75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Montag, 28. November 2022, Nr. 277
Die junge Welt wird von 2690 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 18.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Halali des Tages: Emmanuel Macron

Von Raphaël Schmeller
8_portrait.jpg
So besser nicht vor einem französischen Jäger auftauchen

Er wird jetzt etwas eingehegt, dieser schöne Sport, der nirgendwo in Europa so beliebt ist wie in Frankreich. Es gibt dort mehr als eine Million Jäger. (Zum Vergleich: In Deutschland sind es derzeit etwa 400.000). Die Franzosen haben sogar einen TV-Sender Namens Chasse et Pêche (Jagd und Angeln), der jeden Tag in 20 Sendestunden über nichts anderes berichtet. Das Programm ist dabei so aufgeteilt, dass in den geraden Uhrzeiten gejagt und in den ungeraden geangelt wird.

Bis 2019 gab es in Frankreich auch noch eine Partei mit dem Namen »Jagd, Angeln, Natur und Traditionen«. Die wurde aber mit Macrons Amtsantritt 2017 überflüssig. Denn Frankreichs Präsident ist ein großer Freund der Jagd. Der typische Grünrock entspricht auch genau seinem Wählertyp: konservativ und wohlhabend, über 60, weiß und männlich. Seinen 40. Geburtstag hatte Macron 2017 folgerichtig auf Schloss Chambord mit einer Jägertruppe gefeiert, die dem Präsidenten als Geburtsgeschenk ihre Beute präsentierte. Das gefiel Macron. Seitdem wurden die staatlichen Förderungen für den französischen Jagdverband von 27.000 auf 11,5 Millionen Euro pro Jahr angehoben.

Allerdings sieht die Mehrheit der Franzosen die Jagd kritisch. Nicht nur wegen des vielen Geldes. Macrons Hype hat auch dazu geführt, dass Spazierengehen, Joggen oder Pilzesammeln zu lebensbedrohlichen Wochenendaktivitäten wurden. Denn die französischen Jäger, deren Anzahl seit 2017 wieder kräftig steigt, sind alles andere als treffsicher. In diesem Jahr haben sie bereits drei Menschen getötet und 90 verletzt. Am Donnerstag stand zum Beispiel ein Jäger vor Gericht, der 2020 einen 25jährigen Holzhacker nach eigener Aussage »für ein Wildschwein gehalten« und erschossen hat.

Als Reaktion auf solche Fälle überlegt die Regierung nun, eine Alkoholhöchstgrenze für Jäger von 0,5 Promille wie beim Autofahren einzuführen – immerhin.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

Mehr aus: Ansichten