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Aus: Ausgabe vom 22.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Heimatschützer des Tages: Bodo Ramelow

Von Arnold Schölzel
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Bodo Ramelow

Waren das gute alte Zeiten, als lediglich der Teufel dem Martin Luther auf der Wartburg im Thüringischen erschien und mit Tintenfasswurf bekämpft werden konnte. Heute lauert hinter jedem Tannenbaum im »grünen Herzen Deutschlands« der Russe. Landesvater Bodo Ramelow warnt jedenfalls am Montag in der Süddeutschen Zeitung: »Russland führt seinen Krieg auch in Deutschland an der Tankstelle, beim Strom- und Gaspreis und auch an jedem Montag hier in Thüringen.« Im »Angesicht des Bösen« (Frank-Walter Steinmeier) wird selbst der fromme Niedersachse zum Rächer von Witwen und Waisen: »Der Druck auf Putin und die Kleptokratie muss wachsen.« Alle Vermögenswerte und Geschäftsanteile der Oligarchen sollten »einkassiert« werden. Deutsche Milliardäre sind nicht gemeint. Fürs Wegnehmen müssen vor allem jedoch Waffen her. »Früher« sei er gegen deren Export gewesen, sagt der neue Robin Hood, heute füge er hinzu: Wer angegriffen wird, hat das Recht, sich zu verteidigen. Ob das auch für die Bewohner des Donbass gilt, in deren Wohngebiete Kiews Armee seit 2014 hineinschießt und jetzt durch US- und deutsche Kanonen mit noch größerer Reichweite, erfahren die Leser nicht. Jedenfalls reicht der bisherige Massenmord durch Kiew Ramelow offenbar nicht. Auch sein Bruder im Geiste, Anton »Panzertoni« Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), findet das nicht genug. Der verlangte laut Montags-FAZ von Polen zehn »Leopard« für Kiew. Das erhöhe den Druck auf Berlin, »seinerseits zum Beispiel 50 Stück zu geben«.

Ramelows Waffenneigung sei »nicht die Position der Partei, wir machen Alternativen zur militärischen Logik stark«, rüffelte der Linke-Kovorsitzende Martin Schirdewan in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er teile aber Ramelows Auffassung, »dass der Druck auf Putin steigen muss«. Ein guter Ansatz auf dem Weg vom Tintenfass zur Artillerie.

