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Aus: Ausgabe vom 02.11.2022, Seite 12 / Thema
Weltpolitik

Das Ende westlicher Dominanz

Russland will ein System gleichberechtigter Zivilisationen und ein Währungssystem jenseits von Dollar und Euro schaffen
Von Wladimir Putin
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Der Westen als Zerstörer kultureller, sozialer, politischer und zivilisatorischer Vielfalt? Coca-Cola-Banner hinter Lenin-Statue in Russland, Juni 2018

Im Folgenden dokumentieren wir – redaktionell gekürzt – die Rede, die der russische Präsident Wladimir Putin auf der diesjährigen Waldai-Konferenz am 27. Oktober gehalten hat. (jW)

Ich möchte mit einer Überlegung beginnen, die Ihnen vielleicht ungewöhnlich vorkommt. Aber die heutigen Ereignisse haben die weltweiten ökologischen Probleme in den Hintergrund gedrängt, und genau deshalb möchte ich sie an den Anfang stellen. Fragen der Klimaveränderungen stehen nicht mehr ganz oben auf der Tagesordnung. Aber diese grundlegenden Herausforderungen an die Weltgemeinschaft sind nirgendwohin verschwunden, im Gegenteil, sie wachsen an.

Eine der gefährlichsten Folgen der Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts ist die Verminderung der Biodiversität. Und damit bin ich bei meinem Hauptthema. Denn ist die kulturelle, soziale, politische und zivilisatorische Vielfalt vielleicht weniger wichtig als die biologische? Freilich ist das Streben nach Vereinfachung, nach der Auslöschung aller Unterschiede geradezu zum Inbegriff des heutigen Westens geworden.

Was steht hinter dieser Einebnung? Vor allem ist es die Tatsache, dass das schöpferische Potential des Westens aufgebraucht ist und er deshalb versucht, die freie Entwicklung anderer Zivilisationen zu zügeln und möglichst zu blockieren. Das hat natürlich auch seine unmittelbar geschäftliche Dimension: Indem der Westen allen seine Werte, seine Konsumgewohnheiten aufzwingt, indem er alles vereinheitlicht, versuchen unsere Opponenten – wenn ich sie mal zurückhaltend so bezeichnen darf –, ihre eigenen Absatzmärkte zu erweitern. Es ist kein Zufall, dass der Westen genau seine eigene Weltanschauung und Kultur für universell hält.

Vereinheitlichung von oben

Ich will an dieser Stelle ein Zitat aus der berühmten Harvard-Rede von Alexander Solschenizyn aus dem Jahre 1978 anführen. Er hat damals gesagt, für den Westen sei die »fortwährende Verblendung der Überlegenheit« kennzeichnend, die »die Vorstellung unterstützt, dass alle wesentlichen Gemeinschaften auf unserem Planeten sich nach den heutigen westlichen Vorstellungen entwickeln oder zu ihnen hinstreben müssten«. Das hat er 1978 gesagt. Hat sich seitdem irgend etwas geändert?

In den seither vergangenen fast 50 Jahren hat diese Verblendung, von der Solschenizyn gesprochen hat – und sie ist ihrem Wesen nach offen rassistisch und neokolonial –, absolut widerliche Formen angenommen, insbesondere seit die sogenannte unipolare Welt verkündet wurde. Dabei ist die Überzeugung von der eigenen Unfehlbarkeit ein sehr gefährlicher Zustand: Von ihr ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Streben der »Unfehlbaren« und »Auserwählten«, alles zu vernichten, was ihnen nicht passt. Oder, wie sie es auszudrücken belieben, es »abzuschaffen».

Nicht einmal auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, als sich die Systeme auf Leben und Tod gegenüberstanden, fiel es irgend jemandem ein, der Kultur, Kunst und Wissenschaft anderer Völker oder auch des eigenen Gegners das Existenzrecht abzusprechen. Ja, es gab bestimmte Einschränkungen für Verbindungen auf den Gebieten Bildung und Wissenschaft, Kultur und leider auch Sport. Aber man studierte den Konkurrenten und achtete ihn damit implizit auch. Für die Zukunft sollten Grundlagen für gesunde und fruchtbringende Beziehungen gewahrt bleiben.

Und was haben wir heute? Die Nazis haben Bücher verbrannt, und heute maßen sich die westlichen »Vertreter von Liberalismus und Fortschritt« an, Dostojewski und Tschaikowski zu verbieten. Die sogenannte Cancel Culture, die Kultur des Ausschlusses, ist in Wahrheit der Ausschluss der Kultur. Sie versucht, alles Lebendige und Kreative auszulöschen, sie versucht, das freie Denken kleinzuhalten, und macht vor keinem Gebiet halt: weder der Wirtschaft noch der Politik oder der Kultur.

