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Aus: Ausgabe vom 23.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Kalter Kaffee des Tages: »Bündnis Deutschland«

Von Jan Greve
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Dieser Bremer Gartenzwerg zeigte sich auf jW-Nachfrage offen dafür, im Mai 2023 das »Bündnis Deutschland« zu wählen

Haben Sie es mitbekommen? Am Sonntag ist der deutsche Michel erwacht. »Der erste Schritt für ein besseres Deutschland ist getan«, heißt es seitdem auf der Internetseite vom »Bündnis Deutschland«. Das vermeintliche Erfolgsrezept der an diesem Tag neu gegründeten Partei: kalter Kaffee. Sie verortet sich »in der politischen Mitte« und wirbt mit dem Slogan: »Freiheit, Wohlstand, Sicherheit«.

Wohin die Kaffeefahrt mit dem »Bündnis Deutschland« geht, ist derweil klar: Man wolle Wähler aus dem konservativen Lager gewinnen, verkündete der Bundesvorsitzende Steffen Große. Der war mal Landeschef der »Freien Wähler« in Sachsen. Ansonsten tummeln sich in der Partei frühere Mitglieder von CDU, CSU, SPD, FDP und AfD, wie es am Dienstag hieß. Wer darauf setzt, dass bei dieser Rezeptur etwas Aufputschendes herauskommt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank: Inhaltlich geht es um weniger Abgaben und Steuern (»Leistungsgedanke«), um sozialpolitische Gruselmärchen (das »Bürgergeld« sei »eine Vorstufe zu einem bedingungslosen Grundeinkommen«), um verkehrspolitische Geisterfahrten (»Wir stehen zur Individualmobilität und zum Autoland Deutschland«) und um Folklore (Pflege der »Traditionen und Bräuche unseres Landes«). Ganz nebenbei will man »unkontrollierte Migration« verhindern, die Familien stärken und die Bundeswehr »wieder einsatzfähig« machen. Endlich sagt es mal einer!

Und warum das alles? »Weil die AfD als Koalitionspartner ausfällt«, so Parteichef Große. In der Folge gebe es im konservativen Spektrum eine »Repräsentationslücke« und eine dauerhaft »rot-grün« geprägte Regierungspolitik. Im Mai 2023 soll damit Schluss sein: Dann will das »Bündnis Deutschland« in die Bremische Bürgerschaft gewählt werden. Fraglich, ob der Michel bereit ist, den kalten Kaffee zu schlucken, wenn es die Brühe bei der Konkurrenz auch lauwarm gibt. Prognose: Das wird im Abgang bitter.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (23. November 2022 um 13:51 Uhr)
    Nun, wenn man die wichtigsten »Vorhaben« liest, was fällt einem als Erstes ein? Richtig, die AfD. Jeder sollte sich also fragen, was soll der Käse? Welche Ideen haben die Herren und Herren dieses merkwürdigen Bündnisses, z. B. zur Energiepolitik des irrlichternden Habeck und welche Ideen zur katastrophalen Außenpolitik von Baerbock? Ich schätze, da ist man sich einig, ansonsten hätte man diese Themen auf die Agenda gesetzt. Also, alter Wein in neuen Schläuchen. Eine zweite AfD braucht in D kein Mensch. Eine Linke, die diesen Namen auch verdient, schon.

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