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  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (24. November 2022 um 09:32 Uhr)
    »Russland führt seinen Krieg auch in Deutschland an der Tankstelle, beim Strom- und Gaspreis und auch an jedem Montag hier in Thüringen«, erklärt Bodo Ramelow. Kaum zu glauben, dass ein linker Ministerpräsident so einen Schwachsinn verbreitet. Sind hierfür doch eigentlich die Spezialdemokraten der SPD bekannt. Aber wie man sieht, die Verräter der arbeitenden Bevölkerung gibt es nicht nur bei der SPD. Auch olivgrüne Kriegsbefürworter wie »Haubitzen-Annalena« Baerbock und »Panzer-Toni« Hofreiter schwafeln vom Recht auf Selbstverteidigung und schreien nach Waffenlieferungen. Zur Erinnerung: Eine Erkenntnis deutscher Arbeiter und Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg lautet: »Der Krieg ist für die Reichen, der Mittelstand muss weichen und die Armen stellen die Leichen.« Echte Linke müssten eigentlich erkennen, was hier zu tun ist. Nämlich zu verhandeln und keine Waffen zu liefern, damit niemand getötet wird. So wie es 2014 im Minsker Abkommen vereinbart und es Russland noch im Dezember 2021 gefordert hatte; den Beschuss des Donbass zu beenden. Es waren die ukrainischen Marionettenpräsidenten und die US-Regierung, die dies vehement abgelehnt haben. Stattdessen führte man im Donbass acht Jahre einen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung. Die Folge: 1,5 Mio. Binnenflüchtlinge, 44.000 Verletzte und 14.000 Tote. Mit der NATO im Rücken hält sich offenbar jeder geistige Zwerg für den größten Feldherrn der Welt. Inzwischen wurden Zehntausende Menschen sinnlos getötet, Hunderttausende verwundet oder zu Krüppeln. Das alles hätten Verhandlungen verhindern können. Stattdessen aber fordern geistige Tiefflieger Waffenlieferungen, allen voran die schneidige Rüstungslobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Die Einzigen, die davon profitieren, sind die Aktionäre der Rüstungsindustrie. Kein Arbeiter hat etwas davon, wenn er für die Profitinteressen des Kapitals im Krieg fällt! Das Problem ist nicht Russland, sondern die seit 1999 vom US-Imperialismus betriebene NATO-Osterweiterung.
  • Leserbrief von Hans-Joachim Wolfram aus Sondershausen (24. November 2022 um 08:45 Uhr)
    Ich denke nicht, dass Bodo Ramelow dem Bild des typischen Wessis entspricht. Das ist zu primitiv gezeichnet. Ich erinnere mich noch gut an die Podiumsdiskussion mit Sahra Wagenknecht, Gerd Jüttemann und Bodo Ramelow auf dem nd-Medienspektakel auf dem »hohen Loh« in Suhl im Jahr 1998, als der gemeinsame Gegner ein gewisser Kohl war, Vorname und Partei sind mir entfallen. Ich sehe es völlig anders. Nämlich als eine alldeutsche politische Ideologie der Parteien, die keine Grundsätze mehr kennen, deren Programme nicht einmal zum Reinigen des Anus taugen, sondern bei Eignern einer Ofenheizung nur zum Anzünden des Holzes mit den spärlichen Briketts darüber dienen – so die Kohle überhaupt lieferbar ist. Sämtliche Parteien der BRD haben den Schwenk von einer individuellen politischen Idee hin zur Meinungsumfragepolitik vollzogen. Sie bedienen nur eine ausgesuchte Klientel und haben für Frierende nicht einmal mehr heiße Luft übrig. Ihre Repräsentanten, wie Bodo Ramelow sind nichts weiter als Schmierlappen, die von der Hand der tatsächlich Herrschenden geführt werden. Den Herrschenden geht es nur um Machterhalt. Darum sind die Programme der Parteien so unterschiedlich wie die Waschmittelsorten – nämlich nur in Verpackung und Werbung. Das ist nämlich der Grund, weshalb die Bevölkerung sich angewidert von der Politik zurückzieht. Die Linke hat da als erste versagt und schon war die neue AfD der Hoffnungsträger, dass diese Partei tatsächlich wieder »Volksgemeinschaft« herstellt. Dass dabei Buchenwald grüßen lässt, merken sie nicht. Diese falschen Hoffnungen »Wir sind alle gleich deutsch und gut« bröckeln, aber es wird noch dauern, bis auch diese Träumereien von (…) Höcke begraben werden. Wir brauchen eine Partei, die den Spießern das Fürchten lehrt, deren Mitglieder den Klassenkampf führen und nicht verdrängen, die sich nicht an althergebrachtem festkleben, sondern den Systemwechsel vollziehen wollen. 1918 wurde durch Ungehorsam der Krieg beendet. Auf ein Neues!
