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Aus: Ausgabe vom 11.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Fehlplanung des Tages: Endlagerung

Von Arnold Schölzel
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Ob diese Tonnen wohl anstandlos eine Million Jahre lang halten? (Hannover, 1.2.2013)

Kapitalismus ist, wenn Züge schneller fahren, aber seltener ankommen, dafür die Fahrpreise steigen. Wenn die Industrie produktiver wird, aber gigantische Mengen Müll in Luft und Wasser verklappt, und die Profite steigen. Wenn Autos elektrisch fahren, aber Batteriegift ohne Entsorgungsmöglichkeit hinterlassen, und Autokonzerne märchenhafte Gewinne melden. Wenn die Biomasse der Insekten weltweit in 30 Jahren um 75 Prozent abnimmt und Bayer soeben verkündet, dass es mit dem wahrscheinlich krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat Milliarden Euro verdient hat. Eine Sternstunde des Kapitalismus aber ist, wenn schrottreife AKWs als Gelddruckmaschinen weiterlaufen und sich die Betreiber um die strahlende Hinterlassenschaft nicht kümmern müssen. Das macht der Staat – nur nicht allzusehr. Wer eine Atomindustrie hat, hat auch Chancen auf eigene Atombomben.

Also teilte das Bundesumweltministerium am Donnerstag mit, dass die Suche nach einem Endlager für deutschen Atommüll leider nicht, wie 2017 im »Standortauswahlgesetz« beschlossen, bis 2031 beendet werden kann. Das ergebe sich aus einem »Diskussionspapier« der »Bundesgesellschaft für Endlagerung« (BGE), wonach der vom Gesetz vorgegebene Zeitplan nicht zu halten sei. Der in Naturwissenschaften unfehlbare Bundestag hatte darin vorgeschrieben, dass sich »über den Nachweiszeitraum von einer Million Jahren« im Endlager nichts zu verändern hat. Physik und Geologie haben zu gehorchen, wenn das Parlament Naturgesetze und Zukunft festlegt. Am Donnerstag meinte der Ministeriumssprecher, das sei »ein hoher Anspruch und eine herausfordernde Aufgabe«.

Kapitalismus, wusste Karl Marx, entwickelt Technik und Kombination des Produktionsprozesses, indem er »zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter«. Bis beide nicht mehr zu finden sind.

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