Die liberale Kultur hat sich heute zur Unkenntlichkeit verändert. Wenn der klassische Liberalismus ursprünglich forderte, dass jeder tun und lassen könne, was ihm beliebe, haben die Liberalen im 20. Jahrhundert entdeckt, dass die »offene Gesellschaft« ihre Feinde habe und dass die Freiheit solcher Feinde, sich auszudrücken, eingeschränkt oder abgeschafft gehöre. Heute sind wir an dem absurden Punkt angelangt, dass jeder alternative Denkansatz als Umsturzpropaganda und Bedrohung für die Demokratie dargestellt wird. Das ist heute die Denkweise unserer westlichen Gegner. Was ist das, wenn nicht die westliche Cancel Culture?

Das westliche Modell der Globalisierung beruht genau auf Vereinheitlichung von oben, auf finanziellen und technischen Monopolen, auf der Verwischung aller Unterschiede egal welchen Inhalts. Das ist ein im Kern neokoloniales Modell. Der Zweck war natürlich nur allzu klar: es ging darum, die unwidersprochene Vorherrschaft des Westens in der Weltwirtschaft und globalen Politik aufrechtzuerhalten und sich selbst die natürlichen und finanziellen, die geistigen und personellen Ressourcen des ganzen Planeten zu unterwerfen. Dazu gab es die ideologische Sauce der sogenannten neuen globalen Interdependenz.

Aber kaum begannen auch andere Akteure, Vorteile aus der Globalisierung zu ziehen – vor allem die großen Staaten Asiens –, da sagte der Westen »Kommando zurück« und änderte wesentliche Regeln, die er zuvor selbst aufgestellt hatte. Vergessen waren die geheiligten Prinzipien des freien Handels, der wirtschaftlichen Öffnung, des gleichberechtigten Wettbewerbs, sogar das Eigentumsrecht geriet in Vergessenheit. Wenn es zu ihrem Vorteil gereicht, ändern diese Leute ihre eigenen Prinzipien von heute auf morgen.

Die westlichen Ideologen und Politiker haben der Welt viele Jahre lang gepredigt, es gebe keine Alternative zur Demokratie. Aber sie meinten damit einzig ihre, die westliche, liberale Demokratie. Alle sonstigen Formen der Volksherrschaft haben sie mindestens verachtet. Auch das kennen wir schon seit der Kolonialzeit: Alle außer sich selbst hielten die Herrenvölker für zweitrangig, sich selbst aber für etwas Besonderes. Das geht seit Jahrhunderten so, bis heute.

Nur, dass heute die überwältigende Mehrheit der Weltgemeinschaft Demokratie und Gleichberechtigung auch in internationalen Angelegenheiten verlangt und autoritäre Diktate einzelner Staaten oder Staatengruppen zurückweist. Ist das nicht die Übertragung der Prinzipien der Volksherrschaft aus dem Innern des staatlichen Lebens auf die internationalen Beziehungen? Der Westen nennt das eine Untergrabung der liberalen Weltordnung, die auf Regeln gestützt sei, er setzt Wirtschafts- und Handelskriege in Gang, Sanktionen, Boykotts, bunte Revolutionen und allerlei Staatsstreiche.

Einer dieser Staatsstreiche hat 2014 in der Ukraine zu tragischen Folgen geführt. Sie haben ihn unterstützt und sich sogar gerühmt, wieviel Geld sie dafür ausgegeben haben. Sie sind unverschämt geworden. Den iranischen General Kassem Soleimani haben sie anvisiert und umgebracht. Wie auch immer man zu Soleimanis Person steht – er war doch eine offizielle Person eines anderen Staates! Sie haben ihn auf dem Territorium eines Drittlandes ermordet und ihre Täterschaft nicht einmal verheimlicht. Ja, wo leben wir denn?

Das ist der Bankrott des neoliberalen Modells der Weltordnung à la USA. Sie können nichts Positives mehr aufbauen, sie haben der Welt nichts mehr anzubieten außer die Fortdauer ihrer Vorherrschaft.

Dialog der Zivilisationen

Ich bin davon überzeugt, dass wirkliche Demokratie in einer multipolaren Welt vor allem voraussetzt, dass jedes Volk – nochmals: jedes Volk, jede Gesellschaft, jede Zivilisation – das Recht hat, den eigenen Weg zu wählen, das eigene sozioökonomische System. Wenn die USA oder die Staaten der EU dieses Recht haben, dann steht es auch den Ländern Asiens, den islamischen Staaten, den Monarchien des Persischen Golfs und allen anderen Staaten zu. Und natürlich auch uns, Russland, und niemand wird uns diktieren, nach welchen Prinzipien wir unsere Gesellschaft aufzubauen haben.

