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Aus: Ausgabe vom 02.11.2022, Seite 7 / Ausland
US-Imperialismus

Kriegsvorbereitung in Übersee

USA planen Stationierung von atomwaffenfähigen »B-52«-Bombern auf Luftwaffenbasis in Australien
Von Thomas Berger
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Über den Wolken: US-Provokationen durch »B-52«-Bomber (Colorado, 13.12.2021)

Es ist der nächste Schritt der US-Kriegsvorbereitungen im asiatisch-pazifischen Raum: Wie zuerst das TV-Investigativprogramm »Four Corners« des australischen Senders ABC am Sonntag abend (Ortszeit) enthüllte, planen die USA, bis zu sechs atomwaffenfähige »B-52«-Bomber auf der Luftwaffenbasis Tindal im Northern Territory (NT) zu stationieren. Die offizielle Stellungnahme Beijings steht zwar noch aus. Aber Hu Xijin, früherer Chefredakteur der englischsprachigen Global Times, twitterte am Dienstag warnend, vor allem Australien solle sich in acht nehmen. »Die Dongfeng-Raketen der PLA (Volksbefreiungsarmee, Anm. jW) fliegen definitiv schneller als die ›B-52‹-Bomber«, so der Journalist. Unter Bezugnahme auf den traditionellen US-Militärstützpunkt im Südpazifik heißt es weiter: »Wenn Australien zu einem ›großen Guam‹ werden will, muss es die daraus resultierenden strategischen Risiken tragen.«

Der Flughafen Tindal liegt einige Kilometer östlich der Kleinstadt Katherine – einem von wenigen etwas größeren Siedlungsflecken in den sonst nur spärlich bewohnten Weiten des NT. Mit dem Auto ist es von Katherine aus bis in dessen Hauptstadt Darwin gut eine halbe Tagesreise. Die Start- und Landebahn in Tindal war 1942 angelegt worden, als auch der Norden Australiens im Zweiten Weltkrieg von Japan angegriffen wurde. Bis zur Fertigstellung der Anlagen hatte sich das Blatt aber gewendet, so dass im Krieg dort keine Flugzeuge mehr zum Einsatz kamen. 1988/89 erfolgte dann eine Modernisierung, als die Royal Australian Air Force das Gelände übernahm. Seither sind dort verschiedene Einheiten stationiert.

Die »B-52«-Bomber, die seit Jahrzehnten das strategische Rückgrat der US-Luftwaffe darstellen, haben eine Reichweite von 14.000 Kilometer. Wie ABC unter Berufung auf die vorliegenden Pläne meldet, wollen die USA die günstige Lage Tindals mit Blick auf China sowie die vorhandene Infrastruktur wie Wartungsmöglichkeiten für die Flugzeuge nutzen sowie dort Trainingsflüge absolvieren. Wann es soweit sein könnte, ist unklar. Das australische Verteidigungsministerium reagierte nicht auf eine Anfrage des Senders. Von der US-Luftwaffe wurde dem »Four Corners«-Team zumindest grundsätzlich bestätigt, dass »eine starke Botschaft an unsere Gegner« ausgesendet werden solle, was die Fähigkeiten für Luftschläge betreffe. Zu interpretieren ist all dies auch im Kontext um das aggressive Auftreten der USA wegen Taiwans.

China betrachtet die Insel, auf die sich 1949 die Reste des geschlagenen Guomindang-Regimes zurückgezogen hatten, als Provinz der Volksrepublik. Die USA allerdings haben, egal wer in Washington an der Macht war, die nur von etwa einem Dutzend Ländern diplomatisch anerkannte Regierung Taiwans wiederholt ihrer militärischen Rückendeckung versichert. Die Besuche westlicher Spitzenpolitiker – erst die US-amerikanische Demokraten-Führerin Nancy Pelosi, später beispielsweise auch Gruppen von Bundestagsabgeordneten – gossen Öl ins Feuer des Konfliktes.

Im September 2021 hatte Australien zusammen mit den USA und Großbritannien den neuen AUKUS-Pakt gegründet, der explizit gegen China gerichtet ist. Von einer jetzt gefährlichen neuen Qualität der Verstrickung Down Unders in die Kriegsspiele der USA gegenüber China spricht Richard Tanter, Forscher am Nautilus Institute: »Es ist eine große Ausweitung der Beteiligung«, wurde der langjährige Antiatomaktivist in einem weiteren ABC-Beitrag vom Dienstag zitiert. Zwar haben gemeinsame Übungen von US-Marines mit australischen Truppen (zuletzt »Pitch Black« Mitte August unter erstmaliger Beteiligung von Japan, Südkorea und der Bundesrepublik) Tradition, die »B-52«-Stationierung sei aber ein weit stärkeres Signal.

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