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Aus: Ausgabe vom 25.11.2022, Seite 2 / Ausland
Krieg um Rojava

Hilfestellung für Dschihadisten

Nordsyrien: Türkei bombardiert Wachen von Internierungslager für IS-Kämpfer. NATO schweigt
Von Annuschka Eckhardt
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Tickende Zeitbombe: Wenn die IS-Anhänger aus dem Camp Al-Hol ausbrechen, wollen sie ein neues Kalifat errichten (Al-Hol, 16.7.2022)

Es gibt Hoffnung – für den sogenannten Islamischen Staat (IS). Am Mittwoch abend bombardierte eine türkische Drohne Sicherheitskräfte, die das Geflüchteten- und Internierungslager Al-Hol in Nordsyrien bewachen, in dem Zehntausende Anhängerinnen und Anhänger des IS leben. Acht Sicherheitskräfte wurden getötet. Infolgedessen konnten einige IS-Familien aus dem Lager fliehen. In der Nacht wurden sechs der Flüchtigen gefasst, wie Farhad Schami, Pressesprecher der Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDK), in der Nacht zum Donnerstag twitterte. Bereits einige Stunden zuvor hatte es Angriffe in der Nähe des IS-Gefängnisses Dscherkin in der Stadt Kamischli gegeben. Die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien bewacht in Lagern und Gefängnissen rund 12.000 IS-Kämpfer sowie mehr als 70.000 Anhänger der Miliz, darunter Tausende aus dem Ausland. Westliche Regierungen verweigern die Rücknahme ihrer dschihadistischen Staatsangehörigen und überlassen die Verantwortung für deren Überwachung der Selbstverwaltung. »Der türkische Staat gefährdet damit nicht nur erneut die sichere Verwahrung der IS-Terroristen, sondern trägt aktiv zum Wiedererstarken des ›Islamischen Staates‹ bei. Bereits gestern mussten wir bekanntgeben, dass wir die laufende Anti-IS-Operation aufgrund der türkischen Angriffe einstellen mussten«, erklärte Ronahi Tolhildan von den Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) am Donnerstag gegenüber jW.

Seit dem Wochenende fliegt die Türkei die schwersten Luftangriffe auf Nordostsyrien seit Jahren. Ankara droht auch mit einer Bodenoffensive. Erstmals würden zeitgleich Ziele im gesamten Gebiet von Nord- und Ostsyrien angegriffen, beklagten die SDK. Am Donnerstag soll laut dpa auch ein Militärstützpunkt der syrischen Regierungskräfte in der Nähe von Kobani bombardiert worden sein. Die Türkei setze nach eigenen Angaben auch Geschütze am Boden ein.

»Die Angriffe auf Camp Al-Hol haben eine ganz klare Zielrichtung. Das Lager ist weit weg von der türkischen Grenze. Ankara leistet Hilfestellung für den IS«, sagte Servan Roni von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) am Donnerstag gegenüber jW. »Die NATO-Partner schweigen dazu, die Unterstützung von dschihadistischem Terror wird in Kauf genommen.«

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