmte Correctness-Frage. Nur, ich kenne diese Leute nicht. Ich hab’ solche Leute noch nie kennengelernt. Ich kann auch drauf verzichten. Ich leb’ in einem Umfeld, wo solche Leute mehr oder weniger nicht sind. Ich kann nur wiedergeben, was ich da höre oder lese. Und nun is’ es so: Die Geschichte des Humors ist die, dass es Humor wahrscheinlich immer gegeben hat, genauso wie die Humorlosigkeit. Ich könnt’ mir vorstell’n, des war schon bei den Neandertalern so. Der Humorlose oder der Griesgram, diese Leute gibt’s eben, diese archetypischen Äußerungen. Der eine steht in der Früh auf und is’ schon mürrisch, und der andere lacht. Ich weiß es nicht. Aber weißt du, noch amol: der deutsche Humor. Ich kenne Leute in Deutschland, die sehr humorvoll sind, ich kenne Leute in Bayern, die sehr humorvoll sind. Und ich kenne Leute, die nicht so humorvoll sind. (Lacht.) Aber der deutsche Humor, den gibt es nicht für mich. Den kenn’ ich wirklich nicht. Des is’ genauso, wie er sagt: »Wenn heute …« Mein Onkel hat früher immer g’sagt, wie er ein Bub war: „Wenn der Russe heute marschiert, dann is’ er morgen am Atlantik.« Die ham damals immer den Ausdruck »der Russe« benutzt. Ich weiß nicht, wer »der Russe« is’. Ich hab’ nur einzelne Russen in mei’m Leben kennengelernt. Diese Verallgemeinerung »der Russe« und bei solchen Ausdrücken, da bin ich immer a bissl skeptisch.

Darf ich dir eine blöde Abschlussfrage stellen?

Ja.

Zum Symposium an der Universität München. Kommt der Weber Max? Oder kommt er nicht?

(Lacht.) Der Weber Max! Wenn der Weber Max käme … Der würde nur kommen, wenn’s aan Sechsämtertropfen gibt. Aber den, fürchte ich, ham sie nicht. Deshalb kommt er nicht.

Gerhard Polt, Jahrgang 1942, ist Kabarettist und Satiriker und als solcher ein Zentralmassiv der Komischen Kunst. Der »Formerneuerer und Spracherotiker« (J. Roth) diskutiert am Wochenende auf dem »Humor-Symposium« der LMU München. Polt und Jürgen Roth sind befreundet

»Humor-Symposium«, 25./26. November 2022, Ludwig-Maximilians-Universität München, Hauptgebäude, Große Aula (Fr.) und Audimax (Sa.), Tagesticket: 25 Euro, Studenten 15 Euro, erhältlich unter info@lachundschiess.de

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  • Leserbrief von Emmo Frey aus Dachau (30. November 2022 um 11:21 Uhr)
    Schade, dass die jW im Süden immer einen Tag zu spät kommt (falls sie überhaupt kommt), denn die Dialoge in der Uni München am Samstag hätte ich mir gern angehört. Humor ist ja ein beliebig interpretierbares Thema. Dazu zwei Anmerkungen:
    1. Durch reinen Zufall (angeblich gibt es keine Zufälle?) las ich gerade bei Umberto Eco im Buch »Auf den Schultern von Riesen« über den Apostel Paulus: »Der Apostel Paulus, der viele gute Eigenschaften besaß, nur keinen Sinn für Humor, hat diese …«. Wenn Eco das über Paulus behauptet, glaube ich es gern. Bei gläubig oder gläubisch verbiesterten Menschen kann man keinen Humor erwarten.
    2. Immer wieder fällt mir Wiglaf Droste ein. Im Oktober 2016 hatte er eine Lesung hier in Dachau. Im moderierten Gespräch ging es auch um Humor. Droste: »Humor ist eine bestimmte Haltung zum Leben.« Diese Wahrheit bleibt mir im Gedächtnis: die gelassene Haltung zum Leben, ohne Verbohrtheit, ohne spießigen Bierernst. Wie oft war ich selbst schon unnötigerweise humorlos? Kann man drüber nachsinnen.
  • Leserbrief von Christian Lühr aus Trier (25. November 2022 um 22:38 Uhr)
    Wenn der Satiriker jenseits vom Feuilleton Platz gereicht bekommt, um beim »Schwerpunkt« um den Begriff »Humor« satirisch mager, aber humorlos herumzuaffektieren, muss ich mir einbilden, die Drucksachen der SZ untergejubelt bekommen zu haben. Aber nein, dieses Geschreibsel ist in Unleserlichkeit und Belanglosigkeit tatsächlich in der jW verbrochen worden. Bin darüber genervt. Dass ich den Sport auf Seite 16 wegen Bedeutungsarmut skippe, hab’ ich als Fatum akzeptiert, aber bitte doch nicht so einen Unsinn auf Seite 3. Da war ja nichts für den Klassenkampf oder dialektische Weiterbildung herauszuholen. Die wirkliche relevanten Informationen waren allein zu finden in Einleitung und Schlussabsatz über das Was und Wo und Wieviel.
  • Leserbrief von Georg F. aus Heidelberg (25. November 2022 um 11:36 Uhr)
    »... a bissl benachteiligt sind in der Ausbildung, was die Redegewandtheit angeht, weil bei uns meistens alles schwarz-weiß und geschrieben is’ ...« – Uiui, das fänden Legionen von universitär mit Derrida erzogenen Leuten gar nicht komisch. In den extrem humorlosen Büchern Derridas geht es ständig um die »Metaphysik der Präsenz«, man würde immer das Gesprochene der Schrift vorziehen. Vielleicht müssen wir alle schlechte Witze erzählen, wenn Menschen rausfinden wollen, was Humor ist. ( Vielleicht schöner, es nicht rauszufinden.) In einer Sportzeitung steht heute, Deutschland bräuchte eventuell einen Katersieg, um noch weiterkommen zu können. Ich hab’s grad jüngeren Leut erzählt, die nicht lachten, da sie »Kantersieg« nie gehört haben, was der Sportreporter, würd’ er mehr Zeit zum Schreiben kriegen, hatte sagen wollen. Aber auch schön, wenn er dann neue Worte findet. Auf einen Katersieg für Deutschland!
  • Leserbrief von Xaver Eichstädter aus Traunstein (25. November 2022 um 00:05 Uhr)
    Warum transkribiert Ihr die Polt-Antworten mit leichtem Dialekteinschlag? Bei einem Interview mit Gregor Gysi oder Klaus Ernst wäre mir das sonst auch nie aufgefallen. Oder weil Gerhard Polt halt so lustig ist und das Bairische ja irgendwie auch? Schade. Der vielschichtige, gewiefte Denker Polt und seine Sprache – für Euch leider (auch) Klamauk. Ein langjähriger Leser aus Oberbayern

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