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Aus: Ausgabe vom 24.11.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Front gegen China

US-Bomber für Australien

Vorbereitung auf den Krieg gegen Volksrepublik China: Washington plant Verlegung von »B-52«
Von Satyajeet Malik
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Auf dem Weg nach Tindal: Manöver der US-Streitkräfte in Australien im Jahr 2016

Die USA wollen sechs Bomber des Typs »B-52« mit nuklearer Bewaffnung auf dem Stützpunkt Tindal der australischen Luftwaffe in Nordaustralien stationieren. – Die Ankündigung von Ende Oktober löste im gesamten indopazifischen Raum heftige Reaktionen aus. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, erklärte, die USA hatten damit »die regionalen Spannungen verschärft, den regionalen Frieden und die Stabilität ernsthaft untergraben und möglicherweise ein regionales Wettrüsten ausgelöst«. Der australische Verteidigungsminister, Richard Marles, sah sich Anfang November gezwungen, die Entwicklung herunterzuspielen und forderte, dass »alle tief durchatmen müssen«.

Bislang sind viele der »B-52« auf der US-Basis in Guam stationiert. Diese kann von den meisten chinesischen konventionellen Raketen erreicht werden – der Stützpunkt in Tindal hingegen nicht. Der »B-52« ist der wichtigste Bomber im Bestand der USA und gilt als Rückgrat ihrer Luftwaffe. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ein Bomber dieses Typs in Australien stationiert wird. Bereits Ende 2018 schickten US-Streitkräfte zwei »B-52« für ein gemeinsames Manöver auf den australischen Stützpunkt Darwin. Aber die neueste Ankündigung stellt eine erhebliche Eskalationsstufe dar. Die Zeitung The Australian schrieb im Anschluss an die Nachricht, dass die Stationierung der »B-52« das »Anwachsen eines Vorkriegsumfelds« einläute: »Die Trommelschläge eines möglichen Krieges ertönen auf der ganzen Welt. Das ist keine Panikmache, das ist die Realität.«

Die militärische Bedeutung des »B-52«-Bombers liegt in seinen Langstreckenschlagfähigkeiten. Mit einer Flugreichweite von fast 14.000 Kilometern könnte er von den australischen Northern Territories bis zum chinesischen Festland und nach Taiwan fliegen, Bomben abwerfen und zurückfliegen. Darauf machte The Australian aufmerksam. Andererseits twitterte Hu Xijin, ehemaliger Chefredakteur der chinesischen englischsprachigen Tageszeitung Global Times eine Warnung an Australien: »Die ›Dongfeng‹-Raketen der PLA (Volksbefreiungsarmee, jW) fliegen definitiv schneller als die ›B-52‹-Bomber.«

Aber aus Sicht der USA geht es noch um etwas anderes: Die Stationierung der Bomber in Australien hilft Washington, eine Großmacht als Verbündeten im Krieg gegen China an seine Seite zu binden. In Anbetracht der entscheidenden Rolle, die die sechs »B-52« bei der Gegenoffensive gegen die Volksrepublik im Falle einer Invasion Taiwans spielen könnten, wäre es wahrscheinlich, dass Beijing die Ziele in Australien mit seinen Interkontinentalraketen präventiv angreift, wodurch das Land sofort in den Krieg reingezogen würde.

Die Entscheidung der australischen Regierung, die Bomber auf ihrem Territorium zu stationieren, stellt angesichts der großen Risiken, die damit verbunden sind, eine wichtige Entwicklung im indopazifischen Raum dar: Australien will gleichberechtigter Verbündeter der USA im Krieg gegen China sein. »Es ist ein Zeichen an die Chinesen, dass wir bereit sind, die Speerspitze zu sein«, sagte Richard Tanter, ein leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Nautilus Institute in Australien und langjähriger Anti-Atomkraft-Aktivist, Ende August der ABC. »Es ist sehr schwer, sich eine offenere Verpflichtung vorzustellen, die wir eingehen könnten. Ein offeneres Signal an die Chinesen, dass wir mit den amerikanischen Plänen für einen Krieg mit China einverstanden sind.«

Eine weitere wichtige Folge der Stationierung ist, dass sie ganz Südostasien in den Schatten eines Krieges stellt. Die Langstreckenkapazitäten der »B-52« könnten China dazu zwingen, nach Militärbasen in Südostasien zu suchen, von denen aus es im Falle eines Krieges schnelle Angriffe auf australische Territorien starten könnte. Ein solcher Plan würde diese Militärbasen zwangsläufig zum Ziel australischer Angriffe machen. Chinas Sicherheitsabkommen mit den Salomonen vom April dieses Jahres hat den Inselstaat bereits zu einem Ort starker Spannungen zwischen Canberra und Beijing gemacht. Diese erreichten im Mai ihren Höhepunkt, als der Premierminister der Salomonen erklärte, dass sein Land von einer Invasion der alliierten Streitkräfte bedroht sei.