Die Entwicklung muss sich auf den Dialog der Zivilisationen zubewegen und sich auf geistige und moralische Werte stützen. Jede Zivilisation hat ihr eigenes Bild vom Menschen und von der Natur – aber das ist oft nur ein vordergründiger Unterschied, alle Kulturen gehen von der Würde und dem geistigen Wesen des Menschen aus. Ein solches gemeinsames Fundament ist außerordentlich wichtig, und nur auf dieser Grundlage können wir alle eine Zukunft aufbauen.

Traditionelle Werte sind nicht irgendein fixierter Kanon von Forderungen, an die sich alle zu halten haben. Sie unterscheiden sich von den sogenannten neoliberalen Werten genau dadurch, dass jede dieser Wertordnungen einzigartig ist, weil sie sich aus den Traditionen einer konkreten Gesellschaft heraus entwickelt hat, aus ihren Kulturen und historischen Erfahrungen. Deshalb wäre es völlig falsch, die einen traditionellen Werte über die anderen zu stellen. Man muss sie einfach gegenseitig re­spektieren, weil sie über Jahrhunderte von den einzelnen Nationen so gewählt worden sind.

Die Besonderheiten von Völkern und Zivilisationen zu achten ist im wohlverstandenen Interesse aller. Auch des sogenannten Westens selbst. Denn wenn er seine Vorherrschaft verliert, wird er sich in einer globalen Minderheitsposition wiederfinden und genau auf diesen Respekt für seine kulturelle Spezifik angewiesen sein. Ich möchte betonen, auch dieses Recht des Westens auf seine kulturelle Spezifik muss gewahrt bleiben. Aber gemeinsam mit den Rechten aller anderen Völker.

Wenn die westlichen Eliten glauben, ihren eigenen Völkern und Gesellschaften in meinen Augen seltsame neumodische Tendenzen wie die Existenz von Dutzenden von Gendern und Gayparaden einimpfen zu müssen – sollen sie es tun. Aber sie haben kein Recht darauf, von anderen zu verlangen, dass sie diesen Weg ebenfalls einschlagen. Die Welt ist ihrer Natur nach vielfältig, und alle Versuche des Westens, alle über einen Kamm zu scheren, sind zum Scheitern verurteilt.

Russland ist eine selbständige und eigenständige Zivilisation, es hat sich nie als Feind des Westens definiert und tut dies auch heute nicht. Amerikanophobie, Anglophobie, Frankophobie oder Germanophobie sind genau solche Formen des Rassismus wie Russophobie und Antisemitismus.

Aber wir müssen uns klarmachen, dass es zwei Gestalten des Westens gibt, mindestens zwei. Den Westen der traditionellen, überwiegend christlichen, inzwischen aber wegen der zahlreichen islamischen Immigranten auch muslimischen Werte, der Freiheit, des Patriotismus, einer überreichen Kultur. Dieser Westen steht uns in vielem nahe, auch wegen unserer gemeinsamen Wurzeln in der Antike. Auf der anderen Seite gibt es einen weiteren Westen, den aggressiven, kosmopolitischen und neokolonialen, der als Werkzeug der neoliberalen Eliten auftritt. Mit dem Diktat dieses zweiten Westens wird sich Russland niemals abfinden.

Als ich 2000 zum Präsidenten gewählt wurde, war ich damit konfrontiert, welchen Preis wir für die schließlich gelungene Vernichtung des Terrornests im Nordkaukasus zu zahlen hatten – eines Terrornests, das der Westen damals fast schon offen unterstützte. Als wir dann die Lage stabilisiert hatten, haben wir beschlossen, nicht zurückzublicken, nicht den Beleidigten zu spielen, sondern auf unsere Partner auch unter denen zuzugehen, die zuvor offen gegen uns gearbeitet hatten. Wir waren entschlossen, mit allen, die dazu bereit waren, Arbeitsbeziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Vorteils und gegenseitiger Achtung aufzubauen.

Unsere Botschaft war damals: Hören wir auf, einander als Feinde zu betrachten, leben wir in guter Nachbarschaft oder sogar Freundschaft, reden wir miteinander, stärken wir das Vertrauen und damit auch den Frieden. Uns war klar, wie schwierig diese Annäherung sein würde, aber wir haben es versucht.

Und was haben wir dafür bekommen? Ein »Nein« auf allen wesentlichen Feldern der eventuellen Zusammenarbeit. Der Druck auf uns wuchs ständig an, und es wurden Spannungsherde entlang unserer Grenzen geschaffen. Mit welchem Ziel wohl? Natürlich ging es darum, Russland abhängiger und beeinflussbarer zu machen. Russland sollte zum Instrument für die Erreichung der eigenen geopolitischen Ziele des Westens gemacht werden.

