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Aus: Ausgabe vom 10.10.2022, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Energieversorgung

Leere Tankstellen in Frankreich

Streik in Raffinerien führt zu Benzin- und Dieselknappheit. 70 Prozent der Beschäftigten im Ausstand
Von Raphaël Schmeller
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In Frankreich muss man derzeit vielerorts – wie hier im nordfranzösischen Petite-Forêt – an der Zapfsäule Schlange stehen

In Frankreich nehmen die Versorgungsprobleme mit Kraftstoff weiter zu. Am Sonntag war jede dritte Tankstelle des Landes von Benzin- und Dieselknappheit betroffen, teilte die Regierung mit. Grund ist ein seit knapp zwei Wochen andauernder Streik in mehreren Raffinerien und Treibstofflagern, der am Sonntag von der Gewerkschaft CGT erneut verlängert wurde. Betroffen sind Produktionsanlagen der Energieriesen Total Energies und Exxon Mobil.

»Der Ausstand wurde überall verlängert«, erklärte CGT-Gewerkschafter Eric Sellini am Sonntag im Interview mit Franceinfo, »da die Konzernführung nicht auf den offenen Brief geantwortet hat«, den man am Sonnabend an den Vorstandsvorsitzenden von Total Energies, Patrick Pouyanné, gerichtet hatte. In dem Brief hatte sich die CGT zum Dialog »ab Montag auf der Grundlage unserer Lohnforderung« bereit erklärt. Wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten fordert die Gewerkschaft für die Beschäftigten eine Lohnerhöhung von mindestens zehn Prozent. Die »Aufwertung« vom Januar sei angesichts »des realen Inflationsniveaus (…) unzureichend«, so die Gewerkschaft in ihrem Schreiben.

»Wir warten immer noch darauf, dass die Konzernführung sich dazu herablässt, von ihrem Sockel herunterzusteigen und mit den Beschäftigten vor Ort zu sprechen«, reagierte nun Sellini auf das Ausbleiben einer Antwort seitens des französischen Energiekonzerns. Der Gewerkschafter verurteilte außerdem die Äußerungen des Generalsekretärs der regierungsnahen Gewerkschaft CFDT, Laurent Berger, der sich am Samstag auf Franceinter gegen »Präventivstreiks« ausgesprochen hatte. Dieser Streik sei im Gegenteil »das Ergebnis eines Prozesses, der innerhalb des Unternehmens keine Befriedigung gefunden hat«, erklärte Sellini. Es hätten viele Treffen mit der Konzernleitung stattgefunden und bereits im Juni habe es erste Streiks gegeben. »Da die Geschäftsleitung taub ist, bleibt den Arbeitern nur dieser langfristige Streik, um sich Gehör zu verschaffen.« Laut CGT beteiligen sich rund 70 Prozent der Beschäftigten an der Arbeitskampfmaßnahme.

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