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Aus: Ausgabe vom 03.11.2022, Seite 10 / Feuilleton
Alltagskunde

Schwer vernagelt: Hufeisen

Von Marc Hieronimus
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Tut angeblich nicht weh: Pferd kriegt neue Schuhe

Erfunden oder zumindest weithin bekannt wurde das Hufeisen im frühen Mittelalter und gehört neben Räderpflug, Steigbügel und Dreifelderwirtschaft zu den ganz großen Errungenschaften am Ende der Antike, die nicht auf die Römer oder Griechen zurückgehen. Anders als die vorgenannten war das Hufeisen militärisch und zivil von größtem Nutzen, weil mit ihm der Tierverschleiß auf dem Feld deutlich geringer ausfiel. Es wird in den Huf genagelt und bleibt für gewöhnlich an seinem Bestimmungsort. Man fand also immer schon nur selten ein verlorenes, das man sich dann als Glücksbringer über das Scheunentor hängte.

Heute ist es noch unwahrscheinlicher, eines in Wald und Flur zu finden, da das Pferd nur noch selten als Transport- und Freizeitgerät, fast gar nicht mehr zur Arbeit genutzt wird. Sehr häufig aber hören wir vom »Pferdeschuh« (engl.) bzw. »Pferdeeisen« (frz.) in der sogenannten Hufeisentheorie, nach der das demokratische Zentrum unserer Republik flankiert sei von zwei gleichwertigen Extremen, einem rechten und einem linken. Nun mag die Bourgeoisie im Januar 1933 im letzten Moment die absteigende NSDAP an die Macht gebracht haben, da diese sonst an die immer noch stärker werdenden Kommunisten überzugehen drohte, doch seither geht die Gefahr für die bürgerliche Gesellschaft fast ausschließlich von rechts aus. Den nach offizieller, nicht unumstrittener Zählart 33 Toten durch die RAF stehen weit über 200 Todesopfer rechter Gewalt allein seit 1990 gegenüber. Auch um bei Geheimdiensten, Polizei, Militär, Justiz einen Linken zu finden, braucht es Geduld und viel Glück.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Roland W. aus 08280 Aue ( 4. November 2022 um 17:36 Uhr)
    Am Hufeisen sollen die »Extreme« links und rechts deutlich gemacht werden. Allein der beständige Verweis auf »Extreme von links und rechts« ist verlogen, verschweigt die Realität. Was nennt sich bis heute links, will als links verstanden werden, gibt sich so? Was ist wirklich noch links im eigentlichen politischen Verständnis? Was ist letztlich noch links im Verständnis davon, diese Gesellschaft infrage zu stellen, zu überwinden? Da muss das Hufeisen schon ein erstes Mal ziemlich ver- und hin- wie hergebogen werden. Sehen wir auf das »rechte Extrem«. Wann ging je welche Gefahr für die bürgerliche Gesellschaft vom rechten Extrem aus? Gefahr war und ist immer das linke Extrem, und das nur dann, so es den Systemwandel als politisches Ziel formuliert (Kommunistisches Manifest). Die »rechte Gefahr« ist keine Gefahr für das System, war nie eine Gefahr, wird auch jetzt keine sein. Das ist hinreichend erwiesen allein am deutschen Faschismus, seinem Entstehen, Machtübernahme bis zum Untergang und den Nürnberger Prozessen. Mehr als drei Jahrzehnte deutsche Einheit ist voller Beweise dafür, wie nie rechts die Gefahr gesehen wird, aber links immer. Welcher Beweise braucht es dafür noch? Die sogenannte rechte Gefahr ist kaum mehr als eine ideologische, politische Krücke oder Waffe, um Massen zu verdummen, mehr noch, sie als Waffe gegen links zu richten. Alle Entwicklungen in der politischen Gegenwart lassen keine andere Wirklichkeit erkennen.

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