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Aus: Ausgabe vom 09.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Zeit läuft ab

Kriegsorakel des US-Militärs
Von Jörg Kronauer
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Düstere Worte waren es, die Admiral Charles A. Richard, Kommandeur des U.S. Strategic Command, Mitte vergangener Woche äußerte und die jetzt auf dem Umweg über einige US-Militärplattformen auch den Weg in Nachrichtenmedien finden. Der Ukraine-Krieg? Der sei lediglich »die Aufwärmphase«, orakelte Richard. »Das große Ding« – gemeint ist der Konflikt zwischen den USA und China –, das komme mittlerweile näher, und es werde wohl nur noch kurze Zeit verstreichen, »bis wir vor Prüfungen stehen, vor denen wir lange nicht mehr gestanden haben«. Wie sich der Konflikt im Detail zuspitzen, um welche »Prüfungen« es sich also genau handeln werde, darüber ließ sich Richard nicht aus. Sein Strategic Command führt nichts Geringeres als die US-Nuklearstreitkräfte.

Warnungen vor einem großen, wohl auch nuklear eskalierenden Krieg zwischen den USA und China gibt es in den Vereinigten Staaten seit Jahren. Ex-NATO-Oberbefehlshaber James Stavridis hat einen solchen Krieg, um eine breite Debatte anzustoßen, in einem Anfang 2021 erschienenen Roman beschrieben, den er »2034« nannte. Von Militärkollegen ist er mit Blick auf den Titel kritisiert worden: Der Krieg werde wohl erheblich früher beginnen, äußerten manche – vielleicht 2026, womöglich auch schon 2024. Anfang August publizierte das Wall Street Journal einen langen Beitrag unter der Überschrift »Der kommende Krieg um Taiwan« – ohne Fragezeichen. Dass die Kriegsgefahr sehr real ist, darüber macht sich im US-Politestablishment wohl niemand Illusionen.

Was an Richards Äußerungen nun nicht wenige aufschrecken ließ, war genaugenommen etwas anderes. Wenn er sich »das Niveau unserer Abschreckung gegenüber China« ansehe, bekundete der US-Admiral, dann komme er zu dem Schluss: »Das Schiff sinkt so langsam.« Die Volksrepublik entwickle ihre militärischen Kapazitäten viel schneller, als die USA es täten. Der einst sicher geglaubte US-Vorsprung auf militärischem Gebiet – er schrumpfe mit hoher Geschwindigkeit dahin. Bei den Unterwasserfähigkeiten hätten die US-Streitkräfte weiterhin eindeutig die Nase vorn, sonst aber kaum noch. Es gelte nun, das Ruder in Sachen Rüstung schnell herumzureißen.

Was ist dran an den Äußerungen des Admirals? Nun, sogenannte War Games in Washington legen seit Jahren immer wieder nahe, die USA könnten einen Krieg gegen die Volksrepublik nicht mehr gewinnen. Bei bestimmten Waffengattungen, etwa bei Hyperschallraketen, liegt China schon heute vorn. Dass Richard ein höheres Tempo bei der Aufrüstung fordert, gehört zu seinem Job. Nur: Wer einen großen Krieg für wahrscheinlich, vielleicht gar für unvermeidlich hält – und das tut so mancher in Washington –, wird ihn zu einem Zeitpunkt suchen, zu dem er wenigstens noch teilweise militärisch überlegen ist. Hat Richard recht, dann ist das bei den Vereinigten Staaten nicht mehr lange der Fall. Der Zeitpunkt, den heißen Machtkampf um die globale Hegemonie zu entscheiden, rückt näher.