Gleiche Rechte für alle

Russland fordert den Westen und seine Eliten nicht heraus. Russland besteht einfach auf seinem Recht, zu existieren und sich eigenständig zu entwickeln. Dabei streben wir nicht an, selbst ein Hegemon zu werden. Russland schlägt nicht vor, die Monopolarität durch eine Bi- oder Tripolarität zu ersetzen und die Vorherrschaft des Westens durch die Dominanz Asiens, des Nordens oder des Südens zu ersetzen. Das würde nur in neue Sackgassen führen. Vor allem sind wir der Meinung, dass die neue Weltordnung auf dem Gesetz und dem Recht aller Staaten beruhen muss, sich frei, selbständig und gerecht zu entwickeln.

Das gilt auch für die Weltwirtschaft und den internationalen Handel. Auch sie müssen gerechter und offener werden. Russland hält es für unausweichlich, neue internationale Finanzplattformen zu entwickeln, unter anderem für Zwecke internationaler Abrechnungen. Solche Plattformen dürfen nicht einer nationalen Gesetzgebung unterliegen, sie müssen sicher, unpolitisch und automatisiert sein und dürfen nicht von einem einzigen Entscheidungs- oder Managementzen­trum abhängen. Ist so etwas möglich? Natürlich ist es möglich. Es wird nicht einfach, es müssen die Bemühungen vieler Länder gebündelt werden, aber möglich ist es.

Ein solches neues Weltfinanzsystem schließt die Missbrauchsmöglichkeiten der jetzigen globalen Finanzinfrastruktur aus. Es erlaubt, effizient, bequem und sicher internationale Geschäfte ohne den Gebrauch des Dollars oder anderer sogenannter Reservewährungen abzurechnen. Zumal die USA ihren Dollar ungeschminkt als Waffe einsetzen. Damit haben sie und der Westen insgesamt die Idee internationaler Währungsreserven diskreditiert. Erst haben sie sie durch die von ihnen ausgelöste Inflation entwertet, und dann haben sie sich – zappzarapp – unsere Auslandsguthaben gleich in die eigene Tasche gesteckt.

Es ist klar, dass wir auch an einem ehrlichen und offenen wissenschaftlich-technologischen Austausch interessiert sind. Der Nutzen solchen Austauschs muss der Mehrheit zugute kommen, nicht einigen wenigen superreichen Unternehmen. Anders als heute. Wenn der Westen anderen Ländern Arzneimittel oder Saatgut verkauft, befiehlt er gleichzeitig, die nationale Pharma- oder Saatgutbranche zu zerschlagen. Ich weiß, wovon ich rede. Als ich Ministerpräsident war, habe ich verstanden, dass es reicht, den eigenen Markt für bestimmte Importwaren zu »öffnen«, um den lokalen Produzenten das Überleben unmöglich zu machen. So bauen sie ihre Handelsbeziehungen auf, so erobern sie Märkte und Ressourcen, und Länder verlieren ihr technologisches und wissenschaftliches Potential. Das ist kein Fortschritt, das ist Versklavung, die Degradierung der »geöffneten« Volkswirtschaften auf ein primitives Niveau.

Ich möchte es nochmals unterstreichen: Souveränität und selbständige Entwicklung bedeuten weder Isolation noch Autarkie. Im Gegenteil setzen sie eine aktive Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil voraus, aber zu gerechten und gleichberechtigten Bedingungen. Wenn die liberale Globalisierung die Entindividualisierung bedeutet, das Aufdrängen des westlichen Modells für die ganze restliche Welt, dann bedeutet im Gegenteil die Politik, die wir vorschlagen, die Erschließung des Potentials jeder Zivilisation im Interesse des Ganzen und des gemeinsamen Vorteils. Wenn der Globalismus in letzter Instanz immer auf ein Diktat hinausläuft, dann die Inte­gration auf die gemeinsame Erarbeitung gemeinsamer Strategien, die für alle von Vorteil sind.

Deshalb hält es Russland für wichtig, aktiver an der Schaffung von Mechanismen zu arbeiten, um wirtschaftliche Großregionen aufzubauen, in denen sich Nachbarländer mit ihren Volkswirtschaften, Ressourcen, ihrer Infrastruktur und ihren Sozialsystemen gegenseitig ergänzen. Solche Großräume sind ihrem Wesen nach die Grundlage der multipolaren Weltordnung, ihre wirtschaftliche Grundlage. Ihr Dialog wird die wirkliche Einheit der Menschheit hervorbringen, die wesentlich komplizierter, vielschichtiger und eigenständiger sein wird als die vereinfachten Vorstellungen mancher westlicher Ideologen.

