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Aus: Ausgabe vom 25.10.2022, Seite 7 / Ausland
Zwei Jahre Krieg

Friedensgespräche eröffnet

Treffen in Südafrika: Unter Vermittlung von Afrikanischer Union kommen äthiopische Regierung und separatistische TPLF zusammen
Von Ina Sembdner
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»USA, hört auf, unser Blut zu saugen«: Zehntausende demonstrieren in Addis Abeba für den Regierungskurs (22.10.2022)

Es hat lange gedauert. Am Montag trafen sich erstmals nach Ausbruch der Feindseligkeiten die äthiopischen Konfliktparteien, um in Südafrika unter Vermittlung der Afrikanischen Union (AU) Friedensverhandlungen aufzunehmen. Die Vertreter der »Befreiungsfront von Tigray« (TPLF) gaben in der Nacht via Twitter die Ankunft ihrer Delegation bekannt. Die äthiopische Regierung teilte mit, ihre Delegation sei am Montag morgen Richtung Südafrika gereist. Am 3. November 2020 hatte die in der nördlichen Region regierende TPLF den bewaffneten Kampf gegen die Zentralregierung in Addis Abeba aufgenommen. Darauf folgte ein brutaler Schlagabtausch, der von der TPLF auch auf die Nachbarregionen Amhara und Afar ausgeweitet wurde. Die äthiopischen Streitkräfte (ENDF) boten ihrerseits alles auf, was die moderne Kriegführung zu bieten hat. Tausende Menschen kamen bei den Kämpfen ums Leben, Millionen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben, Hunderttausende sind von akutem Hunger betroffen.

Zuletzt musste die TPLF jedoch deutliche Gebietsverluste hinnehmen. Die Separatisten, die vor dem Antritt der Regierung von Abiy Ahmed knapp 30 Jahre lang autoritär die Geschicke des Landes bestimmten, hatten nach Angaben Addis Abebas am 24. August eine erneute Offensive gestartet, nachdem ein vereinbarter Waffenstillstand fünf Monate gehalten hatte. Zuletzt wurde am Sonntag die Einnahme der historischen Stadt Adua in der Region Tigray vermeldet. Am vergangenen Dienstag hieß es vom Informationsdienst der äthiopischen Regierung: »Die ENDF haben die Kontrolle über die Städte Shire, Alamata und Korem übernommen, ohne dass es zu Kämpfen in den städtischen Gebieten kam.« In einer Erklärung vom Montag wurde hinzugefügt, dass geprüft würde, »wie die öffentliche Verwaltung und die sozialen Dienste in diesen Gebieten in Absprache mit der örtlichen Bevölkerung wieder aufgenommen werden können«.

Am Sonnabend hatten Zehntausende bei landesweiten Demonstrationen ihre Unterstützung der Regierung zum Ausdruck gebracht und sich gegen eine politische Einmischung des Westens und der UNO ausgesprochen. Auf Plakaten waren nach Angaben der staatlichen Agentur ENA und Berichten in sozialen Netzwerken unter anderem zu lesen: »Kein Stellvertreterkrieg mehr!« – die separatistische Miliz wurde und wird vor allem von den US-Demokraten unterstützt –, »Entwaffnung der TPLF zur Sicherung des Friedens« oder »Keine parallele Armee in einem einzigen Land«. Der anhaltende Konflikt in Äthiopien war auch Thema eines geschlossenen Treffens des UN-Sicherheitsrats am Freitag. Eine gemeinsame Erklärung kam dabei wegen fehlender Einigkeit unter den 15 Mitgliedern nicht zustande, wie die US-Agentur AP berichtete. Auch in der lange umkämpften Region Amhara gingen Einwohner nach Angaben von ENA am Sonntag auf die Straßen. Dort wurde ebenfalls betont, dass »die ­Tigrayer unser Volk sind, und die TPLF ist unser Feind«. An die international in Äthiopien tätigen Organisationen erging die Aufforderung: »Hören Sie auf, sich unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe einzumischen.«

Gelegenheit zur eigenständigen Klärung des Bürgerkriegs bieten nun die Verhandlungen in Südafrika. Addis Abeba erklärte, diese böten »eine Chance, den Konflikt friedlich zu lösen und die Verbesserung der Situation vor Ort zu festigen«. Der TPLF-Sprecher Kindeya Gebrehiwot schrieb auf Twitter, der Fokus liege auf der sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten, dem ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe und dem Rückzug der eritreischen Streitkräfte. Das Nachbarland, das im November 2020 ebenfalls von Tigray aus angegriffen worden war, hat sich bislang zu einer Präsenz in Äthiopien nicht geäußert.

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