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Aus: Ausgabe vom 21.11.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Aufarbeitung

Zu jW vom 15.11.: »Nein zu Nazibekämpfung«

Es ist bezeichnend, mit welcher Verlogenheit und Heuchelei unter falschen Vorwänden gegen diese UN-Resolution gestimmt wurde. Gerade unsere sogenannten Repräsentanten hätten aus der deutschen Geschichte heraus allen Grund, dieser Resolution zuzustimmen. Es wird einmal mehr deutlich: Unsere Regierenden sind an einer ernsthaften und wahrhaftigen Aufarbeitung des Hitlerfaschismus und seiner Folgen nicht interessiert. Damit drücken sie sich nicht nur vor der geschichtlichen Verantwortung, sondern begünstigen das Wiedererstarken der neofaschistischen Kräfte. Das zieht sich bis in die unteren Verwaltungsebenen dieses Staates, wenn man z. B. nur an die Erscheinungen in der Bundeswehr oder das Vorgehen von Polizei und Justiz gegen neonazistische Bestrebungen denkt. In den heutigen Nachrichten auf MDR Radio Thüringen kam die Meldung, dass aus »finanztechnischen Gründen« dem Förderverein Buchenwald e. V. verboten wurde, ab dem 1. Januar 2023 weiterhin Führungen durch das KZ Buchenwald zu organisieren! Und das in einem Bundesland, in dem der Ministerpräsident ein Mitglied der Partei Die Linke ist, diese Partei also mitregiert. Das ist wohl der I-Punkt des Ganzen. Ein Schelm, der Arges dabei denkt. Ich will aber lieber mit Julius Fucik antworten: »Menschen, ich hatte euch lieb. Seid wachsam!«

Hans Gerd Jörgens, per E-Mail

Schienen von morgen

Zu jW vom 15.11.: »Frieden? Nicht mit Biden«

Bidens USA werden »weiterhin heftig mit China rivalisieren«. Dabei kann dem Mann geholfen werden. Im zukunftsentscheidenden Sektor der Bahnnetze geraten die USA seit vielen Jahrzehnten gegenüber China stark ins Hintertreffen. Ein echter »Green New Deal« müsste daher den (Wieder-)Aufbau eines Amtrak-Netzes umfassen, das sich nicht auf die ohnehin weltoffeneren, moderneren und progressiven Küstenstreifen am Atlantik und am Pazifik beschränkt. Die verbliebenen, maroden Güterbahnen im Midwest könnten teils ersetzt (…), teils ertüchtigt werden, jedenfalls aber mit Eignung für Personenhochgeschwindigkeitsverkehr mit 300 km/h. (…)

Aber auch international – im Kontext der Initiative »Neue Seidenstraße« und ihrer vorbildlichen Kooperation mit afrikanischen Staaten – dürfte China voraussichtlich Normalspurbahnen über den Nahen Osten und Ägypten etwa bis Kenia bauen, die auch Zweiglinien nach Europa umfassen könnten und so die breitspurbedingte suboptimale transsibirische Variante ergänzen oder ersetzen – zumal an Güterzügen der Verbindung Beijing–Duisburg bis heute leider die Reisezugwagen fehlen.

Was läge näher, als seitens der USA ein Projekt der vorletzten Jahrhundertwende zu aktualisieren? Damals war an eine Schlafwagenverbindung Lissabon–New York über Moskau und Alaska gedacht! »Reisen statt fliegen« stand noch vor 20 Jahren auf den City-Night-Line-Zügen der DB. Die drittrangige Frage, ob China nun Flugzeuge von Boeing oder Airbus kauft, ließe sich perspektivisch klar entscheiden: weder noch. An Kurswagen wäre zu denken zwischen Memphis in Tennessee und Konstanz am Bodensee, zwischen den Hügeln San Franciscos und jenen der Stadt Zürich oder zwischen Frankfort (Kentucky) und Frankfurt (Oder).

Bernhard May, Solingen

Nebenkosten

Zu jW vom 18.11.: »Abzocke bei Abrechnung!«

(…) Wir wissen seit langem, dass große Wohnungsunternehmen wie Vonovia und Deutsche Wohnen (die es ja immer noch gibt) die Mieter mit ihren undurchsichtigen Nebenkostenabrechnungen in den Wahnsinn treiben. Und mit »wir« meine ich insbesondere die Berliner Aktivisten, die oft allein und verzweifelt den ignoranten Gerichten, den unwilligen Anwälten, weil sie nichts verdienen, und den überforderten Mietervereinen gegenüberstehen. Gerade die Rechtsprechung zu den Nebenkostenabrechnungen ist derart mieterunfreundlich, dass es keinem Mieter zuzumuten ist, gegen solche Abrechnungen etwas zu unternehmen. Auch eine Einsicht in die Belege bei den Firmen ist unzumutbar für den einzelnen Mieter, wird aber von den Gerichten generell verlangt. Aber sie hilft letztlich auch nicht weiter. Denn was soll ich als Mieter mit irgendwelchen undurchsichtigen Massen an Rechnungen anfangen? Jedes Jahr, wenn die Nebenkostenabrechnungen ins Haus stehen, erscheinen Dutzende von Artikeln in den Zeitungen, die die Mieter auffordern, sie mögen doch ihre Rechnungen überprüfen. Aber das heißt letztlich, die Probleme auf den Mieter abzuwälzen, der damit überfordert ist. Hier sind der Gesetzgeber gefragt und auch die Mietervereine, die viel mehr die Mieter insgesamt unterstützen müssten. Dazu haben sie aber oft nicht die Kapazitäten, und genau das wissen die Wohnungsunternehmen. Hier müssten gesetzliche Regelungen her, die den einzelnen Mieter vor Willkür schützen. Den Versuch in Berlin, solche Großunternehmen zu enteignen, darf man wohl als gescheitert betrachten, trotz eines eindeutigen Wählerwillens. Und die Neuwahlen in Berlin werden daran leider nichts ändern.

Barbara Jencik, Berlin

Gier und Kommerz

Zu jW vom 17.11.: »Prolet, bleib zu Hause!«

Eine WM in Katar – der (internationale) Fußball musste ja so enden. Denn überall dort, wo menschliche Gier keine Grenzen findet und Kommerz eskaliert, wird es früher oder später kriminell. Und wenn man bedenkt, dass – erneut und womöglich mehr denn je – unter dem D(r)eckmantel gesellschaftspolitischer Demokratisierungs- und Appeasementbemühungen mit dem angeblich »fairen« Sport massenhaft Ausbeutung und Tod hilfloser Sklavenarbeiter einhergehen, dann ist und bleibt ebendas ein weiterer ausgemachter Skandal, ein Megaskandal! Möglich gemacht durch die offensichtlich allmächtige, ebenso ignorante wie korrupte FIFA – inklusive der ihr mehrheitlich angeglichenen Mitgliedsverbände. Wie »glorreich« kann hiernach selbst das Erringen des Fußballweltmeistertitels überhaupt noch sein?

Matthias Bartsch, Lichtenau

Den Versuch in Berlin, solche große Wohnungsunternehmen zu enteignen, darf man wohl als gescheitert betrachten, trotz eines eindeutigen Wählerwillens. Und die Neuwahlen in Berlin werden daran leider nichts ändern.

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