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Aus: Ausgabe vom 02.11.2022, Seite 1 / Ausland
Energiekrieg

Moskau beschuldigt London der Sabotage

Nord-Stream-2-Betreiber kündigt Schadensbegutachtung an. Eventuell nur eine Röhre beschädigt
Von Nick Brauns
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Aus der auf Höhe der dänischen Insel Bornholm gesprengten Gaspipeline Nord Stream 2 aufsteigendes Gas (27.9.2022)

Die Betreibergesellschaft der Ende September durch Sabotageangriffe nahe Bornholm beschädigten Ostseegaspipeline Nord Stream 2 will die Schäden selbst untersuchen. »Wir planen, ein Spezialschiff einzusetzen, das uns weiteren Aufschluss über den Zustand unserer Anlage geben kann«, erklärte Ulrich Lissek, Sprecher der Nord Stream 2 AG, gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten (Mittwochausgabe). Aufgrund von Sanktionen dürfte es für die im schweizerischen Zug ansässige Firma allerdings schwer sein, ein entsprechendes Schiff zu chartern. Vergangene Woche hatte bereits der Betreiber der ebenfalls beschädigten Pipeline Nord Stream 1 eine Untersuchung angekündigt.

Laut Lissek sei nur in einer der beiden Röhren von Nord Stream 2 ein Druckabfall registriert worden, so dass die zweite Leitung intakt sei. Dagegen antwortete die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der AfD, die als einzige Bundestagsfraktion die Öffnung der Pipeline fordert, es sei »sehr wahrscheinlich, dass der Sabotageakt mit starken Explosionen negative Auswirkungen auf beide Pipelinestränge hatte und die grundsätzliche technische Verfügbarkeit somit aktuell nicht mehr gegeben ist«. Diese Ferndiagnose entspricht dem Wunschdenken der Ampelregierung, die die Inbetriebnahme der von den USA strikt abgelehnten Pipeline bislang verhindert hat.

Die russische Regierung beschuldigte am Dienstag erneut Großbritannien, »etwas mit dieser Sabotage oder – auf russisch gesagt – mit diesem Terroranschlag gegen die lebenswichtige Energieinfrastruktur zu tun« zu haben, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax erkläre. Zuvor hatte bereits Präsident Wladimir Putin »Angelsachsen« als Verursacher der Explosionen ausgemacht. Das britische Verteidigungsministerium sprach von einer »erfundenen Geschichte«. Mit der Behauptung, die britische Marine besitze gar nicht die Fähigkeiten, die Gasleitungen zu sprengen, war der frühere Royal-Navy-Admiral Christopher Parry bereits am Wochenende seiner Regierung im Sender Sky News zur Seite gesprungen.

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