3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. January 2023, Nr. 24
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 12.11.2022, Seite 8 / Abgeschrieben

Vor den Atomkarren gespannt

imago0170748006h.jpg
Anti-Atomkraft-Demonstration in Berlin (Oktober 2022)

Zur Entscheidung des Bundestags über die Verlängerung der AKW-Laufzeiten bis April erklärte Armin Simon von der bundesweiten Antiatomorganisation »Ausgestrahlt«:

Die Zustimmung der Regierungskoalition zu längeren AKW-Laufzeiten ist ein schwerer Fehler. Die Laufzeitverlängerung weicht etablierte Sicherheitsstandards auf und ignoriert akute Sicherheitsmängel der Reaktoren. SPD und Grüne lassen sich vor den Atomkarren von FDP, CDU, CSU und AfD spannen. Dabei ist klar, dass diese den Streckbetrieb der Meiler bis April zum Türöffner einer weiteren Laufzeitverlängerung machen wollen. Der Atomausstieg ist in ernster Gefahr. Die AKW sind auch diesen Winter überflüssig, das hat der Stresstest gezeigt. Es gibt genügend Kraftwerke, genügend Strom und genügend Leitungen. Das Gerede von der angeblich bedrohten Netzstabilität ist fahrlässig und unseriös. Es ist erschreckend, wie selbst grüne Politiker*innen solche Märchen unhinterfragt weiterverbreiten.

Es ist ökonomischer, ökologischer und politischer Unsinn, Strom ins Ausland zu verkaufen, der mangels Leitungen gar nicht dorthin transportiert werden kann. Nur darin aber besteht das angebliche Netzstabilitätsproblem, auf das die Übertragungsnetzbetreiber im Stresstest hingewiesen haben. Es löst sich – mit oder ohne AKW – in Luft auf, wenn nur soviel Strom ins Ausland verkauft werden darf, wie auch Leitungen zur Verfügung stehen. Die Regierung sollte sich deshalb um die Stromexportregeln kümmern, anstatt den Atomausstieg aufzuweichen.

Die Organisation IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung) erklärte am Freitag zu CO2-Emissionen durch Militäraktivitäten:

Einer neuen Studie zufolge ist der CO2-Ausstoß des Militärs für ca. 5,5 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Wäre das globale Militär ein Land, hätte es damit den viertgrößten CO2-Fußabdruck der Welt – größer als der von Russland. Anlässlich des am Donnerstag erschienen Berichts von »Scientists for Global Responsibility« (SGR) und »Conflict and Environment Observatory« (CEOBS) fordert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW die deutsche Bundesregierung auf, sich auf der Klimakonferenz für einen Sonderbericht und eine Bewertung der Klimaauswirkungen von Krieg und Militär einzusetzen.

»Dass einer der wichtigsten Verursacher für die Klimakrise von den offiziellen Verhandlungen ausgespart wird und die Länder nicht dazu verpflichtet sind, die Emissionen ihres Militärs und der Rüstungsindustrie offenzulegen, ist inakzeptabel«, betont Angelika Claußen, Vorsitzende der IPPNW. Viele Daten werden gar nicht erst erhoben oder nicht transparent veröffentlicht, heißt es in dem Report. Dadurch entsteht eine signifikante Leerstelle, die den Kampf gegen die Klimakrise enorm erschwert. »Das Interessante an dem Report von CEOBS und SGR ist, dass sich die Berechnungen nur auf Friedenszeiten beziehen. Laufende Konflikte und Kriege bleiben wegen unzureichender Datenlage ausgespart. Das heißt, dass direkte Auswirkungen der Kriegführung, wie Brände von Öldepots und Wäldern, Schäden an der (fossilen) Infrastruktur und den Ökosystemen sowie Wiederaufbau und Gesundheitsfürsorge für Überlebende gar nicht eingerechnet wurden. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die berechneten 5,5 Prozent sogar eine sehr konservative Schätzung sind«, verdeutlicht Claußen.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

Ähnliche:

Startseite Probeabo