  • Leserbrief von Hans Wiepert aus Berlin (23. November 2022 um 12:43 Uhr)
    Wenn ein stramm auf die 70 zugehender Regierungschef so verbal um sich schlägt, ahnt der Beobachter, dass seine Beliebtheit bei den Landeskindern arg geschrumpft ist. Der verbrauchte Niedersachsenimport hat mittlerweile gar das Kunststück geschafft, hinter den Westfalenimport Höcke zurückzufallen. Der ist zwar Faschist, aber auch fast 20 Jahre jünger. Und mit dem würde Ramelow sich zur Not auch arrangieren – er wählt dann und wann auch schon mal AfD: https://www.sueddeutsche.de/politik/ramelow-afd-thueringen-1.4834648
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gerhard R. H. aus Halberstadt (22. November 2022 um 19:03 Uhr)
    Herrn Ramelows Hass auf so ziemlich alles, was einst in der Deutschen Demokratischen Republik, so auch die Deutsch-Sowjetische Freundschaft, zur Realität gehörte, ist seit Jahren bekannt. Das entstammt seinem, im Westteil Deutschlands, von Kindesbeinen an anerzogenen Kommunistenhass, dessen Kern der Antisowjetismus war und der nach 1991, also nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in bereits aus der Kaiserzeit stammenden Russenhass – »Wir müssen eventuell dem Russen soviel Blut abzapfen, dass derselbe sich nicht erleichtert fühlt, sondern 25 Jahre außerstande ist, auf den Beinen zu stehen. Wir müssen die wirtschaftlichen Hilfsquellen für lange hinaus durch Verwüstung seiner Schwarzerd-Gouvernements, Bombardierung seiner Küstenstädte, möglichste Zerstörung seiner Industrie und seines Handels zuschütten. Wir müssten endlich Russland von seinen beiden Meeren, der Ostsee und dem Schwarzen Meer, abdrängen, auf denen seine Weltstellung beruht.« (Bernhard von Bülow, Botschaftsrat in St. Petersburg, Bericht vom 10. Dezember 1887 an das Auswärtige Amt, Zitiert nach: Infoheft »Freidenker«, 81. Jahrgang, Nr. 1-22 April 2022, S.37 f) – umgemünzt wurde. Eine scheinbare Ausnahme bildete wohl nur die Jelzin- Ära, da von ihm keinerlei Gegenwehr bei Ausplünderung, Unterjochung und beabsichtigter Zerschlagung Russlands zu erwarten war. Herr Ramelow, dessen Herkunft aus der BRD – ohne hier eine Pauschalisierung gegenüber den Bürgern der »alten« BRD vornehmen zu wollen – im Grunde genommen nicht viel Anderes erwarten lässt, ist genauso »links«, wie einst die SPD-Führung »links« war, die 1914, im siegestrunkenem Taumel fürs deutsche Vaterland, den Kriegskrediten für den Ersten Weltkrieg zustimmte. Kurz zur Erinnerung, Herr Ministerpräsident: Zweimal hat das innerhalb von nur 30 Jahren im 20. Jh. nicht geklappt. Zu hoffen bleibt nur, dass er in Bezug auf die Montagsdemos in Thüringen nicht noch die Papiere des »Genossen« Noske (»Einer muss der Bluthund sein.«) findet.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralph L. (22. November 2022 um 07:22 Uhr)
    Hach, was waren das noch für Zeiten, als der Bodo in Dresden (nicht nur dort) gegen Nazis demonstrierte und sich dabei von der Polizei sogar umrempeln ließ. Und heute will der diesen Leuten Waffen gegen Russland liefern. Also vom »Paulus« zum »Saulus«, oder so …
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (21. November 2022 um 21:08 Uhr)
    Die PdL als Erfüllungsgehilfe der Waffen- und Rüstungskonzerne. Wer hätte das je gedacht, dass diese Partei so tief sinken kann? Ramelow an der Seite von »Haubitzen-Toni«, was für ein Bild und was für eine Botschaft: Hier stehen wir »Linken«, nehmt uns auf in eueren Bellzisten-Verein, auf dass wir die werteorientierte (?), deutsche Politik mit neuen Ideen befruchten. Wagenknecht täte gut daran, sich aus diesem üblen Dunstkreis der Kriegstreiber, Doppelmoralisten und Scheinheiligen zu verabschieden und eine linke Partei zu etablieren, die diesen Namen auch verdient. Deutschland hat sie dringend nötig.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (21. November 2022 um 19:56 Uhr)
    Ob die Thüringer wirklich einen »Landesvater« mit einem Messer zwischen den Zähnen und starrem Blick nach Osten brauchen? Wieder einmal beweist sich: Wer lange genug linksherum geht, kommt letztendlich rechts um die Ecke.

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