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  • Leserbrief von Peter Richartz aus Solingen und Armenien (11. November 2022 um 17:16 Uhr)
    Düstere Worte waren es, die Admiral Charles A. Richard, Kommandeur des U.S. Strategic Command, Mitte vergangener Woche äußerte und die jetzt auf dem Umweg über einige US-Militärplattformen auch den Weg in Nachrichtenmedien finden. Der Ukraine-Krieg? Der sei lediglich »die Aufwärmphase«, orakelte Richard. »Das große Ding« – gemeint ist der Konflikt zwischen den USA und China –, das komme mittlerweile näher, und es werde wohl nur noch kurze Zeit verstreichen, »bis wir vor Prüfungen stehen, vor denen wir lang nicht mehr gestanden haben«. Wie sich der Konflikt im Detail zuspitzen, um welche »Prüfungen« es sich also genau handeln werde, darüber ließ sich Richard nicht aus. Sein Strategic Command führt nichts Geringeres als die US-Nuklearstreitkräfte.
    Warnungen vor einem großen, wohl auch nuklear eskalierenden Krieg zwischen den USA und China gibt es in den Vereinigten Staaten seit Jahren. Ex-NATO-Oberbefehlshaber James Stavridis hat einen solchen Krieg, um eine breite Debatte anzustoßen, in einem Anfang 2021 erschienenen Roman beschrieben, den er »2034« nannte. Von Militärkollegen ist er mit Blick auf den Titel kritisiert worden: Der Krieg werde wohl erheblich früher beginnen, äußerten manche – vielleicht 2026, womöglich auch schon 2024. Anfang August publizierte das Wall Street Journal einen langen Beitrag unter der Überschrift »Der kommende Krieg um Taiwan« – ohne Fragezeichen. Dass die Kriegsgefahr sehr real ist, darüber macht sich im US-Politestablishment wohl niemand Illusionen.
    Was an Richards Äußerungen nun nicht wenige aufschrecken ließ, war genaugenommen etwas anderes. Wenn er sich »das Niveau unserer Abschreckung gegenüber China« ansehe, bekundete der US-Admiral, dann komme er zu dem Schluss: »Das Schiff sinkt so langsam.« Die Volksrepublik entwickle ihre militärischen Kapazitäten viel schneller, als die USA es täten. Der einst sicher geglaubte US-Vorsprung auf militärischem Gebiet – er schrumpfe mit hoher Geschwindigkeit dahin. Bei den Unterwasserfähigkeiten hätten die US-Streitkräfte weiterhin eindeutig die Nase vorn, sonst aber kaum noch. Es gelte nun, das Ruder in Sachen Rüstung schnell herumzureißen.
    Was ist dran an den Äußerungen des Admirals? Nun, sogenannte War Games in Washington legen seit Jahren immer wieder nahe, die USA könnten einen Krieg gegen die Volksrepublik nicht mehr gewinnen. Bei bestimmten Waffengattungen, etwa bei Hyperschallraketen, liegt China schon heute vorn. Dass Richard ein höheres Tempo bei der Aufrüstung fordert, gehört zu seinem Job. Nur: Wer einen großen Krieg für wahrscheinlich, vielleicht gar für unvermeidlich hält – und das tut so mancher in Washington –, wird ihn zu einem Zeitpunkt suchen, zu dem er wenigstens noch teilweise militärisch überlegen ist. Hat Richard recht, dann ist das bei den Vereinigten Staaten nicht mehr lange der Fall. Der Zeitpunkt, den heißen Machtkampf um die globale Hegemonie zu entscheiden, rückt näher.
    Europäische Bürger sollten also dringend den amerikanischen Politikern im Kapitol auf die Pelle rücken – sie spielen aus machtpolitischen Gründen mit unser aller Leben und müssen (!) gestoppt werden!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Oettern ( 9. November 2022 um 14:09 Uhr)
    Es geht hier nicht um Pillepalle oder blödsinnige Gedankenspiele einiger Durchgeknallter. Es geht schlichtweg um die Fortexistenz der Menschheit. Ein Entscheidungskrieg zweier Atommächte ist ohne letztendlichen Einsatz von Atomwaffen nicht denkbar. Der Einsatz dieser Waffen aber wäre das Ende der Menschheit. Wer jetzt nicht schreit und handelt, geht den Weg in den Untergang freiwillig mit. Diesen Leuten muss die Verfügungsgewalt über unser aller Leben aus der Hand geschlagen werden. Denn jedes Nichtstun hieße, sich mit dem kollektiven Selbstmord abgefunden zu haben .
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam ( 8. November 2022 um 21:06 Uhr)
    Wer immer noch nicht begriffen hat, wer der schlimmste Feind der menschlichen Zivilisation ist, der sollte nach dem Lesen des Artikels endlich eines Besseren belehrt sein. Wenn man dieses Land gewähren lässt, dann hat das über Jahrmillionen der Evolution entstandene Leben auf dem Planeten Erde keine Chance. Da allerdings verbrecherische Regierungen, vor allem in Europa, das kriminelle US-Regime stützen, ist die Wahrscheinlichkeit einer rigorosen Änderung der Politik sehr gering. Egal, wer im US-Zweiparteiensystem gerade die Nase vorn hat. Der globale Machtanspruch und die damit drohende Gefahr eines Nuklearkrieges steht nicht zur Disposition, obwohl mittlerweile jeder Ungebildete, und davon gibt es zunehmend viele, wissen müsste, dass es danach weder Gewinner noch Überlebende geben wird.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Reinhard W. aus Hamburg ( 9. November 2022 um 17:12 Uhr)
      Die Führer der freien Welt und ihr Umfeld leben abgeschottet von existentiellen Problemen. Es gibt nichts, was sie nicht bekommen können. Und deshalb glauben sie, allen anderen geht es genauso. Die wissen nicht, wie es sich anfühlt, wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist. Alle, die ihren Lebensstandard, den sie als völlig normal ansehen, nicht haben, müssen demzufolge faule Drückeberger sein, denen es nicht besser geschieht. Wenn kein Brot da ist, esst halt Kuchen. Da sie keinem ernsthaften Stress ausgesetzt sind, ist ihnen auch nicht verständlich, dass Krankenhauspersonal mit 60 ausgebrannt ist. Die wissen überhaupt nicht, wovon das Volk redet …

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