Absehbar ist jetzt schon, dass die Stationierung die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Australien und China schwer belastet. Victor Gao vom in Beijing ansässigen Center for China and Globalisation sagte der ABC Anfang November: »Wenn Australien alle seine wirtschaftlichen Interessen in bezug auf China aufgeben will, befürchte ich, dass Australien im Falle eines Krieges so behandelt wird, wie China die USA behandelt.« Klar ist: Mit der Stationierung der Bomber in Australien hat Washington den Grundstein für eine Entkopplung der australischen und chinesischen Wirtschaft gelegt.

Hintergrund: Geld für Krieg

Australien erhöht seine Militärausgaben derzeit erheblich. Im Oktober veröffentlichte Premierminister Anthony Albanese seinen ersten Haushalt seit dem Wahlsieg seiner »Mitte-links«-Labor-Regierung im Mai. Dieser sieht Mehrausgaben um acht Prozent für das im Juni 2023 endende Haushaltsjahr vor sowie eine Steigerung auf mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis Mitte 2026, wie Ende Oktober bekannt wurde.

Das geht einher mit einer Festlegung der Verbesserung der Marinekapazitäten des Landes als Schwerpunkt. Neben der Beschaffung von U-Booten mit Nuklearantrieb im Rahmen des AUKUS-Vertrags sollen Fregatten der »Hunter«-Klasse und Patrouillenschiffe der »Arafura«-Klasse alternde Modelle ersetzen.

Der Grund für die Modernisierung der Marine ergibt sich aus der zunehmenden Bedeutung des Südchinesischen Meeres als globaler Schifffahrtsweg für australische Eisenerz-, Flüssigerdgas- und Kohleexporte. In dem Bestreben, ihre militärischen Allianzen gegenüber China in der Region zu stärken, hat die Regierung von Albanese bereits zuvor angekündigte, 1,4 Milliarden Australische Dollar (etwa 900 Millionen Euro) an »Überseehilfe« in den Haushalt aufzunehmen. Davon entfallen etwa 900 Millionen Australische Dollar an die pazifischen Inselstaaten und 470 Millionen an Südostasien.

Bereits die Vorgängerregierung unter Premierminister Scott Morrison hatte die Steigerung der Kriegsausgaben in großem Stil anvisiert. Im Juli 2020 setzte Morrison das Ziel, das Budget in den kommenden zehn Jahren um 40 Prozent zu erhöhen. In einer Rede kündigte er an, dass der Fokus des Militärs künftig im indopazifischen Raum liegen werde. Beobachter gingen damals davon aus, dass die Aufrüstung vor allem auch ein Signal ist, dass Canberras Streitkräfte unabhängiger von den USA in der Region Interessen vertreten sollen. (sm)

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  • Leserbrief von Ronald Prang aus Berlin (24. November 2022 um 00:29 Uhr)
    Die USA bringen sich in Stellung in ihrer Auseinandersetzung um die Hegemonialmacht. War alles schon zwei Mal da, jedes Mal erfolgreich. Beim ersten Mal stationierte sie Atomraketen in der Türkei an der Grenze zur UdSSR 1960. Als dann sowjetische Raketen auf Kuba installiert wurden, war die Welt am Rand zum dritten Weltkrieg. Kennedy und Chruschtschow waren vernünftig genug den Krieg in letzter Sekunde zu verhindern. Die Sowjetunion zog ihre Raketen von Kuba wieder ab, die USA präsentierte sich als Sieger. Klammheimlich zogen sie vereinbarungsgemäß auch ihre Raketen aus der Türkei ab, aber der Eindruck des Sieges wird bis heute zelebriert. 1983 begann die sogenannte Nachrüstung der NATO auf eine angebliche Überlegenheit der sowjetischen Truppen und Raketen. Es war die UdSSR, die auf Abrüstung drängte, Reagan und Gorbatschow verständigten sich auf den Abbau der Atomwaffen auf beiden Seiten. Der Westen hatte den Sozialismus kaputtgerüstet. Das Ende des Kalten Krieges war erreicht. Die Weltmacht der USA noch nicht. Das Konzept der Weltherrschaft der USA wurde nie aufgegeben und nun ist China ökonomisch und auch technologisch überlegen, militärisch kann ich China nicht einschätzen. Dass der Ukraine-Krieg nur ein Stellvertreterkrieg ist, schreibe ich seit Beginn dieses Krieges. Es geht darum, Russland zu schwächen, China zu bedrohen und so den nächsten Schritt zur Weltherrschaft über Taiwan zu »erkämpfen«. Wie das ausgeht weiß keiner, dass Kapitalismus nur durch Expansion existieren kann, weiß jeder. Mehr Raum, mehr Absatz, mehr Macht und mehr Gewinn treibt die Welt in die nächste und wahrscheinlich letzte Katastrophe, die Klimakatastrophe, ausgelöst durch die Gier des Kapitalismus erledigt dann den Rest. Die Spezies Mensch ist für den Planeten Erde nicht existentiell, das war es dann wohl.

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