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Aus: Ausgabe vom 25.11.2022, Seite 1 / Ausland
Profitstreben

Tourismus im All ist Gefahr fürs Klima

Bericht: Forschende warnen vor schädlichen Folgen vermehrter kommerzieller Raketenstarts
Von Marc Bebenroth
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Transportiert nicht nur Touristen: Eine Rakete des US-Unternehmens Space X hebt mit einem Satelliten an Bord ab (Cape Canaveral, 3.11.2022)

Die moderne Erforschung des Weltalls hinterlässt schädliche Abgase, doch zur viel größeren Dreckschleuder droht die kommerzielle Raumfahrt zu werden: Sogenannter Weltraumtourismus sei »klimaschädlich und eine reine Ressourcenverschwendung, nur weil einige reiche Leute dies als Statussymbol entdeckt haben«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag Knud Jahnke vom Max-Planck-Institut (MPI) für Astronomie in Heidelberg. Ein Team vom University College London errechnete, dass schon drei Jahre andauernder Weltraumtourismus ausreichen könnte, um die zweifache Menge klimaschädlicher Abgase zu erzeugen wie sämtliche wissenschaftlich getriebenen Weltraummissionen zusammen.

Simulationen hätten ergeben, dass Rußpartikel aus dem verbrannten Treibstoff in der Stratosphäre die Erde etwa 500mal so effektiv erwärmen wie nahe dem Erdboden. »Raketenstarts werden routinemäßig mit Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen der Flugzeugindustrie verglichen, was wir in unserer Arbeit als falsch nachweisen«, erklärte Koautorin Eloise Marais vom University College der dpa. Raketenstarts würden bisher nur 0,02 Prozent zum weltweiten Rußausstoß beitragen. Dafür betrage ihr Anteil an der Erderwärmung durch Ruß sechs Prozent.

Dem Bericht zufolge fanden Ioannis Kokkinakis und Dimitris Drikakis von der Universität Nikosia auf Zypern heraus, dass die Zahl der Stickoxide in Raketenspuren in einer Höhe bis zu zehn Kilometern so groß seien, dass es für Menschen gesundheitsschädlich wäre. Man hoffe, dass »kommerzielle Flugunternehmen wie Space X, Virgin Galactic und Blue Origin« sowie mit ihnen verbundene Triebwerkshersteller jene Effekte bei künftigen Entwürfen berücksichtigen werden, sagte Drikakis laut dpa.

Entscheidend ist nicht nur, was hinten rauskommt. So hatte das Fachportal Space.com in einem Bericht vom 28. Oktober 2021 an die Auswirkungen von Festbrennstoffen erinnert. Bei Starts von Spaceshuttles der NASA waren demnach giftige Abgase in die Umwelt gelangt und hatten ein größeres Fischsterben verursacht.

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