Die Einheit der Menschheit entsteht nicht durch Vorschriften wie »Mach es so« oder »Sei wie wir«. Sie bildet sich heraus unter Berücksichtigung der Meinungen aller Beteiligten und bei Wertschätzung der Identität jeder einzelnen Gesellschaft, jedes Volkes. Ich möchte daran erinnern, dass die westliche Zivilisation nicht die einzige in unserem gemeinsamen euroasiatischen Raum ist. Mehr noch, die Mehrheit der Bevölkerung Eurasiens lebt in dessen Osten – dort, wo die ältesten Zivilisationen der Menschheit entstanden sind.

Ein selbstverständlicher Teil des großen Eurasiens könnte auch dessen westlicher Rand sein: Europa. Aber dafür steht vielen seiner Führungskräfte die Überzeugung im Wege, dass Europäer »besser« seien als andere und dass es unter ihrer Würde sei, an irgendwelchen Projekten von gleich zu gleich mit den übrigen Beteiligten zu arbeiten. Bei diesem Hochmut merken sie nicht, dass sie selbst schon an der Peripherie eines anderen stehen, im Grunde bereits Vasallen sind und oft nicht einmal um ihre Meinung gefragt werden.

Der Zerfall der Sowjetunion hat auch das Gleichgewicht der Geopolitik zerstört. Der Westen fühlte sich als Sieger und verkündete die unipolare Weltordnung, in der einzig sein Willen, seine Kultur und seine Interessen eine Existenzberechtigung hätten. Heute geht diese historische Periode grenzenloser Dominanz des Westens in der Weltpolitik zu Ende und mit ihm die unipolare Welt. Wir stehen an einem historischen Scheideweg: vor uns liegt wahrscheinlich das gefährlichste, am wenigsten vorhersehbare und gleichzeitig wichtigste Jahrzehnt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Westen ist unfähig, die Menschheit allein zu leiten, obwohl er es verzweifelt versucht. Aber die Mehrheit der Völker der Welt will diese Vorherrschaft schon nicht mehr hinnehmen. Das ist der Hauptwiderspruch unserer Epoche. Wie der Klassiker Lenin sagte: die Situation ist in gewissem Maße revolutionär: Die Oberen können und die Unteren wollen nicht mehr so leben wie bisher.

Diese Lage der Dinge birgt eine ganze Kette globaler Konflikte, und das bedroht die gesamte Menschheit, auch deren westlichen Teil. Mit diesem Widerspruch konstruktiv umzugehen – das ist die historische Hauptaufgabe von heute.

Quelle: kremlin.ru/events/president/news/69695

Übersetzung aus dem Russischen: Reinhard Lauterbach

Von Herder zu Lenin

Putin präsentiert sich in seiner Rede als konservativer Antiimperialist und skizziert Umrisse einer neuen Weltordnung

Der Ukrainekrieg war noch keine zwei Tage alt, da sagte Außenminister Sergej Lawrow bei einem Besuch in Indien, er werde auch um eine neue Weltordnung geführt. Was damals aus Lawrows Mund klang wie eine rhetorische Überhöhung eines praktisch stattfindenden Gewaltaktes, ist inzwischen von den drei im Februar formulierten Kriegszielen Russlands dasjenige, das noch die größte Kontinuität aufweist. Einerseits ist das kein Wunder, weil es von der praktischen Durchsetzung am weitesten entfernt ist; andererseits aber zeigt Putins Rede auf der diesjährigen Ausgabe des Waldai-Forums, dass Russland sein Konzept einer nachhegemonialen Weltordnung durchaus ausformuliert hat.

In ihrer theoretischen Grundlegung sind Putins Ausführungen eklektisch bis konfus. Was soll man von dem kruden Übergang von der verschwindenden Biodiversität zur US-Hegemonie halten, die die traditionelle Vielfalt der Nationen zum Verschwinden bringe? Die Völker als Blumen im Garten der Geschichte – die Metapher stammt von Johann Gotfried Herder (1745–1803), der die Begriffe des »Volksgeists« und des »Nationalcharakters« erfunden und geschrieben hat: »Offenbar ist die Anlage der Natur, dass (…) alle endlich die schwere Lektion gefasst haben: kein Volk ist ein von Gott einzig auserwähltes Volk der Erde; die Wahrheit müsse von allen gesucht, der Garten des gemeinen Besten von allen gebauet werden.« In Russland wurde das einige Jahrzehnte später von den Slawophilen aufgenommen, am berühmtesten formuliert in dem 1866 entstandenen Epigramm des russischen Dichters und Diplomaten Fjodor Tjuttschew: »Verstehen kann man Russland nicht, und auch nicht messen mit Verstand. Es hat sein eigenes Gesicht. Nur glauben kann man an das Land.« Das war eine Polemik gegen die Versuche liberaler (und linker) Kritiker, die Russland nach dem Vorbild Europas verändern wollten.

