75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 3. / 4. Dezember 2022, Nr. 282
Die junge Welt wird von 2690 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 10.10.2022, Seite 8 / Ansichten

Heldin des Tages: MASZ

Von Klaus Fischer
Ukraine_Krieg_Strack_75487818(1).jpg
Marie-Agnes Strack-Zimmermann besuchte am Donnerstag das AKW Tschernobyl

Rüstungslobbyisten sind das Verbindungsglied zwischen Waffenindustrie und politischer Führung. Man findet sie in – und in großer Zahl sehr nahe an – westlichen Parlamenten. Für gewöhnlich bleiben sie unterm Radar der Öffentlichkeit, weil das den Job erleichtert. Schließlich geht es bei ihrem Geschäft um Tod und Verderben.

Seit es in (West-)Deutschland wieder gegen »den Russen« geht (meist heißt er Putin), wird die Sache gern emotional zelebriert. Als die mit Abstand eifrigste Volksvertreterin ihres Schlages in Deutschland hat sich in den zurückliegenden Monaten die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (MASZ) profiliert. Ihr mit brechender Stimme im TV vorgetragener Kampfruf »Ruhm der Ukraine« bleibt unvergessen.

Und sie haut weiter kräftig auf den Putz: Waffen für Kiew, das ja auch »unsere Werte« verteidigt, mehr Waffen, schwere Waffen, noch mehr Waffen, so ihr mit Inbrunst vorgetragenes Mantra. Zum Wochenende war sie erneut an der Ostfront. Dort tat die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages so, als sei die Lieferung deutscher Leopard-II-Kampfpanzer an das Kiewer Regime nur noch eine Frage von Tagen. Man müsse nur weiter Druck auf den Kanzler und die SPD machen. Dafür wurde sie im Kreise der Selenskij-Faschisten frenetisch gefeiert. Der Spiegel textete: »Bei ihrem Besuch in Kiew jubeln ihr ukrainische Abgeordnete zu, doch daheim beschimpfen manche sie als Kriegstreiberin.«

Was bleibt noch zu sagen? Ach ja: Strack-Zimmermann ist (u. a.) Mitglied des Präsidiums des Förderkreis Deutsches Heer e. V. sowie der Deutschen Wehrtechnischen Gesellschaft e. V., Vizepräsidentin der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und Mitglied des Beirats der Bundesakademie für Sicherheitspolitik.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (12. Oktober 2022 um 16:49 Uhr)
    Wer anderes könnte es schon sein, die Heldin des Tages! Natürlich Marie-Agnes Strack Zimmermann, die bundesweit bekannte Rüstungslobbyistin von der FDP. Und als eine Vertreterin der Rüstungsindustrie sitzt sie natürlich im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages. Dort bekleidet sie – wie sollte es auch anders sein – ganz selbstverständlich das Pöstchen der Ausschussvorsitzenden. Da soll mal einer sagen, die Lobbyisten hätten es schwer in diesem Land. Bekannt wurde die alte Kriegstreiberin übrigens durch ihre zahlreichen Unkenrufe, mehr schwere Waffen und endlich deutsche Panzer in die Ukraine zu liefern. Was Marie-Agnes überhaupt nicht vertragen kann, ist, wenn jemand von Friedensverhandlungen redet. Dann wird sie ganz unerträglich, wie am 02.06.2022 bei Markus Lanz. Wie Hyänen fielen die Kriegstreiber Strack-Zimmermann, Frederik Pleitgen und Lanz mit unzähligen Zwischenbemerkungen über die Professorin Ulrike Guérot von der Universität Bonn her, damit diese nicht einmal die Alternative einer diplomatischen Lösung zum Ukrainekonflikt thematisieren konnte. (Siehe ZDF v. 02.06.2022: Lanz Ukraine Afghanistan, https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-2-juni-2022-100.html) Das macht man übrigens sehr gerne in solchen Gesprächsrunden im deutschen Fernsehen. Einzelne Friedensbefürworter einladen, damit kleinkarierte Kriegstreiber über sie herfallen und sie verbal zerfleischen können. Das soll andere abschrecken, damit keiner auch nur ansatzweise die Wörter Waffenstillstand, Diplomatie und Friedensvertrag in den Mund nimmt. Denn Panzer verkaufen sich ja in Friedenszeiten bekanntlich ganz schlecht.

Mehr aus: Ansichten

Rosa-Luxemburg-Konferenz: Programm einsehen oder Tickets bestellen unter jungewelt.de/rlk