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Aus: Ausgabe vom 19.11.2022, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Tarifkampf

Konzertiertes Ergebnis

»Piloteinigung« in Metall- und Elektroindustrie erzielt: Steuerfreie Einmalzahlung und Lohnerhöhung von 8,5 Prozent über zwei Jahre
Von David Maiwald
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Tarifkonflikt beendet: Handschlag zwischen Gewerkschaftschef Zitzelsberger (l.) und Industriellenvertreter Marquardt (Ludwigsburg, 18.11.2022)

Er ist da, der »Pilotabschluss«. In der Nacht auf Freitag einigten sich die IG Metall (IGM) in Baden-Württemberg mit den Vertretern der Unternehmerverbände Gesamt- und Südwestmetall auf einen Tarifabschluss für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Die Einigung wird nun voraussichtlich in allen Tarifgebieten der Gewerkschaft zur Anwendung kommen. Der IGM-Vorstand hatte eine Einigung in Baden-Württemberg schon vorab als möglichen Musterabschluss für das Bundesgebiet gebilligt.

Bei einer Laufzeit von 24 Monaten sollen die Entgelte der Beschäftigten ab Juni 2023 um 5,2, ab Mai 2024 um weitere 3,3 Prozent – insgesamt also 8,5 Prozent – steigen. Außerdem sollen die von der Regierung als steuerfreie Einmalzahlungen in Aussicht gestellten 3.000 Euro von Betrieben als »Inflationsprämie« ausgezahlt werden, 1.500 Euro spätestens im Februar 2023 und 1.500 Euro spätestens ein Jahr darauf. Der Zeitpunkt kann in Betrieben anders vereinbart werden, im Januar sollen Beschäftigte jedoch mindestens 750 Euro erhalten. Eine »Energienotfallklausel« in der Einigung sieht zudem Gespräche über »Anpassungen zwischen den Tarifparteien« vor, sollte die Bundesregierung die Notfallstufe bei der Gasversorgung ausrufen oder einzelne Betriebe beim Unternehmerverband »Abweichungen von den Flächentarifverträgen (…) aufgrund von Produktionseinschränkungen infolge von Energieengpässen« beantragen.

IGM-Verhandlungsführer und Bezirksleiter Roman Zitzelsperger sprach am frühen Freitag morgen von einem »akzeptablen Kompromiss«. Die Beschäftigten erhielten nun »endlich« eine »dauerhafte prozentuale Entgelterhöhung«. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann, der das schwächelnde Wachstum der bundesdeutschen Wirtschaftsleistung in der Pressekonferenz auf den Rückgang im privaten Konsum zurückführte, nannte die Einigung einen »verantwortungsvollen Abschluss im Sinne der weiteren konjunkturellen Entwicklung«.

Die IGM hatte bei ihrer ursprünglichen Forderung von acht Prozent in zwölf Monaten bereits durchblicken lassen, dass man auf die von der Regierung in Aussicht gestellten Einmalzahlungen spekulierte. Dadurch kann der angesichts der Inflation von über zehn Prozent deutliche Reallohnverlust von 4,8 Prozent auf zwölf Monate konzertiert abgefedert werden.

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