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Aus: Ausgabe vom 07.11.2022, Seite 2 / Ausland
Keine weitere Aufrüstung

Abkehr von NATO-Kurs gefordert

Keine weiteren Waffen: Zehntausende Kriegsgegner demonstrieren in Italien
Von Gerhard Feldbauer
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Deutliche Ansage: Frieden statt immer weitergehender Aufrüstung (Rom, 5.11.2022)

Italienische Kriegsgegner sind erwacht und fordern einen »sofortigen Waffenstillstand«, um den »Konflikt in der Ukraine zu beenden«. Dafür gingen am Sonnabend Zehntausende von Rom bis Mailand, von Turin bis Neapel unter Fahnen mit der stilisierten weißen Taube Picassos und dem Gesang des legendären Partisanenliedes »Bella Ciao« auf die Straßen. Nach Angaben der Organisatoren mehr als 100.000 Menschen, laut Polizei rund 40.000. Veranstalter waren die Gewerkschaften und mehr als 500 Organisationen, Verbände und Gruppen. Darunter das Disarmament Network, der größte Kulturverein ARCI und der Partisanenverband ANPI, deren Aufrufen Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten folgten – von Christen und Pazifisten über Grüne und Anhänger der Sternepartei M5S bis zu Sozialdemokraten und Kommunisten.

Während in Mailand auf einer Kundgebung der Zentrumspartei Azione etwa 5.000 Menschen auch Transparente »gegen die russische Aggression« zeigten, dominierten in Rom Plakate gegen die NATO und mit Forderungen nach dem Ende des Krieges in der Ukrai­ne, für ein »Europa des Friedens«, verbunden mit dem Appell an die EU, ihre Mitglieder sowie die Vereinten Nationen, »die Verantwortung für Verhandlungen zu übernehmen«. In der Hauptstadt führten die katholische Gemeinschaft Sant’Egidio und Pfadfinder gemeinsam mit Gewerkschaftern eine Prozession an.

Im Handschlag stand der M5S-Chef und frühere Premier Giuseppe Conte zusammen mit dem Vorsitzenden der CGIL-Gewerkschaft, Maurizio Landini, auf der Tribüne und verkündete: Wir sind »die schweigende Mehrheit des Landes«, die Friedensverhandlungen fordert. Weiter sprach er eine Warnung an den neuen Verteidigungsminister Guido Crosetto von den faschistischen Fratelli d'Italia aus. Er solle es nicht wagen, »mehr Waffen in die Ukrai­ne zu schicken, ohne das Parlament zu durchlaufen«. Landini rief auf zum »Verzicht auf den Krieg, weil das Risiko eines nuklearen Konflikts real ist«.

Dem an einem Protestmarsch teilnehmenden Sekretär des sozialdemokratischen Partito Democratico und Exregierungschef Enrico Letta schlugen »Kriegstreiber«-Rufe entgegen. Im Anschluss erklärte er dennoch: »Es war richtig, dort zu sein, auch wenn es kleinere Proteste gab.« Es sei eine große Demonstration mit den richtigen Worten gewesen.

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  • Leserbrief von Michael Meyer ( 9. November 2022 um 12:59 Uhr)
    Der teutsche Michel ist anscheinend noch nicht aufgewacht oder folgt zu sehr der pausenlos dreinhämmernden Propaganda der Qualitätsmedien. Nun, Gas und Strom sollen ja irgendwie bezahlt werden, die Regierung hilft und lässt uns nicht in der Kälte frieren (wer die Gaspipelines gesprengt hat, wird nicht erwähnt und was der teutsche Michel auch sonst nicht weiß – gefälligst nicht zu wissen hat – macht ihn ohnehin nicht heiß). Es wird dank gefüllter Gasspeicher warm bleiben daheim, was zu Futtern gibt es auch günstig – erst das Fressen und dann die träge Moral. Und überhaupt: Nur 1.000 Menschen bei dieser Demo, also das geht ja gar nicht. Das sind bestimmt Rechtsradikale, Leugner und Verschwörer, gegen die sich die Innenminister:innen (wir wollen ja korrekt bleiben, gell) der Länder gemeinsam wehren werden. Also da will man ja nicht auffallen. Sollen doch die anderen. Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andere an. Und außerdem ist bald Weihnachten, das Fest der Lieben. Wer Spuren von Ironie findet …
  • Leserbrief von Peter Herrmann aus Berlin ( 7. November 2022 um 18:01 Uhr)
    Sehr geehrte Redaktion ,Ich freue mich, dass die junge Welt regelmäßig über Aktivitäten gegen Krieg und für den Frieden berichtet. Umso mehr erstaunt mich, dass in der Ausgabe vom 7. November mit keinem Wort über die Protestaktion am 5. November in Berlin informiert wird. War die Teilnehmerzahl (rund 1.000) zu gering oder passen die Redner, Frau Gabriele Gysi und Dieter Dehm, nicht ins vorgegebene Muster?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg ( 7. November 2022 um 10:25 Uhr)
    Dank an Gerhard Feldbauer für diese ermutigende Nachricht aus Italien.

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