Putin steht in dieser Debatte auf Tjutschews Seite. Er will jede Kultur und »Zivilisation« gelten lassen, auch die auf einer Mischung von Sklaverei und Rohstoffrente beruhende »Zivilisation« der Golfemirate, solange ihm eine Allianz mit ihnen erfolgversprechend scheint, Russland die Subversionen und Zumutungen der »westlichen Wertegemeinschaft« vom Hals zu halten.

Putin ist wie viele konservative Autoren ein scharfsinniger und treffender Kritiker der herrschenden Zustände. Die Heuchelei, mit denen diese verteidigt werden, bringt er präzise auf den Punkt und führt sie korrekt auf das kaum verhüllte Streben nach Aneignung aller Ressourcen der Erde durch die Metropolen zurück. Aber seine Alternativvision kann man nur idealistisch nennen: ohne die Eigentumsfrage zu stellen oder das Wort Sozialismus in den Mund zu nehmen, soll »der Fortschritt allen zugute kommen« und »Demokratie in den internationalen Beziehungen« einziehen. Lenin, den er am Schluss seiner Rede mit dem berühmten Wort zitiert, eine revolutionäre Situation liege vor, wenn die oben nicht mehr so leben könnten wie zuvor, und die unten es nicht mehr wollten, hätte das in der Luft zerrissen.

Putins Anleihen bei Lenin gehen aber durchaus weiter als nur dieses eine Zitat. Die Gemeinschaft der unterdrückten Staaten mit der Sowjetunion als »Proletariat der Staatenwelt« – das hat es in der Propaganda der 1920er Jahre als Topos ja gegeben. Und der letzte, hier aus Platzgründen nicht zitierte Satz aus Putins Rede über den »Wechsel der Wegzeichen«, der unausweichlich sei, spielt an auf eine Publikation aus der russischen Emigration von 1921 mit diesem Titel und der Forderung, man müsse die Sowjetmacht anerkennen, sie sei immerhin das »reale Russland«. Genau wie Putin die Sowjetunion als Erbe akzeptiert, ohne sie wiederherstellen zu wollen – oder zu können.

Ob die von Putin anvisierte neue multipolare Weltordnung friedlicher oder den Menschen und Völkern zuträglicher wäre als die jetzige, muss sich zeigen. Das Argument für diese Skepsis ist, dass der Erste Weltkrieg aus einer ebensolchen multipolaren Ordnung hervorgegangen ist. Einer Ordnung kapitalistischer Teilnehmer freilich. Schlimmer, spaltender und kriegsträchtiger als die heutige kann seine Weltordnung kaum werden. Putin scheint gewillt, die Probe aufs Exempel zu riskieren. Die Frage ist, wieviele Gleichgesinnte er findet. Sie wird sich praktisch entscheiden: daran, wer sich traut mitzumachen. Eine theoretische Lösung dieser Frage gibt es nicht. Reinhard Lauterbach

