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Aus: Ausgabe vom 19.11.2022, Seite 8 / Feuilleton
Für die kubanische Revolution

»Tamara Bunke stellte Fragen, die weiterhin aktuell sind«

Am Sonnabend wäre »Tania la Guerillera« 85 Jahre alt geworden. Erinnerung an sie in Eisenhüttenstadt. Ein Gespräch mit Miriam Näther
Interview: Gitta Düperthal
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Tamara Bunke (1937–1967)

An diesem Sonnabend wäre Tamara Bunke, auch bekannt als »Tania la Guerillera«, 85 Jahre alt geworden. Die einstige Dolmetscherin Che Guevaras, die später auch in dessen Guerrilla aktiv war, wurde 1967 in Bolivien von der Regierungsarmee und dem US-Auslandsgeheimdienst CIA getötet. Was können wir aus ihrer Lebensgeschichte lernen?

Genau das wird Thema einer Veranstaltung an diesem Samstag sein, die das Kommunalpolitische Forum Land Brandenburg e. V. in Eisenhüttenstadt organisiert. Dort lebte sie einige Zeit, und wir werden in der Stadt ihre besondere Persönlichkeit würdigen. Zu Zeiten der DDR trugen viele Institutionen noch ihren Namen. Seitdem die DDR nicht mehr existiert, erinnert nichts mehr daran. Anlässlich ihres 85. Geburtstags eröffnete vergangene Woche eine Fotoausstellung zu ihrer Person. Unter den Eisenhüttenstädter Bürgerinnen und Bürgern gab es große Resonanz darauf. Denn viele erinnerten sich an sie – gerade ältere Menschen, die mit ihr zusammen die Schule besuchten oder im selben Wohnblock lebten.

Warum ist ihr politischer Kampf für heutige Generationen noch relevant?

Sie stellte Fragen, die weiterhin aktuell sind. Es ging ihr darum, einen Beitrag im Kampf gegen koloniale Abhängigkeit und für das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu leisten. Dafür steht sie bis heute. Mit ihrer persönlichen Biographie, die sehr international ist, kommt das authentisch herüber. Sie ist in Argentinien geboren. Ihre Eltern waren zur Zeit des deutschen Faschismus als Kommunisten politisch verfolgt worden und nach Südamerika ins Exil gegangen. Nach Gründung der DDR kehrten sie nach Deutschland zurück. Tamaras starke Verbundenheit zu Lateinamerika ließ sie Anfang der 60er Jahre an der Berliner Humboldt-Uni eine Gruppe zum politisch-kulturellen Austausch gründen.

Nachdem sie Che Guevara als Dolmetscherin in Leipzig kennengelernt hatte, ging sie 1961 nach Kuba, wo sie in Ministerien und im Frauenverband FMC arbeitete. Welche Gesellschaftsvisionen hatte sie für den Inselstaat?

Kuba war einst vor allem wirtschaftlich eine Marionette der USA. Der Sieg der Revolution 1959 zeigte, was alles möglich ist. Sie wollte aktiv am Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft mitwirken und dazu beitragen, die Ziele der Kubanischen Revolution umzusetzen: etwa die soziale Gerechtigkeit und die Überwindung der kapitalistischen Besitzverhältnisse. Durch die Verstaatlichung der Unternehmen wurden deren Werte in die Hände des Volkes zurückgeführt. Beispielhaft war zu sehen, wie ein Volk sich erhebt und Abhängigkeiten abschüttelt.

Es ist nach wie vor richtig, Ideale einer besseren Gesellschaft zu haben und diese auch weiterhin anzustreben. Diese Ideen auch in andere Regionen weiterzutragen entsprach Tamaras Werten und begründete ihre Entscheidung, später nach Bolivien zu gehen.

Welche Bedeutung hat Tamara Bunke als historische Persönlichkeit für die Kubanerinnen und Kubaner?

Sie steht zwar nicht in der ersten Reihe der kubanischen revolutionären Persönlichkeiten wie Fidel und Raúl Castro, Camilo Cienfuegos oder Che Guevara, aber sie ist bekannt. Einrichtungen sind nach ihr benannt: unter anderem die Tamara-Bunke-Schule, eine Grundschule in Mayabeque, die Cuba Sí als Soliprojekt unterstützt hat.

Was ist Ziel Ihrer Veranstaltung am Sonnabend, bei der auch der Dokumentarfilm »Tania la Guerrillera« gezeigt wird?

Es geht darum, Tamaras Wirken wieder ans Tageslicht zu befördern. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, teilzunehmen und sich zu erinnern. Vor Ort wird Oliver Rump, Professor der Museumskunde an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, sein. Er übergab im Jahr 2015 dem kubanischen Staat Teile des Nachlasses von Tamara für die Che Guevara gewidmete Gedenkstätte in Santa Clara. Die Wanderausstellung mit Fotos zum Thema ist auch noch bis 26. November in Eisenhüttenstadt zu sehen.

Miriam Näther ist Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft Cuba Sí in der Partei Die Linke

Veranstaltung in Eisenhüttenstadt: Sonnabend, Alte Ladenstr. 11, 15 Uhr

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