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Aus: Ausgabe vom 19.11.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Technischer Rückschritt

Zu jW vom 15.11.: »Frieden? Nicht mit Biden«

Über die genaue Wortwahl im Gespräch zwischen Joseph Biden und Xi Jinping, über deren Mimik und Tonlage wird es wohl keine Aufklärung geben. Das ist ja auch gar nicht wichtig, weil diesem Gespräch keine Taten folgen werden. In dieser riesigen Propagandaschlacht geht völlig unter, wie die wahre Situation in den beiden Ländern aussieht. Die USA waren schon seit den 90er Jahren technologisch in das absolute Hintertreffen geraten. Ich hatte die Möglichkeit, in sogenannte Hightech à la USA und in deren »Wissenschaften« in meinem Fachgebiet Einblick zu bekommen. Es war unglaublich, wie rückschrittlich man dort ist. Die Produktivität wird lediglich über »Manpower« erreicht. Deshalb gehört Sklavenarbeit zum festen Bestandteil der US-amerikanischen Wirtschaft. Die Frickelfirmen aus dem Silicon Valley dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie nichts anderes als »Customizing« betreiben. Wirkliche Grundlagenforschung ist gar nicht mehr möglich, außer an den wenigen Eliteuniversitäten. Vor allen Dingen der Ansatz zur Grundlagenforschung ist ein Widerspruch. Es soll das Ei des Kolumbus in drei Monaten erfunden werden, klappt das nicht, lässt man die Sache einschlafen und probiert etwas Neues. Das hat nichts mit Systematik zu tun, aber viel mit Marketing, Täuschung und Windbeutelmanagement.

Die Volksrepublik China besitzt nun die Möglichkeit, in der Halbleiterherstellung aufgrund der anderen Herangehensweise an die Grundlagenprobleme und ohne den Druck der Aktienbesitzer neue Lösungen zu finden – da die meisten Halbleiter, welche früher in den USA gefertigt wurden, jetzt dort produziert werden. Sie rollen längst den ­Elektromobilmarkt auf, sickern in alle ­Lebensbereiche ein und haben auch die Möglichkeit, durch Massenarbeitsplätze genau solche Strukturen zu entwickeln, wie sie früher in der BRD als »Wirtschaftswunder« galten. Es besteht für die Volksrepublik und mit ihr befreundete Staaten gar kein Anlass, bindende Zusagen zu machen. Durch die Dummheit und Dekadenz der ­westlichen Staaten fallen ihnen die Früchte von selbst zu. Sie muss sie nur aufsammeln.

Hans-Joachim Wolfram, Sondershausen

Blamage

Zu jW vom 14.11.: »Westen täuscht vor«

(…) Hat Olaf Scholz doch den vietnamesischen Präsidenten zur Verurteilung Russlands aufgefordert und das mit der Bedrohung größerer Länder gegenüber kleineren begründet. Er hat dabei selbstverständlich vergessen, dass die BRD genau dieses unterlassen hat, als die USA das kleine Vietnam überfallen, in die Steinzeit zurückgebombt und seine Bewohner mit »Agent Orange« vergiftet haben – einem chemischen Entlaubungsmittel, das darüber hinaus auch noch in Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Bayer produziert wurde. Kann man sich als deutscher Kanzler noch mehr blamieren und peinlicher als Oberlehrer in die Geschichte eingehen?

Erich Rainer Kral, Potsdam

Unkonventionelle Kriegführung

Der Einschlag einer Rakete auf polnischem Boden kam genau zur richtigen Zeit während des G20-Gipfels – und passt genau zum Rezept der unkonventionellen Kriegführung (…). Wenn bei einer Auseinandersetzung (bei Krieg oder bei einem Aufstand) eine Pattsituation entsteht oder es sich zu lange hinzieht, dann erzeugt man eine wirksame Provokation oder eine Eskalation, wenn nötig unter falscher Flagge. So wie Februar 2014 auf dem Maidan, als von einem Hotel auf beide Gruppen geschossen – und so der Regierungssturz ermöglicht wurde.

Michael Seebach, Hamburg

Kritisch-solidarisch

Zu jW vom 15.11.: »›Hunderttausende Leben hätten gerettet werden können‹«

Karl Heinz Roths Einordnung der Covid-19-Pandemie als integralen Bestandteils der kapitalistischen Wirtschaftsweise und sein Hinweis auf die dramatische Dimension dieser Pandemie unterscheiden sich wohltuend von den Coronaleugnern. Kritisch sehe ich seine Aussagen zu China und zu »Zero Covid«. (…) Er sagte im jW-Interview dazu: »Hier haben linke Politik- und Sozialwissenschaftler an ihren Schreibtischen eine politische Strategie konzipiert, die sich China und andere harte Lockdownregimes zum Vorbild nahm.« Das ist schlicht unwahr. Tatsächlich nahmen wir uns ein Vorbild an der »Zero Covid«-Politik, wie sie in Kuba, Neuseeland, Singapur, Südkorea, Norwegen, zeitweilig Australien und Japan (bis zu Olympia) betrieben wurde. Wir plädierten für demokratisch begründete und von Gewerkschaften mitgetragene Lockdowns und sahen solche, die primär administrativ durchgesetzt wurden, kritisch. (…) Mit der chinesischen Covid-19-Politik setzen wir uns kritisch-solidarisch auseinander. Wenn Karl Heinz Roth zur Pandemiepolitik in China äußert, hier finde »ein für alle wahrnehmbarer Kampf gegen Windmühlen« statt, so ist dies stark verkürzt. Tatsachen sind: Hätte China sich »nur« an der deutschen Pandemiepolitik orientiert, dann hätte es dort bis heute 2,2 Millionen Coronatote gegeben (anstelle von 5.200). Hätte man sich so verhalten wie in den USA, dann wären mehr als vier Millionen Chinesinnen und Chinesen der Pandemie zum Opfer gefallen. Im übrigen hat das aktuelle Festhalten Chinas an einer tatsächlich harten »Zero Covid«-Politik auch etwas zu tun mit der demographischen Struktur (sehr hoher Anteil alter Menschen) und mit der unzureichenden Wirkung der chinesischen Impfstoffe gegen die Omikron-Variante. (…)

Winfried Wolf, Potsdam

Olaf Scholz hat selbstverständlich vergessen, dass die BRD eine Verurteilung unterlassen hat, als die USA Vietnam überfallen, in die Steinzeit zurückgebombt und seine Bewohner mit ›Agent Orange‹ vergiftet haben.

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