75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Thursday, 1. December 2022, Nr. 280
Die junge Welt wird von 2690 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 12.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Konkursverwalter des Tages: Elon Musk

Von Felix Bartels
8_portrait.JPG
Zählt die Chancen für Twitter durch: Elon Musk

Eigentlich eine Traumhochzeit. Links die Braut. Portal für Analphabeten, denen eh wurscht ist, wer außerdem noch redet. Ein auf Unübersichtlichkeit angelegtes System von stark begrenzten Tweets. Immerhin kann man dort, seit der Dienst 2017 das Zeichenlimit auf 280 angehoben hat, schon ganze Sätze schreiben.

Rechts der Bräutigam. Kennt sich aus mit heißer Luft. Schaumschläger und Evangelist. Gewann 2021 siebenmal in Folge den Award »Charaktermaske des Monats«. Den es leider nicht gibt, aber was macht das schon bei einem, dessen Reichtum kaum was mit realen Gewinnen zu tun hat und so ziemlich alles damit, dass man ihn an der Börse für einen Typen mit Zukunft hält? Bis zum Platzen der Blase zeigt sich der Philanthrop von seiner besten Seite.

Durchdrungen vom Gedanken, dem ersten US-Verfassungszusatz zum Recht zu verhelfen, kaufte er Twitter. Wollte dann nicht bezahlen, weil’s halt doch was kostet. Musste aber, weil Vertrag und so. Folglich veräußerte Musk milliardenschwere Tesla-Anteile: überbewertete Assets eines aufgeblasenen Unternehmens. Die Kunst, eine vollgepumpte Ente zu zerlegen, ohne dass die Luft dabei entweicht, beherrscht man nicht mal in Peking. Kein Wunder, dass Musk den Mars noch nicht besiedelt hat.

Direkt nach der Übernahme hatte er bereits die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Von Kündigungsschutz steht ja im ersten Verfassungszusatz auch nichts. In Musks Welt hat das Sinn: Die 3.700 Angestellten haben jetzt viel Zeit, daheim ihre Meinung über Elon Musk in die Welt zu blasen. Mit der Reichweite wird es aber schwierig, wenn Twitter aus der Welt verschwindet. Das hat Musk gestern selbst in die Welt geblasen. Wenn die Einnahmen nicht beträchtlich steigen, werde man pleite gehen. Hierzu sollen auch die Mitarbeiter vom Homeoffice ins Großraumbüro zurückkehren. Also die, die noch für Twitter arbeiten.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Tibor V. aus Hamburg (16. November 2022 um 18:02 Uhr)
    »Portal für Analphabeten, denen eh wurscht ist, wer außerdem noch redet. Ein auf Unübersichtlichkeit angelegtes System von stark begrenzten Tweets. Immerhin kann man dort, seit der Dienst 2017 das Zeichenlimit auf 280 angehoben hat, schon ganze Sätze schreiben.« So formuliert man abgehoben (…), um das eigene Vorurteil zu bedienen und ohne die beschriebene Materie ausreichend zu kennen. Man mag von sozialen Medien wie Twitter halten, was man will: Eines bieten sie auf jeden Fall – eine Kommunikationsplattform für einen unbegrenzten Austausch von Blödelei über Pöbelei bis Ernsthaftigkeit und Engagiertheit, eine unbegrenzte Themenvielfalt und eine enorme Bandbreite an Meinungen und Nutzern, zu denen schließlich auch linke Medien wie die junge Welt gehören. Die Nutzergemeinde daher pauschal als Analphabeten abzuqualifizieren, zeugt vor allem vom eigenen Twitter-Analphabetismus und von Arroganz. Wer bei Twitter von Unübersichtlichkeit redet, hat sich offenbar gar nicht erst die Mühe gemacht, alle Filtermöglichkeiten und Funktionen dieses Mediums zu entdecken. Wer nur die begrenzte Zeichenzahl von Tweets betont, kennt wohl keine Threads oder auch nicht die Links zu Artikeln und Quellen im Netz, die Twitter täglich zuhauf bietet. (…)

Mehr aus: Ansichten

Rosa-Luxemburg-Konferenz: Programm einsehen oder Tickets bestellen unter jungewelt.de/rlk