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gabriel T. aus Berlin ( 4. November 2022 um 19:20 Uhr)
    Nein, Herr Lauterbach, Lenin hat und hätte damals wie heute diese eurozentristische, chauvinistische »Linke« der Metropolen in der Luft zerrissen. Dass genau diese kleinbürgerliche Mischpoke sich heute derart dummdreist in Form von Scholz oder Lauterbach sich dieses russischen Antiimperialisten bedient, um gegen seine Nachfahren zu hetzen, erreicht so langsam wirklich die Ekelebene.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ronald B. aus Kassel-NORD! ( 3. November 2022 um 10:14 Uhr)
    Wie mir aus dem fernen Burjatien getrommelt wurde, hat der russische Präsident WWP laut originaler Audiospur anders als in der jW-Übersetzung den Namen Lenin nicht ausgesprochen, sondern vielmehr schmunzelnd »wie es in einem Klassiker heißt« gesagt. Der Ausspruch Lenins, wonach die Oberen nicht mehr können und die Unteren nicht mehr wollen, den WWP hier jetzt wohlgemerkt nicht auf die Klassen-, sondern die Geomachtblockfrage bezieht, kennt in Russland ein Großteil der Bevölkerung – wie ihn auch ein Gutteil der jW-Leserschaft kennen dürfte. Für die jW-Leser ohne diese Kenntnis hätte man die Namensnennung von Lenin dann aber in eckigen Klammern hinzufügen dürfen. Die nicht explizite Namensnennung von Lenin durch den derzeitigen russischen Präsidenten wäre – wie mir ferner getrommelt wurde – auch insofern logisch, als das WWP gegenüber Lenin allgemein ein bestenfalls distanziertes und ambivalentes Verhältnis demonstrierte und demonstriert. – Den Parteikommunisten hierzulande dieses rein präventiv zur Kenntnis!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum ( 2. November 2022 um 17:53 Uhr)
    Zuerst: Vielen Dank für die (teilweise) Übersetzung der Putin-Rede und den URL zu deren russischen Transkription. Hier findet man eine englische Transkription: http://en.kremlin.ru/events/president/news/69695
    Ich teile die Meinung Lauterbachs, dass »Putins Ausführungen eklektisch bis konfus« sind, aber welche Biden-, Scholz- oder Baerbock-Rede ist das nicht? Insofern würde ich gleiche Augenhöhe dieser Kreise diagnostizieren – soviel Kommentar auch zu anderen Leserbriefen zu diesem Artikel. Bei Putin lohnt sich allerdings der Aufwand, nach den Nadeln im Heuhaufen zu suchen. Zu den von Lauterbach entdeckten möchte ich zwei (nicht übersetzte) hinzufügen: »Russland ist der Ansicht, dass der Prozess der Schaffung neuer internationaler Finanzplattformen, einschließlich solcher für den internationalen Zahlungsverkehr, unumgänglich ist. Solche Plattformen sollten außerhalb nationaler Zuständigkeiten liegen, sicher, entpolitisiert und automatisiert sein und nicht von einem einzigen Kontrollzentrum abhängen.« Und: »In diesem Zusammenhang könnte es sich lohnen, darüber nachzudenken, dass die Struktur der Vereinten Nationen, einschließlich ihres Sicherheitsrates, die Vielfalt der Weltregionen besser widerspiegeln sollte. Schließlich wird in der Welt von morgen viel mehr von Asien, Afrika und Lateinamerika abhängen, als man heute gemeinhin annimmt, und eine solche Zunahme ihres Einflusses ist sicherlich positiv.« Solche Nadeln pieksen heftig, auch wenn sie etwas konfus wirken. Eklektisch würde ich sie nicht nennen. Man sollte nicht vergessen, wie lange es gedauert hat, bis der Dollar das Pfund als Leitwährung abgelöst hat und unter welchen Bedingungen das stattfand. Faktisch würde die Durchsetzung dieser beiden Forderungen den Ruin (nicht nur) der US-amerikanischen Volkswirtschaft bedeuten (die müsste dann nämlich ihre Dollarschulden bezahlen). Putin steht somit voll auf Augenhöhe mit Baerbock. Ob die Dame das versteht?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover ( 4. November 2022 um 11:28 Uhr)
      Die Ergänzungen sind auch aus meiner Sicht sehr wichtig, vor allem was die Notwendigkeit einer Reform internationaler Zahlungssysteme betrifft. Dahinter steht ja nicht nur die westliche Blockade russischer Guthaben, sondern auch die westliche Willkür bei der Einbehaltung venezolanischer oder afghanischer Guthaben bzw. Goldreserven. Dass Afghanistan zudem aus dem SWIFT-Zahlungssystem ausgeschlossen wurde, erinnert an mittelalterliche Belagerungen, mittels derer zu erobernde Städte ausgehungert werden sollten. Wie soll Afghanistan mit Exporteinnahmen Lebensmitteleinfuhren finanzieren, wenn es aus SWIFT ausgeschlossen ist? Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Hunger in Afghanistan entlarvt das westliche Pochen auf ukrainische Getreidausfuhren – vorgeblich zur Bekämpfung des Hungers in der Welt – einmal öfter als scheinheilig. Es könnte bei diesem Pochen vielleicht eher um eine andere Art von Hunger gehen, nämlich den Kapitalhunger westlicher Rohstoffspekulanten, die ihre Futures auf ukrainische Getreideausfuhren nicht abschreiben wollen. Auch Putins Gedanken zur Reform des UN-Sicherheitsrates sind von Bedeutung. Sie gehen u. a. gegen die peinlichen deutschen Ansprüche auf einen ständigen Sitz. Als ob Europa dort nicht längst überrepräsentiert wäre. Oder soll man sagen: Als ob die notorische Einseitigkeit der westlichen und auch deutschen Beurteilung internationaler Probleme eine notwendige »Qualifikation« für die Mitarbeit in diesem Gremium wäre? Nochmal danke für die Ergänzungen.
