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Aus: Ausgabe vom 23.11.2022, Seite 10 / Feuilleton

Schulz, Eichel, Praunheim, Richter

Von Jegor Jublimov
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Kommenden Freitag wäre der Regisseur Rosa von Praunheim 80 geworden (Westberlin, 17.1.1973)

Als das »reale Welttheater großer und kleiner Leute« hat Kritiker Denis Scheck die Comicserie »Peanuts« unter die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur aufgenommen. Aber Vorsicht! Wer wie Scheck gern Werke von Christa Wolf dem Feuer übergibt, dessen Lob ist nicht zu trauen. Erfunden hat die Peanuts der Zeichner Charles M. Schulz aus Minnesota. Doch die Geschichten um Kinder aus dem Mittleren Westen funktionieren heute genauso im mittleren Osten, beispielsweise in der Gegend um Stendal in der Altmark. Daher stammen nämlich Schulz’ Vorfahren. Er zeichnete von Kindheit an, veröffentlichte schon mit 15 Jahren den ersten Comic und legte richtig los, als er aus dem Krieg zurückkehrte, wo er u. a. an der Befreiung Dachaus teilgenommen hatte. Vorläufer der ab 1950 so genannten »Peanuts« zeichnete Schulz seit 1947 und hielt die Produktion der Geschichten für Zeitungen, Bücher und Filme bis zu seinem Tod im Jahr 2000 durch. Am Sonnabend wäre er 100 Jahre alt geworden – seine Figuren Charlie Brown und Snoopy mit ihren Freunden leben weiter.

Nach wie vor ist Kaspar Eichel aktiv. Der Schauspieler und Synchronsprecher, der am Sonntag 80 Jahre alt wird, hat in Hauptrollen oft den Bruder (»Polizeiruf 110: Eine fast perfekte Sache«, 1976) oder den besten Kumpel des Helden (»Berlin um die Ecke«, 1965/87) gespielt. Unter seinen rund 140 Kino- und Fernsehfilmen finden sich solche aller Genres, aber erstaunlich viele Kinder- und Märchenfilme. Immer wieder amüsant: der helle Klaus in seinem Debütfilm »Die goldene Gans« (1964).

Auf dem Titel einer halbwegs seriösen bundesdeutschen Filmillustrierten präsentierte sich der Filmemacher Holger Mischwitzky vor über 40 Jahren splitternackt. Bis heute setzt er sich unter seinem Kampfnamen Rosa von Praunheim für die Rechte Homosexueller ein. Sein provokanter Film »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« begründete 1971 die Schwulen- und Lesbenbewegung in der BRD. Praunheims teils bewusst dilettantisch inszenierte Filme wurden viel beachtet, etwa »Affengeil« (1990) mit Lotti Huber und Frank Schäfer oder »Der Einstein des Sex« (1999) mit Kai Schumann und Friedel von Wangenheim. Empörung löste Praunheim zu Beginn der neunziger Jahre aus, als er TV-Stars wie Alfred Biolek und Hape Kerkeling als schwul outete, ein übergriffiges Verhalten. Der ehemalige Professor an der Babelsberger Filmhochschule (sein Student Axel Ranisch trat erfolgreich in seine Fußstapfen) feiert am Freitag den 80. Geburtstag.

»Und wenn Sie nun wirklich schwul wären, Herr Richter?« fragte Rainer Werner Fassbinder den damals 15jährigen Teenieliebling Ilja. Der mochte sich das nicht vorstellen, wie er in seinem neuen Buch »Nehmen Sie’s persönlich« erzählt. Oft verkannt und doch gut durch die Jahrzehnte gekommen, kann Ilja Richter am Donnerstag den 70. feiern. Auf »Tanten«- und »Pauker«-Klamotten sowie die »Disco« kann er ebenso zurückblicken wie auf Theaterauftritte und Synchronarbeiten (z. B. Disneys Erdmännchen Timon). Im Buch erzählt Richter, warum er zu Curt Bois aufblickte und auf »den« Rühmann herab, von Begegnungen mit Udo Jürgens, Manfred Krug, Theo Lingen und vielen anderen, die sein Leben bunt sein ließen.

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