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Aus: Ausgabe vom 24.11.2022, Seite 2 / Ausland
Ukraine-Krieg

Neue russische Raketenangriffe

Kiew und große Teile der Ukraine ohne Strom und fließendes Wasser
Von Reinhard Lauterbach
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Auch die ukrainische Haupstadt Kiew war von den jüngsten Angriffen Russlands betroffen (23.11.2022)

Nach einer neuen Welle russischer Angriffe gegen die Energieinfrastruktur der Ukraine waren am Mittwoch nachmittag große Teile des Landes ohne Strom. Die Angriffe begannen um die Mittagszeit und dauerten bis in den frühen Nachmittag an. Getroffen wurden Ziele in Mikolajiw, Odessa, Kriwij Rig, Charkiw, Kiew, Chmelnitzkij, Winnizja und Lwiw. Einige Raketen trafen auch Wohnhäuser. Es gab einen Toten und 20 Verletzte. Aus den genannten Regionen wurde von Notabschaltungen der Stromversorgung berichtet. In Kiew fielen zusätzlich Wasserversorgung und Fernheizung aus, in den Supermärkten wurde das Mineralwasser knapp, in vielen Geldautomaten das Bargeld. Auch die beiden Atomkraftwerke »Südukraine« (im Gebiet Mikolajiw) und »Riwne« (im Westen des Landes) mussten heruntergefahren werden. Nicht, weil sie selbst beschädigt worden wären, sondern weil sie durch Schäden im Leitungsnetz den von ihnen produzierten Strom nicht mehr ins Netz einspeisen konnten.

Die Angriffswelle kam einen Tag, nachdem der Chef des Energieversorgers Ukrenergo, Wolodimir Kudrizkij, mitgeteilt hatte, es gebe in der Ukraine praktisch keine unbeschädigten Wärme- und Wasserkraftwerke mehr. Einige Anlagen seien bis zu achtmal beschossen worden. Auch die Umspannstationen seien praktisch alle beschädigt oder zerstört.

Auch das benachbarte Moldau war von der Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur betroffen. Die Hälfte des Landes werde nicht mit Strom versorgt, teilte Vizepremier und Infrastrukturminister Andrei Spuni auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch die an die Ukraine angrenzende, international nicht anerkannte Republik Transnistrien meldete laut Innenministerium Stromausfälle.

Die Angriffe zeigen, dass ukrainische und westliche Behauptungen, Russland gingen die Raketen aus, wohl voreilig sind. An den Fronten setzte Moskau nach eigenen Angaben seine Angriffe südwestlich von Donezk fort. Nach Aussage russischer Frontkorrespondenten sind inzwischen zwei Drittel der seit Monaten umkämpften Ortschaft Marjinka in russischer Hand. Auf der anderen Seite versucht die Ukraine offenbar, mit Landungstruppen die Halbinsel »Kinburn-Nehrung« südlich der Dnipromündung zu erobern. Von dort aus kann Russland die Hafenstadt Mikolajiw und den Marinestützpunkt Otschakiw beschießen.

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