  • Leserbrief von Dirk B. aus Berlin ( 2. November 2022 um 11:33 Uhr)
    »… Die sogenannte Cancel Culture, die Kultur des Ausschlusses, ist in Wahrheit der Ausschluss der Kultur. Sie versucht, alles Lebendige und Kreative auszulöschen, sie versucht, das freie Denken kleinzuhalten, und macht vor keinem Gebiet halt: weder der Wirtschaft noch der Politik oder der Kultur …« Das ist unglaublich: Über das freie Denken und Kreativität zu fabulieren und im eigenen Land alle kritischen Medien zu verbieten, Andersdenkende als feindliche Agenten zu titulieren bzw. Demonstranten einzusperren! Was für ein Heuchler und Lügner!
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 2. November 2022 um 11:06 Uhr)
    Wladimir Putin sieht sich in einem Krieg mit dem Westen und begründet den Angriff auf die Ukraine vor allem mit den Demütigungen, die Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zugefügt worden seien. Jetzt versucht er es ideologisch zu begründen. Zitat: »Ich (Wladimir Putin) bin davon überzeugt, dass wirkliche Demokratie in einer multipolaren Welt vor allem voraussetzt, dass jedes Volk – nochmals: jedes Volk, jede Gesellschaft, jede Zivilisation – das Recht hat, den eigenen Weg zu wählen, das eigene sozioökonomische System. Wenn die USA oder die Staaten der EU dieses Recht haben, dann steht es auch den Ländern Asiens, den islamischen Staaten, den Monarchien des Persischen Golfs und allen anderen Staaten zu. Und natürlich auch uns, Russland, und niemand wird uns diktieren, nach welchen Prinzipien wir unsere Gesellschaft aufzubauen haben.« Mit dieser These ergibt sich ein Widerspruch, was die ukrainisch bewohnten Gebiete – ausgenommen der russischsprachigen Territorien und Transkarpatien – anbelangt. Zwar waren die ukrainischen Gebiete alle Zeiten ethnisch heterogen, aber für diejenigen, die sie sich ukrainisch halten und sein wollen, dürfen Putins These auch gelten müssen.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover ( 4. November 2022 um 10:55 Uhr)
      Die besagten »Demütigungen« Russlands durch den Westen nach dem Zerfall der Sowjetunion sind nur ein Teilaspekt für die Begründung des russischen Eintritts in den Donbass-Krieg. An vorderster Stelle steht die Verteidigung der Donbass-Republiken gegen die seit Mitte Februar dieses Jahres wieder massiv eskalierten Angriffe aus der Westurkaine und speziell gegen die von Selenskij höchstpersönlich ins Spiel gebrachte Option einer Zurückeroberung der Ostukraine mit Hilfe von Atombomben, ein makabres »Spiel«, das offensichtlich mit dem Westen abgestimmt war. Erst bei der umfassenden westlichen Unterstützung für die Aggression der Ukraine gegen ihre eigene Bevölkerung kommt das westliche Dominanzgehabe ins Spiel, so dass die russischen Maßnahmen indirekt auch zu einem Krieg gegen den Westen werden. Die jahrzehntelange Opposition des Westens gegen jegliche russische Bemühungen zur gleichberechtigten Integration Russlands in die westliche Staatenwelt ist ein katastrophales westliches Politikversagen. Dabei sind russische Bezugnahmen auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker natürlich ebenfalls dort hinterfragbar, wo einst mehrheitlich westukrainisch orientierte Regionen wie Cherson in die Russische Föderation aufgenommen werden. Wo ein Großteil der dort ansässigen Bevölkerung flucht- und kriegsbedingt nicht an der vorangegangenen Abstimmung teilnahm, ist das Ergebnis des Referendums nur sehr begrenzt aussagekräftig und allein als Unrechtsreplik auf Selenskijs Unrechtsansage verständlich, dass doch auswandern könne, wem es als Russischstämmigen in der Ukraine nicht gefalle. Wenn man von Ostukrainern die Abstimmung mit den Füßen erwarten kann, muss man sie auch Westukrainern zumuten können, so falsch das hier wie da auch ist. In Zeiten großer Bedrohung kann man eben nicht immer darauf verzichten, einen Aggressor auch mit dessen eigenen Waffen zurückzuschlagen.
  • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude, Russland ( 2. November 2022 um 04:49 Uhr)
    Danke für einen solchen Beitrag, der in der deutschen Presselandschaft so höchst selten zu finden ist. Da hat der Bundestag doch glatt vergessen, von einem Tag auf den anderen in sein neues Gesetz zu schreiben , dass es unter Strafe gestellt wird, wenn man »Kriegsverbrecher« in deutschen Medien zu Worte kommen lässt. Wer dazu zählt, legt die Propaganda der Medien oder irgendein Redner in ebendiesem Bundestag fest, fast nie ein internationales Gericht. US-Expräsidenten, die als Friedensnobelpreisträger Reden auf deutschen Kirchentagen halten und dort gefeiert werden, gehören trotz ihrer illegalen Drohnenmorde nicht dazu. Jedenfalls muss die Gesetzeslücke dringend geschlossen werden, dass man in Deutschland unkommentiert und nicht aus dem Zusammenhang gerissen erfährt, was ein russischer Präsident sagt. Wetten, dass es bald auch dazu kommt?

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