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Aus: Ausgabe vom 24.11.2022, Seite 5 / Inland
Tarifauseinandersetzung

Pilotabschluss übernommen

Abschluss in Runde drei: Einigung bei VW entspricht Metall- und Elektroabschluss aus Baden-Württemberg. Weitere Tarifgebiete ziehen mit
Von Gudrun Giese
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Streik diesmal nicht notwendig: Der IG-Metall-Chef Jörg Hofmann (Crailsheim, 1.3.2021)

Noch vor Ende der Friedenspflicht, das heißt ganz ohne Streiks, konnte sich die IG Metall mit der Volkswagen AG am Dienstag abend auf einen neuen Haustarifvertrag einigen. Beim Entgelt entspricht dieser dem vorige Woche erzielten Abschluss in Baden-Württemberg. Unterdessen hat die IG Metall in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland den in Baden-Württemberg abgeschlossenen Pilottarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie übernommen.

Nach rund zwölfstündiger Verhandlung stand ein Ergebnis für die etwa 125.000 Beschäftigten in den Werken Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg sowie bei den VW-Töchtern Financial Services, Immobilien und DX One GmbH. Für die ostdeutschen Werke wird der Abschluss von der VW Sachsen GmbH voraussichtlich übernommen. Zum 1. Juni 2023 steigen Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5,2 Prozent, zum 1. Mai 2024 um nochmals 3,3 Prozent. Damit läuft der Tarifvertrag ebenso wie der Pilotabschluss der IG Metall in Baden-Württemberg 24 Monate. Wie dort wurde eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro vereinbart, die in zwei Schritten im Februar kommenden Jahres sowie im Januar 2024 gezahlt wird. Auszubildende bekommen die Hälfte.

Der VW-Haustarifvertrag umfasst zudem eine ganze Reihe an Besonderheiten: So können künftig alle Beschäftigten von der Option »Freie Tage statt mehr Geld« bei der tariflichen Zusatzvergütung profitieren. Entweder streichen sie die Extrazahlung in Höhe von 27,5 Prozent des Monatsentgelts im August komplett ein, entscheiden sich wahlweise für die Aufteilung in 13,75 Prozent Cash und zusätzliche drei freie Tage oder aber wandeln die Zusatzvergütung in sechs freie Tage um. Der Tarifvertrag zur Altersteilzeit wird in der vorliegenden Form fortgesetzt und bis zum 31. Dezember 2027 verlängert. Auch der Zuschuss für die dual Studierenden bei VW steigt: Sie bekommen künftig 395 statt 350 Euro zur Begleichung ihrer Hochschulbeiträge. Die »Leistungsorientierte Einmalzahlung« für dual Studierende und Auszubildende steigt von 467 auf 500 Euro und wird im Mai ausgezahlt. Schließlich bleibt es bei der Zahl von 1.400 Ausbildungsplätzen jährlich.

Thorsten Gröger, IG-Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie Verhandlungsführer auf seiten der Gewerkschaft, lobte den Druck, den mehr als 4.000 Beschäftigte mit einer Protestaktion parallel zur zweiten Verhandlungsrunde auf die VW-Chefs ausgeübt hätten. »Das führte dazu, dass Volkswagen endlich eingelenkt hat und heute, in der dritten Zusammenkunft, ein Angebot präsentierte, über das sich verhandeln ließ.« Kurz vor Ende der Friedenspflicht habe VW damit »noch mal die Kurve bekommen«. Gröger betonte die Bedeutung der Inflationsausgleichsprämie, deren erster Teil in Höhe von 2.000 Euro im Februar ausgezahlt werde. »Damit können aufkommende Härten, die durch die Preissteigerungen beim Einkaufen, beim Tanken oder beim Heizen entstehen, kurzfristig aufgefangen und abgefedert werden.« Ebenfalls entlastend für die Beschäftigten wirke dann die prozentuale Entgelterhöhung zum Juni.

Zusammen mit den von der Politik eingeleiteten Entlastungen wie Einmalzahlungen, Strom- und Gaspreisbremse entstehe ein Gesamtpaket, »das die Wucht der Inflation eindämmt. Tarifpolitik alleine kann die Dynamik der Teuerungen nicht vollständig auffangen, aber mit unserem Abschluss leisten wir in historisch schwierigen Zeiten einen Beitrag, damit die Beschäftigten besser durch die Krise kommen«, erklärte Gröger. Die VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo würdigte den Abschluss als »richtig solide«. Neben mehr Geld für die Beschäftigten sei auch sehr positiv, dass »zentrale VW-Themen wie Altersteilzeit und mehr freie Tage geregelt« seien.

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